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Artjem Weissbeck und Andreas Tussing Diese zwei Gründer machen WhatsApp zum neuen Shopping-Kanal

In Asien werden über Messagingdienste Milliarden umgesetzt. Zwei Gründer wollen mit ihrer Technologie diesen Trend nun auch nach Deutschland bringen.
08.12.2020 - 13:24 Uhr Kommentieren
Ihr Start-up Charles hat eine Software entwickelt, mit der Händler ihr Shop-System so mit WhatsApp und anderen Chat-Apps verknüpfen können, dass sie den kompletten Verkaufsprozess damit abwickeln können. Quelle: Charles
Artjem Weissbeck (links) und Andreas Tussing

Ihr Start-up Charles hat eine Software entwickelt, mit der Händler ihr Shop-System so mit WhatsApp und anderen Chat-Apps verknüpfen können, dass sie den kompletten Verkaufsprozess damit abwickeln können.

(Foto: Charles)

Düsseldorf In China ist der Verkauf über soziale Netzwerke bereits ein Milliardengeschäft. Denn für die meisten Chinesen ist es selbstverständlich, sich dort nicht nur spannende Produkte empfehlen zu lassen, sondern sie auch gleich dort zu kaufen. Fast jeder Händler in China hat mittels einer speziellen App einen oder mehrere Webshops in den Netzwerken eingerichtet.

Internetriese Tencent hat in seinen Messagingdienst WeChat dazu gleich einen eigenen Zahlungsdienstleister, WeChatPay, integriert. So werden die 1,2 Milliarden Nutzer des Dienstes schnell zu Shoppern gemacht. Schätzungen zufolge wird bereits ein Drittel des chinesischen Onlinehandels über soziale Netzwerke abgewickelt – das wäre ein mittlerer dreistelliger Milliardenbetrag.

In Deutschland ist das Potenzial dieses sogenannten Conversational Commerce, also des Verkaufs über einen Chat, noch nicht einmal annähernd gehoben. Händler nutzen WhatsApp & Co. höchstens zur Kommunikation mit den Kunden, als Absatzkanal sind die Netzwerke bisher weitgehend unbekannt.

Die beiden E-Commerce-Experten Artjem Weissbeck und Andreas Tussing wollen das ändern. Ihr Start-up Charles hat eine Software entwickelt, mit der Händler ihr Shop-System so mit WhatsApp und anderen Chat-Apps verknüpfen können, dass sie den kompletten Verkaufsprozess damit abwickeln können: Kunden können sich beraten lassen, Produkte auswählen – und zum Schluss sogar bezahlen.

Dass sie mit ihrem Geschäftsmodell einen Nerv treffen, zeigen nicht nur zahlreiche Anfragen von Händlern. Eine Gruppe von prominenten Business-Angels um den About-You-Gründer Tarek Müller hat ihnen jetzt eine Million Euro zur Verfügung gestellt, um ihren Dienst weiter auszubauen.

Whatsapp mit Schnittstelle für Webshops

Tarek Müller bezeichnet die Gründer als „echte Macher“. „Sie haben steile Karrieren hinter sich gelassen und sogar eine eigene Marke gebaut, um früh zu beweisen, was heute für alle immer deutlicher wird: Conversational Commerce wird kommen“, begründet der About-You-Chef sein persönliches Engagement. „Es ist in Asien bereits in vollem Gange und wird irgendwann in den Westen überschwappen“, ist sich Müller sicher.

Weissbeck und Tussing, die sich schon aus dem Studium in Heidelberg kennen, ergänzen sich gut. Der 36-jährige Tussing, der Physik und VWL studiert hat, hat einige Jahre als E-Commerce-Berater bei McKinsey gearbeitet. Weissbeck, 30, war Mitgründer und CEO der Uhrenmarke Kapten & Son und kennt sich deshalb in der operativen Praxis aus.

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Nachdem Facebook und Instagram bereits Shopping auf ihren Plattformen ermöglicht haben, hat nun auch WhatsApp eine Schnittstelle in seine App eingebaut, die die direkte Integration von Webshops ermöglicht. Über einen speziellen Shopping-Button können sich die Nutzer jetzt Produkte eines Anbieters anzeigen lassen und dann sofort über den Chat kaufen.

Genau da setzt die Technologie von Charles an. „Unsere Software ermöglicht den Händlern, ihre Handelssysteme direkt mit der Chat-App zu verbinden“, sagt Tussing. „So können sie ihre Erfahrung im Verkauf ohne großen Aufwand ins Digitale transformieren.“ Sogar Mitarbeiter aus den stationären Geschäften, die in der Coronazeit wenig besucht sind, könnten dabei eingesetzt werden.

Denn die Charles-Gründer setzen bewusst nicht auf eine „volle Automatisierung“, wie Weissbeck betont. Bei ihrer Software wickeln Mitarbeiter des Händlers die Verkäufe ab, aber unterstützt von Künstlicher Intelligenz und Chat-Bots. „Rein technische Lösungen bieten heute noch kein Verkaufserlebnis, mit dem sich Kunden wirklich wohlfühlen“, ist Weissbeck überzeugt.

Die Möglichkeiten scheinen vielversprechend. Die Boston Consulting Group hat in einer Studie im Auftrag von Facebook ermittelt, dass Kunden, die mit Unternehmen chatten, im Schnitt 60 Prozent mehr Geld ausgeben als andere Kunden. Ein Drittel der Befragten erwartet dafür aber auch personalisierte Tipps sowie individuelle Angebote und Preise.

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Die Händler, die heute schon die Software von Charles nutzen, berichten von überraschend positiven Ergebnissen. „Dank Charles sind wir nicht nur näher am Kunden, sondern haben es auch geschafft, rund 80 Prozent der persönlichen Beratungsgespräche zum Verkaufsabschluss zu führen“, sagt Mischa Olma, der Gründer des Online-Möbelhändlers Woodboom.

Der Händler verkauft Betten für mehr als 1000 Euro das Stück und hat damit eher beratungsintensive Produkte. Deshalb bietet sich dort ein Chat mit den Kunden an. „Wir verkaufen dadurch mittlerweile mehr Möbel über WhatsApp als über den Webshop“, freut sich Olma.

Mehr: Facebook und Instagram als digitale Shoppingmeilen – Corona verstärkt virtuelles Bummeln.

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