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Atlantia-Konzern Die Benettons verkaufen: Italiens Autobahn wird wieder Staatseigentum

Fast drei Jahre nach dem Einsturz der Brücke in Genua hat der von der Pullover-Dynastie geführte Atlantia-Konzern den Verkauf der Autobahn-Anteile beschlossen.
31.05.2021 Update: 01.06.2021 - 13:43 Uhr Kommentieren
Für die Vertreter des Opfer-Komitees ist der nun angedachte Verkauf wie ein „Geschenk“, die Betreiber würden „mit öffentlichen Geldern honoriert“. Quelle: dpa
Reste der Autobahnbrücke in Genua

Für die Vertreter des Opfer-Komitees ist der nun angedachte Verkauf wie ein „Geschenk“, die Betreiber würden „mit öffentlichen Geldern honoriert“.

(Foto: dpa)

Rom Nachdem sie mehr als 20 Jahre in privater Hand waren, greift der italienische Staat wieder nach den Autobahnen: Die Betreibergesellschaft Autostrade per l’Italia (ASPI) gehört künftig zu 51 Prozent der staatlichen Förderbank CDP.

Damit findet ein jahrelanger Prozess endlich ein Ende. Angefangen hat er im August 2018: Damals stürzte in der Hafenstadt Genua im Norden Italiens die Autobahnbrücke Ponte Morandi ein – eine nationale Tragödie, 43 Menschen starben. Die Reste der Brücke wurden später gesprengt, in Rekordzeit ließ die Regierung eine neue bauen, die vor gut einem Jahr eingeweiht wurde.

Die damalige Mitte-links-Regierung hatte schnell einen Schuldigen für die Katastrophe ausgemacht: die Betreibergesellschaft ASPI, die aktuell noch zu rund 88 Prozent dem Atlantia-Konzern gehört. Den wiederum kontrolliert Edizione – die Familienholding der für ihre bunten Pullover berühmten Benetton-Dynastie aus Norditalien.

Der Vorwurf, vor allem von der Regierungspartei Fünf-Sterne-Bewegung: Atlantia habe aus Fahrlässigkeit oder Gier bei Wartung und Kontrolle der Brücke gespart. „Der Staat kehrt dahin zurück, wo die Privaten versagt haben“, erklärte die EU-Abgeordnete Tiziana Beghin. Die Regierung drohte zeitweise sogar mit dem Entzug der Lizenz.

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    Schon im Juli vergangenen Jahres begannen die Ausstiegsverhandlungen. Das Konsortium, dem neben der Cassa Depositi e Prestiti (CDP) auch der Finanzinvestor Blackstone und die australische Investmentbank Macquarie angehören, war lange Zeit der einzige Bieter. Zwischendrin gab es noch ein Angebot aus Spanien, das aber schnell wieder vom Tisch verschwand. Am Ende bemaß das Bieter-Trio den Gesamtwert der Autobahn mit gut 9,3 Milliarden Euro.

    Benetton muss sich neue Investitionsfelder suchen

    Am Montagnachmittag gaben die Atlantia-Aktionäre mit großer Mehrheit grünes Licht für den Verkauf. Offiziell trifft sich am 10. Juni noch der Atlantia-Vorstand, um den Deal zu beschließen. Schon bis Ende des Monats sollen die Verträge unterschrieben sein. Blackstone und Macquarie werden künftig jeweils 24,5 Prozent an ASPI halten. Die weiteren Bestandsinvestoren, darunter der Münchener Versicherer Allianz und der chinesische Seidenstraßen-Fonds, haben die Option, ihre Anteile unter den gleichen Bedingungen wie Atlantia abzugeben.

    Kritik am geplanten Verkauf kam von den Vertretern des Opfer-Komitees der eingestürzten Brücke: Für sie ist der Verkauf wie ein „Geschenk“, die Betreiber würden „mit öffentlichen Geldern honoriert“.

    Erst Ende April dieses Jahres schloss die Staatsanwaltschaft von Genua die Ermittlungen ab. Daraus geht hervor, dass die Wartungskosten mit der Privatisierung um 98 Prozent sanken. Die rechtliche Aufarbeitung ist noch längst nicht abgeschlossen: Der Prozess gegen 69 Angeklagte, die teilweise für ASPI arbeiteten, teilweise für das italienische Test-Unternehmen Spea, hat noch nicht begonnen.

    Die Milliardärsfamilie Benetton muss sich indes für ihren Konzern neue Geschäftsfelder suchen. Mit dem frischen Geld sind Investitionen in Flughäfen und Finanztechnologien denkbar. Neben der Autobahn in Italien betreibt Atlantia etwa Straßen in Brasilien, Indien und Polen. Auch an den beiden römischen Flughäfen Fiumicino und Ciampino ist Atlantia beteiligt, dazu kommen drei weitere Airports in Frankreich.

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