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Aufsichtsratschef zieht Notbremse Kontrollverlust in der Krise: Jürgen Fitschen feuert Ceconomy-Chef

Der Ceconomy-Vorstandsvorsitzende Jörn Werner muss gehen. Nun steht der Elektronikhändler mitten in der Krise ohne Chef da.
Update: 16.10.2019 - 19:07 Uhr Kommentieren
Der Aufsichtsratschef von Ceconomy hatte dem Machtkampf im Konzern lange nichts entgegenzusetzen. Nun musste er handeln. Quelle: Dominik Butzmann für Handelsblatt
Jürgen Fitschen

Der Aufsichtsratschef von Ceconomy hatte dem Machtkampf im Konzern lange nichts entgegenzusetzen. Nun musste er handeln.

(Foto: Dominik Butzmann für Handelsblatt)

München, Düsseldorf Das Schicksal des Ceconomy-Chefs war am Abend besiegelt. Um 20.25 Uhr am Dienstag versendete das Unternehmen eine Ad-hoc-Mitteilung, in der es hieß, man werde in einer Aufsichtsratssitzung am Donnerstag „über eine mögliche vorzeitige Beendigung der Bestellung des Vorstandsvorsitzenden, Herrn Jörn Werner, beraten“. Es solle noch am gleichen Tag eine Entscheidung gefällt werden.

Doch egal, wie die Diskussion des Aufsichtsrats ausgeht: Nach dieser öffentlichen Diskreditierung ist die Amtszeit von Werner nach nicht einmal acht Monaten beendet. Dass er noch eine Zukunft im Unternehmen hat, ist ausgeschlossen, bestätigen auch Insider.

Für Aufsichtsratschef Jürgen Fitschen ist das ein Desaster. Erst vor einem Jahr hatte er den damaligen Ceconomy-Chef Pieter Haas rausgeworfen, jetzt steht das angeschlagene Unternehmen erneut führungslos da. Fitschen hatte Werner bei seiner Berufung attestiert, dass er „auch in herausfordernden Situationen Geschäftsmodelle erfolgreich transformieren“ könne. Nun muss die Transformation ohne ihn gelingen.

Dabei war seit Monaten auch für den Aufsichtsratschef absehbar, dass das Unternehmen auf eine Führungskrise zusteuert. Denn Werner leitete zwar die Ceconomy AG mit Sitz in Düsseldorf und sollte die neue Strategie entwickeln. Doch das komplette Geschäft liegt in der Media Saturn Holding (MSH) in Ingolstadt.

Und die hat einen selbstbewussten CEO, Ferran Reverter, der sich von Werner nicht in die Arbeit reinreden lassen wollte. Da es auch persönlich nicht stimmte zwischen den beiden, geriet der sachliche Disput rasch zum Machtkampf, sagten mehrere Personen aus ihrem Umfeld.

„Keine Glanzleistung“

Der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Fitschen habe als Chefaufseher dem Treiben zu lange untätig zugesehen, heißt es im Aufsichtsrat. Wie er mit dem Streit umgegangen sei, sei „keine Glanzleistung“ gewesen. Menschen, die den 71-Jährigen aus seiner Zeit bei der Deutschen Bank kennen, sagen, er sei schon damals direkten Konfrontationen eher aus dem Weg gegangen.

Werner habe von Fitschen vergeblich den Durchgriff auf die Holding in Ingolstadt gefordert, um Ferran Reverter und andere Manager loszuwerden, heißt es. Auch für Pläne, mit einer Verschmelzung von Ceconomy und MSH klare Strukturen zu schaffen, habe es keinen Rückhalt im Aufsichtsrat gegeben. Wieder und wieder lief Werner in Ingolstadt offenbar ins Leere.

Den von ihm beauftragten Unternehmensberatern von BCG seien Akten vorenthalten worden. BCG wollte dies auf Nachfrage nicht bestätigen.

Außerdem hieß es, Manager aus der MSH seien zu Besprechungen in Düsseldorf einfach nicht erschienen. Dazu wird kolportiert, dass Fitschen auch mit der direkten Art von Werner nicht zurechtgekommen sei.

Auch war die Neuausrichtung des Geschäfts umstritten. Werner wollte die bislang weitgehend unabhängigen Elektronikmärkte wesentlich enger an die Leine nehmen. Das gefiel längst nicht allen der bisher machtvollen Geschäftsführer vor Ort. Die Läden selbst sollten sich massiv verändern.

Werner ging es darum, Media Markt und Saturn als Lösungsanbieter zu positionieren, also zusätzliche Dienstleistungen anzubieten etwa bei der Vernetzung der Haushalte im sogenannten Smarthome. „Er wollte weg vom Lagercharakter der Märkte“, so ein Vertrauter.

Ausschlaggebend für den Bruch seien nicht die persönlichen Differenzen gewesen, heißt es aus dem Umfeld von Reverter. Vielmehr habe sich Werner schlichtweg als nicht kompetent erwiesen. „Hier wären alle offen gewesen für einen neuen Weg nach vorne“, sagte ein Insider. Doch die Strategie, die Werner von BCG habe ausarbeiten lassen, sei nicht zielführend gewesen. Sprecher von MSH und Ceconomy wollten sich nicht zu der Personalie äußern und verwiesen auf die Ad-hoc-Mitteilung.

Angesichts der andauernden Differenzen sei der Aufsichtsrat schließlich nervös geworden, berichten Eingeweihte. Der Führungsstreit ist nun kurzfristig beendet. Doch jetzt muss Fitschen wieder einen neuen Ceconomy-Chef finden – ohne dass die zugrunde liegenden Strukturprobleme gelöst sind.

Mehr: Der Aufsichtsrat der kriselnden Elektronikhandelsholding Ceconomy erwägt einen Wechsel an der Spitze des Unternehmens. Beraten wird über eine Ablösung von Jörn Werner.

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