Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Atlasglobal Türkische Airline stellt Betrieb ein – und macht indirekt Ankara verantwortlich

Mit sofortiger Wirkung hat die Fluggesellschaft Atlasglobal bis Ende Dezember alle Flüge gecancelt. Der Konzernchef ist der Bruder des Tourismusministers.
27.11.2019 - 10:38 Uhr 1 Kommentar
Das Unternehmen hat seine Flüge vorläufig eingestellt. Quelle: imago images/Ralph Peters
Atlasglobal-Maschine am Düsseldorfer Flughafen

Das Unternehmen hat seine Flüge vorläufig eingestellt.

(Foto: imago images/Ralph Peters)

Istanbul Die türkische Fluggesellschaft Atlasglobal hat ab sofort bis zum 21. Dezember alle Flüge eingestellt. Das Unternehmen, das vom Zwillingsbruder des türkischen Tourismusministers Mehmet Nuri Ersoy geleitet wird, sehe sich zu diesem Schritt gezwungen, heißt es in einer Stellungnahme. Was mit gekauften Tickets der Airline geschieht, die auch die Flughäfen Düsseldorf und Hamburg anfliegt, ist bisher unklar.

Auch einen offiziellen Grund für die Annullierungen nennt Atlasglobal nicht. Doch in einer Stellungnahme nimmt Unternehmenschef Ali Murat Ersoy Bezug zur Lira-Krise vom vergangenen Jahr – und macht damit indirekt die Regierung in Ankara für die Misere verantwortlich.

Begonnen haben soll die wirtschaftliche Talfahrt bereits vor vier Jahren. „Terroranschläge und verräterische Putschversuche in der Türkei zwischen den Jahren 2015 und 2016 verursachten im Luftverkehr große Wunden und bedeutende Verluste bei der Zahl der Passagiere und den Passagiereinnahmen, einschließlich 2017“, schreibt das Unternehmen in der Stellungnahme vom Dienstagabend. „Diese tragischen Ereignisse haben unsere Fluggesellschaft sowohl operativ als auch kommerziell beeinflusst.“

Darüber hinaus hätten sich die „schnellen und aggressiven Schwankungen der türkischen Lira“ in der zweiten Jahreshälfte 2018 negativ auf die Dynamik des Inlandsmarktes ausgewirkt. „Dies führte zu einem Rückgang der Nachfrage nach Flugreisen“, schreibt das Unternehmen – und macht damit die Regierung für die Situation mitverantwortlich.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Nachdem Staatschef Recep Tayyip Erdogan vor gut einem Jahr einen diplomatischen Streit mit den USA auf die Spitze getrieben hatte, verlor die türkische Lira auf einen Schlag rund 20 Prozent an Wert zum Dollar. Später ging es für die Lira weiter bergab.

    Atlasglobal wurde als Ögertours-Tochter gegründet

    Noch in der zweiten Jahreshälfte hätte Konzernchef Ersoy einen Sanierungsplan auf den Weg gebracht. Doch wegen der schwachen Lira seien die Betriebskosten, etwa für Kerosin, stark angestiegen. „Dies hat uns daran gehindert, unsere Verluste aus den Jahren 2016 und 2017 für unsere Fluggesellschaft rechtzeitig auszugleichen.“ Jetzt will sich das Unternehmen bemühen, wieder auf Kurs zu kommen.

    Die Fluggesellschaft war 2001 als Tochterunternehmen von Ögertours gegründet worden. Seit 2006 ist das Unternehmen selbstständig am Markt, kam jedoch nie gegen die Konkurrenz im Heimatmarkt an. Während Atlasglobal rund 25 Flugzeuge besitzt, sind bei Pegasus 83 und bei Turkish Airlines 346 Maschinen im Einsatz. Trotzdem versuchte die Airline, auf beliebten Urlaubsstrecken nach Europa und Russland mit niedrigen Preisen konkurrenzfähig zu bleiben.

    In den vergangenen Jahren hatten alle drei Konzerne mit Passagierrückgängen zu kämpfen. Turkish Airlines und Pegasus gelang es aber offenbar, die Krise ohne dauerhafte Schäden zu überstehen. Während die halbstaatliche Turkish Airlines vor allem vom neuen internationalen Drehkreuz in Istanbul profitiert, gewinnt Pegasus auf dem Inlandsmarkt immer mehr Marktanteile.

    So steigerte Pegasus im dritten Quartal die Umsätze um 23 Prozent, der Gewinn legte noch stärker zu. Atlasglobal hingegen verlor zuletzt immer mehr Marktanteile, was vermutlich auch mit der kleineren Flotte zu tun hat.

    Kunden, die Tickets von Atlasglobal gekauft haben, sollen bis zum 15. Dezember über Modalitäten zur Rückzahlung oder Änderung ihrer Buchung informiert werden.

    Mehr: Gategroup übernimmt das Europa-Geschäft der Lufthansa-Catering-Tochter. Behörden und Aufsichtsrat müssen dem Deal noch zustimmen.

    Startseite
    Mehr zu: Atlasglobal - Türkische Airline stellt Betrieb ein – und macht indirekt Ankara verantwortlich
    1 Kommentar zu "Atlasglobal: Türkische Airline stellt Betrieb ein – und macht indirekt Ankara verantwortlich"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Bevor die Schuld indirekt Erdogan trifft, würde es vorher noch die deutschen Medien treffen, denn wie eifrig die deutschen Medien einen Türkei-Urlaub vertäufelt haben, muß doch noch auch in den Köpfen der Handelsblattlern erhalten geblieben sein. Merkwürdig ist diese indirekte Schuldabweisung dennoch.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%