Auf dem Handelskongress Steinbrück redet „für ein Glas Wasser“

Den jährlichen Branchentreff des deutschen Handels nutzte der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, um für sich zu werben – allerdings interessierten sich seine Zuhörer zunächst nur für eine Frage.
Update: 22.11.2012 - 17:31 Uhr 11 Kommentare

„Ich habe nichts rechtswidriges getan“

BerlinWahlkampf beim Deutschen Handelskongress: Nachdem die Bundeskanzlerin seine Attacken bei der Haushaltsdebatte im Bundestag ignoriert und sachlich ihre Regierungsarbeit verteidigt hatte, wechselte der designierte SDP-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück die Bühne.

Er nutzte seinen Vortrag beim Branchentreff des Handels, um für sich zu werben. Schließlich saßen im Saal zahlreiche Vertreter des mit 400.000 Unternehmen und einem Jahresumsatz von etwa 422 Milliarden Euro drittgrößten Wirtschaftszweigs in Deutschland.

Allerdings waberte in Anbetracht der hitzigen Debatte über Steinbrücks hohe Redehonorare, die ihm in den vergangenen Wochen einen herben Imageverlust beschert hatten, zunächst nur eine Frage durch die Reihen: Ob Steinbrück denn wohl etwas für seinen Auftritt bekommt? Letztlich war man sich unter den Zuhörern jedoch einig: Nein. Und Steinbrück sagte in der an den Vortrag anknüpfenden Fragerunde mit ZDF-Moderatorin Dunja Hayali, er rede „für ein Glas Wasser.“

Sein Thema: „Für eine neue Balance zwischen Markt und Gemeinwohl“. Er holte weit aus, skizzierte noch einmal die Krise von der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers bis zum Straucheln einzelner europäischer Staaten – mit all der Maßlosigkeit und den Exzessen, vor allem an den Kapitalmärkten und bei den Banken. Das führe bei vielen Menschen zu dem Gefühl, die Märkte hätten keine Grenzen.

„Diese Krise könnte mehr Kosten als Geld – nämlich Zustimmung und Legitimation“, warnte er. Man könne es einfach formulieren als „Not frisst Demokratie“. Das sei in einigen europäischen Ländern schon Wirklichkeit und koste Stabilität.

Die Lösung für das Problem lieferte Steinbrück gleich mit. „Intakte Institutionen sind wichtig, um Spielregeln zu schaffen – und zwar auch, um eventuell Ladenöffnungszeiten festzulegen, Herr Mandac.“ Ein Seitenhieb auf den im Publikum sitzenden Chef der Warenhauskette Kaufhof. Dieser hatte zuvor in einer anderen Diskussionsrunde für Öffnungszeiten rund um die Uhr plädiert und Steinbrück von der Bühne aus direkt angesprochen.

Die Menschen müssten verstehen, dass sie „manchmal die Politik brauchen“, rief Steinbrück in den Saal. Denn diese sorge mit dafür, dass ein Teil der Gesellschaft nicht abstürze. „Und da bin ich bei dem Begriff Gemeinwohl“, sagte er. In Deutschland gebe es rund acht Millionen prekär Beschäftigte, die in einer Parallelwelt leben würden. „Da ist die Balance wieder gestört.“ Um die Gesellschaft zusammenzuhalten, brauche es öffentliche Institutionen und diese bräuchten Ressourcen, also Steuern.

Am Ende warf er die Frage auf, wer denn an die Stelle von Parteien und Politikern treten solle: Bürgerinitiativen, ein Ältestenrat oder gar Talkshows? Zum Ende bat er um etwas mehr Respekt für die Politik – und einen pfleglicheren Umgang.

Und Steinbrück wäre nicht Steinbrück, wenn er den jüngsten medialen Affront gegen sich unkommentiert lassen würde. Die „Bild“-Zeitung hatte berichtet, Steinbrück sei mit der Gratis-Bahncard Erster Klasse für Bundestagsabgeordnete zu gut bezahlten Vorträgen gefahren. „Hat diese Republik denn nicht andere Probleme als den Umgang mit meiner Netzkarte bei der Deutschen Bahn AG?“

 
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11 Kommentare zu "Auf dem Handelskongress: Steinbrück redet „für ein Glas Wasser“"

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  • Wer liest denn diesen vielen Textmüll...

  • Da kann Steinbrück wohl sagen: "Heute steh ich noch am Abgrund, morgen bin ich schon einen Schritt weiter" ;-)

  • 'Man könne es einfach formulieren als 'Not frisst Demokratie'. Das sei in einigen europäischen Ländern schon Wirklichkeit und koste Stabilität."

    Unter anderem auch in Deutschland!
    Warum steht der Herr als Demokrat nicht dagegen auf? Weil auch er lieber ein Teil der "Ganz Großen Koalition" ist. Bringt mehr Kohle...

    Mir hat man dereinst im Geschichtsunterricht die Mechanismen jener Diktatur vor Augen geführt, deren blutiger Untergang zur Gründung der Bundesrepublik geführt hat.

    Dazu gehörte auch die nachträglich rückwirkende Legalisierung von Straftaten per Verordnung und Gesetz (siehe Bahncard-Episode, Bailout-Verbot).

    Auch die Gleichschaltung der Gesellschaft war dabei ein wichtiger Bestandteil (GEZ-Steuer, CleanIT, Mainstream-Presse).

    Allerdings konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie sich Ermächtigungsgesetze und Machtergreifung heute noch immer abspielen könnten. Der ESM und das öffentliche Handeln der EU-Kommission haben jedoch bewiesen, daß auch hierzulande eine Diktatur noch immer Heerscharen stiller Untertanen findet. Selbst unter Bundestagsabgeordneten.

    Auch die Hetze gegen Minderheiten bei gleichzeitig bis ans individuelle Lebensende maximierter "Produktivität" der ganz legal erbeuteten Sklaven war und ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor Deutschlands.

    Wurde und wird doch auf diesem Wege quasi en passant dem rest-bürgerlichen Michel der Mehrwert eines Floriansprinzips im Vergleich zur Zivilcourage menschenwürdigen Handelns vermittelt.

    An die Stelle der Arbeitslager ist in diesem Jahrhundert allerdings das "physische Existenzminimum" getreten. Hinterläßt weniger Beweise. Isolierte HartzIV- und Aufstocker-Sklaven sind außerdem leichter zu halten.

    Und auch diesmal wird dieses "Erfolgsrezept" von Kolonialmacht und Kolonie auf demselben Boden eifrig in alle Länder Europas "exportiert". Nur diesmal eben nicht mit der Waffe, sondern mit "Hilfs"-Krediten und "Rettungs"-Schirmen.

    Wohl unweigerlich mit ähnlich drastischen Resultaten?

  • Auch in einem kapitalistischen System verdient ein Sozi sein Geld. Wenn der Geldgeber bereit ist 25T€ für einen Vortrag auszugeben, dann ist es das Problem des Geldgebers und nicht das von Herrn Steinbrück. Nur kein Neid meine Damen und Herren, wenn Ihner keiner so ein üppiges Honorar zahlen möchte.

  • .
    .
    ......................
    REDEN IST SILBER -
    SCHWEIGEN IST GOLD ..!!
    .......................
    .
    .

  • Die Politiker und Abgeordneten schwimmen uferlos in Steuergeld. Alles wird gekürzt - nur die neuen Reichen sind Politiker und Abgeordneten. 9000 EUR Diäten. 3000 EUR Pension - alles klar ? Und da soll die deutsche Mittelschicht sich abschuften und 49 % Steuern bei Trittin abliefern ? Wie blöd sollen die Deutschen denn sein ?

  • „Hat diese Republik denn nicht andere Probleme als den Umgang mit meiner Netzkarte bei der Deutschen Bahn AG?“

    Na klar haben wir grössere Probleme, aber zu der Zeit als Steinbrück mit der Netzkarte "umsonst privat" Bahn fuhr, was das noch nicht erlaubt. Das hat der Bundestag erst letzte Woche legalisiert.

    Und wenn ein paar Rollen Klopapier fehlen wenn Herr Steinbrück auf "00" war, dann steht das auch wieder bei BILD. Es geht ums Prinzip ! So was tutu man nicht als Kanzler-Kandidat.

  • Heute rede ich für ein Glas Wasser - leider - aber nur weil man mir auf die Schlcihe gekommen ist und ich Bundeskanzler werden möchte. Sonst würde ich wieder zig-tausende von Euro nehmen. Das ist der Halbsatz, den Sie nicht ausgesprochen haben, Herr Steinbrück. Sie haben Vorträge bei Banken gehalten, ich denke das galt dann hauptsächlich zur Belustigung der Bankvorstände. Wie wollen Sie einem abgebrühten Bankmanager etwas erzählen, das ist doch lächerlich. Karl Valentin lebt nicht mehr, da hat man halt Sie zur Belustigung der Bankvorstände geholt, ihre Vorträge sind ja lustig und humorvoll. Sie wollen die Banken regulieren, das ist doch lachhaft. Sie wollen es mit dem Bankenkartell aufnehmen, das alle Schlüsselstellen in der Politik in Europa besetzt hat (siehe Goldman Sachs). Di lachen Sie doch aus und Sie wären schneller vn der politischen Bühne weg, als Sie denken. Die Finanzmafia würde gnadenlos bei ihnen recherchieren und sie absägen. Siehe Hern Wulff.

  • Wie dicht Steinbrück am Abgrund steht, hat er mit dem dummen Spruch ' Heute rede ich für ein Glas Wasser' untermauert.
    Mir fällt zu seinen allgemeinen Floskeln nur ein, dass er der Bundeskanzlerin Merkel aber auch nicht im Geringsten das Wasser reichen kann.

  • Hallo,Kirsten Ludowig,achten sie drauf,dass sie den Zug nicht verpassen.Die Leser hier sind nicht blöd.
    Die merken schnell,wenn da etwas zusammengeschustert wird,
    hier ein wenig Bild(obwohl das gar nicht so ist)da ein wenig Rednerhonorare,und schwupps haben wir mal wieder etwas gezaubert!
    Da sollten sie auf den Erhalt ihrer Firma achten,
    FR und FTD lassen grüßen! So rosig ist die Zukunft des HB
    mitnichten.Da ist Qualitätsjournalismus gefragt,sonst sind
    Sie bald bei den Verlierern.

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