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Arktis-Route Maersk schickt erstmals Containerschiff über die Nordostpassage

Die Schifffahrt erhofft sich von der Route eine Alternative zum Suezkanal. Doch noch ist der Seeweg im Norden Russlands beschwerlich.
21.08.2018 Update: 21.08.2018 - 20:48 Uhr 1 Kommentar
Das Unternehmen schickt in den kommenden Tagen erstmals ein Containerschiff auf die Nordostpassage. Quelle: Reuters
Containerschiff von Maersk in New York

Das Unternehmen schickt in den kommenden Tagen erstmals ein Containerschiff auf die Nordostpassage.

(Foto: Reuters)

Stockholm Zeit ist Geld – deshalb will die weltgrößte Container-Reederei Maersk Line aus Dänemark erstmals ein Containerschiff über die Nordostpassage von Wladiwostok nach St. Petersburg schicken. Der Start ist für die kommenden Tage geplant; die „Venta Mærsk“ wird Ende September in St. Petersburg erwartet. Rund ein Drittel der Fahrzeit könne auf der Reise von Asien nach Europa gegenüber der Fahrt durch den Suezkanal eingespart werden, hofft Maersk.

Dass die dänische Reederei ihre Probefahrt gerade jetzt unternimmt, hat gute Gründe: Wegen des Klimawandels ist die bis vor Kurzem nahezu unpassierbare Passage durch die Barentssee, vorbei am Nordpol durch das arktische Packeis und durch das Beringmeer nach Asien plötzlich schiffbar geworden.

Nach dem ungewöhnlich heißen Sommer auch auf der nördlichen Halbkugel sind die Chancen für eine erfolgreiche Passage größer denn je. Untersuchungen von Polarforschern und Meteorologen haben ergeben, dass das Polareis immer stärker abschmilzt.

Dennoch sieht Maersk die Fahrt der „Venta Maersk“ bislang nur als einen Test an. „Die Versuchspassage erlaubt es uns, die operative Durchführbarkeit von Containerschifffahrt durch die Nordostpassage zu untersuchen und Daten zu sammeln“, erklärte ein Unternehmenssprecher gegenüber der norwegischen Online-Zeitung „High North News“, die als erste über die geplante Fahrt durch das arktische Eis berichtet hatte. Eine kommerzielle Alternative zum bestehenden Netzwerk sei die Route noch nicht.

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    „Die jetzige Testfahrt ist mit den russischen Behörden nach einer gründlichen Analyse der Eisverhältnisse geplant worden“, teilte Maersk mit. „Sollte es notwendig sein, wird es Hilfe von Eisbrechern geben. Die Reederei setzt für die Testfahrt den neuen Frachter „Venta Maersk“ ein. Er wird auf der Reise durch die Nordostpassage unter anderem tiefgekühlten Fisch nach Europa bringen.

    Bislang ist die Fahrt an den Küsten Russlands bis nach Asien nur mit Hilfe von Eisbrechern möglich gewesen. Zu hoch stapelte sich das Treibeis auf, als dass es ein gewöhnlicher Frachter durchbrechen konnte. Doch seit einigen Jahren ist die Eisdecke wegen zunehmender Erderwärmung immer dünner geworden, sodass selbst in den Wintermonaten zuletzt mehrere Schiffe die Nordostpassage ohne Hilfe eines Eisbrechers passieren konnten.

    Vor allem Russland treibt aus geostrategischen Überlegungen die Öffnung der Nordostpassage voran. Im Juli schickte der Gaskonzern Novatek erstmals einen Spezialfrachter für Flüssigerdgas (LNG) über die Route nach China.
    Allerdings ist die Passage immer noch kompliziert. Nur Schiffe der Eisklasse wie die „Venta Maersk“ können im Sommer die Route befahren. Zusätzlich müssen bei schwierigeren Eisverhältnissen atomgetriebene Eisbrecher eingesetzt werden. Entlang der Passage gibt es außerdem wenig Häfen und für die Unternehmen interessante Märkte.

    Experten sehen deshalb die Nordostpassage noch nicht als eine Alternative zur anderen Routen an. Das könnte sich allerdings ändern, wenn die Erderwärmung weiter zunimmt und damit immer mehr Eis abschmilzt. In einer Studie des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, das „mit einiger Wahrscheinlichkeit“ davon auszugehen ist, „dass Mitte des Jahrhunderts die Nordost- und Nordwestpassagen im Sommer durchgängig befahrbar sein werden“.

    Niedrigere Frachtkosten sind der Haupttreiber für die Erschließung neuer Routen. Allerdings ist derzeit die Fahrt durch die Nordostpassage noch äußerst kostspielig. Das liegt unter anderem daran, dass Russland hohe Gebühren für die Fahrt verlangt. Außerdem ist der Einsatz von russischen Eisbrechern oftmals obligatorisch und ebenfalls äußerst teuer. Sollte sich das ändern, wäre die Passage eine lukrative Alternative.

    Umweltschützer warnen allerdings vor einem zunehmenden Verkehr. Sie fürchten nachhaltige negative Konsequenzen für die äußerst sensible Natur in der Arktis. Außerdem werde das Risiko von Unfällen immer höher je mehr Schiffe auf der Route fahren.

    Dass Maersk als erste große Reederei die Nordostpassage testet, ist wenig verwunderlich. Der Konzern A. P. Møller-Mærsk befindet sich derzeit im Umbau und will sich künftig voll und ganz auf das Logistik- und Transportgeschäft konzentrieren.

    Nachdem Dänemarks mit Abstand größtes Unternehmen bereits im vergangenem Jahr seine Öl- und Gasgeschäft an die französische Total verkauft hat, gab Konzernchef Søren Skou diese Woche bekannt, dass sein Unternehmen auch die Bohranlagen-Sparte abtrennen will. Im kommenden Jahr soll Maersk Drilling in Kopenhagen an die Börse gehen.

    Hohe Treibstoffpreise drücken zudem das Geschäft: Unter dem Strich fuhr das Unternehmen im ersten Halbjahr zwar einen Gewinn von 2,79 Milliarden US-Dollar (2,45 Milliarden Euro) ein. Dieser wurde aber stark etwa vom Verkauf der Öl-Sparte nach oben getrieben.

    Verkäufe herausgerechnet steckt Maersk tief in den roten Zahlen: Der Verlust der verbleibenden Geschäftsbereiche stieg im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum deutlich um mehr als das Doppelte – von 114 Millionen auf 305 Millionen Dollar.

    Auch deshalb will sich Maersk nicht die Chance entgehen lassen, neue lukrative Routen zu erschließen. Da die Nordostpassage knapp 40 Prozent kürzer als der Weg durch den Suezkanal ist, sehen die Dänen mittelfristig eine große Chance.

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    1 Kommentar zu "Arktis-Route: Maersk schickt erstmals Containerschiff über die Nordostpassage"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Erderwaermung hat auch ihre Vorteile, und wenn wir sie wahrscheinlich nicht abwenden
      koennen, muessen wir diese nutzen. In jedem Fall waere eine Temperaturaenderung in
      eine neue kleine Eiszeit fuer die Menschen schlimmer. Die Fahrt nach St Petersburg hat
      natuerlich den Nachteil, dass das Schiff um ganz Skandinavien herumfahren und dann
      durch die Ostsee muss. Waere das Ziel Wilhelmshaven oder Hamburg oder Rotterdem
      waere die Ersparnis wesentlich groesser. In jedem Fall: China rueckt immer naeher.

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