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Augmented Reality Das Start-up Snoopstar bringt Aldi-Prospekten das Sprechen bei

Snoopstar macht Augmented Reality vom Gimmick zum Verkaufskanal. Damit räumt es jetzt einen German Brand Award ab – und verfünffacht seinen Umsatz.
28.06.2021 - 12:00 Uhr Kommentieren
Wenn die Kunden den Aldi-Prospekt mit ihrer Handykamera scannen, starten Videos, es erscheinen Rezepte, Produktinfos oder Gewinnspiele.
Snoopstar

Wenn die Kunden den Aldi-Prospekt mit ihrer Handykamera scannen, starten Videos, es erscheinen Rezepte, Produktinfos oder Gewinnspiele.

Düsseldorf Jede Woche flutet Aldi die Haushalte mit seinen Verkaufsprospekten, gibt Millionensummen aus für die Werbung. Doch ob die Kunden das überhaupt lesen und wo sie sich zusätzliche Infos zu den Produkten holen, das weiß der Discounter nicht.

„Bisher stand der Händler vor einem Problem: Er druckt einen Prospekt, der neugierig macht, aber sobald der Kunde googelt, hat er ihn nicht mehr unter Kontrolle“, beschreibt Bodo Schiefer das Dilemma. Der Chef des Start-ups Snoopstar will genau dieses Problem lösen – und das bedruckte Papier zum digitalen Kanal machen.

Snoopstar nutzt dafür Augmented Reality, also die Einblendung virtueller Inhalte in die reale Welt. Wenn die Kunden den Aldi-Prospekt mit ihrer Handykamera scannen, starten plötzlich Videos, es erscheinen Rezepte, Produktinfos oder Gewinnspiele. Auch ein direkter Link in den Webshop ist möglich.

Das junge Unternehmen hat dafür jetzt den doppelten Ritterschlag bekommen: Denn das Start-up hat für seine Augmented-Reality-Anwendung nicht nur den Discount-Primus Aldi Süd als Kunden gewonnen. Für ihr gemeinsames Projekt haben die beiden Unternehmen jetzt auch den German Brand Award in Gold abgeräumt. Die Technologie von Snoopstar „vernetzt Print und Digital auf einmalige Art und Weise“, lobte die Jury.

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    Augmented Reality (AR) gilt schon lange als faszinierende Technologie, die viele Chancen auch für Unternehmen bietet. Eine Analyse des Beratungsunternehmens PwC schätzt das wirtschaftliche Potenzial für virtuelle und erweiterte Realität im Jahr 2030 auf 1,5 Billionen US-Dollar weltweit. Doch wirklich vielversprechende Anwendungen im Einzelhandel sind immer noch rar.

    Kreative AR-Werbeformate: Einen virtuellen Sessel ins Wohnzimmer stellen und Make-up testen

    Bei den meisten Anwendungen geht es darum, Produkte virtuell anzuprobieren oder auszuprobieren. So können sich Ikea-Kunden über das Handydisplay beispielsweise einen Sessel maßstabsgetreu ins eigene Wohnzimmer stellen. Bei den französischen Kosmetikanbietern Sephora und L’Oréal können Kundinnen virtuell Haarfärbemittel und Make-ups testen.

    „Wir können den Erfolg der Technologie ganz genau messen.“ Foto: Snoopstar
    Bodo Schiefer

    „Wir können den Erfolg der Technologie ganz genau messen.“

    Foto: Snoopstar

    Treibende Kraft bei dieser neuen Technologie ist auch das Netzwerk Snapchat. Die Nutzer können hier ihre Selbstporträts mittels AR verschönern. Langfristig sollen daraus kreative Werbeformate entstehen. Doch bisher sind AR-Anwendungen bei den meisten Anbietern noch mehr Spielerei als echtes Hilfsmittel oder Verkaufskanal.

    Für Snoopstar-Chef Schiefer ist es deshalb wichtig, dass die Technologie nicht nur als „Gimmick“ eingesetzt wird. „Jede Nutzung muss für den Kunden Mehrwert stiften“, erklärt er. Und natürlich für den Händler. „Wir können den Erfolg der Technologie ganz genau messen“, verspricht Schiefer. Damit konnte sein Start-up auch schon Kunden wie Henkel, Douglas, Pizza Hut, WMF oder die Deutsche Telekom überzeugen.

    Für den Discounter Aldi Süd ist es eine besondere Herausforderung, dass er eine sehr breite und vielfältige Kundenschicht hat, gleichzeitig aber auch spezielle Kundensegmente gezielt ansprechen will. „Mit unserem Partner Snoopstar schaffen wir es, diese Vielfalt optimal zu bedienen und einen echten Mehrwert zu bieten“, sagt Lars Klein, Managing Director bei Aldi Süd.

    Aldi-Manager Klein ist mit den bisherigen Erfolgen der Zusammenarbeit zufrieden, sieht aber noch deutliches Potenzial. „Es ist unser Anspruch, die Attraktivität unseres Handzettels vor allem auch für die junge Zielgruppe noch weiter zu steigern“, betont er. „Wir glauben daran, dass die optimale Verknüpfung von gelernten Print- und modernen Digitalangeboten ein wesentlicher Aspekt der Kundenkommunikation der Zukunft sein wird und treiben die Digitalisierung entsprechend weiter voran.“

    Marketingmonitor: Digitale Medien überholen gedruckte Prospekte

    Die digitale Weiterentwicklung des heute noch weit verbreiteten Printprospekts ist für die meisten Einzelhändler ein wichtiges Thema. So zeigt der aktuelle Marketingmonitor des Handelsforschungsinstituts EHI, dass mehr als 70 Prozent der befragten Händler den Push zu digitaler Kommunikation als zentrale Aufgabe sehen. Gedruckte Prospekte stehen erstmals nur noch an zweiter Stelle im Marketingmix, 34 Prozent der Ausgaben fließen bereits in digitale Medien.

    Das Start-up Snoopstar ist eine Ausgründung des Düsseldorfer Familienunternehmens LSD, das Werbemittel und Verpackungen für Konsumgüterhersteller entwirft. Klaus Finken, der gemeinsam mit seinem Bruder Chris das Unternehmen leitet, erklärt: „Der Vorteil ist, dass wir als Dienstleister der Konsumgüterunternehmen genau die Probleme und Fragen der Kunden kennen.“ Dieses Wissen sei in die Entwicklung von Snoopstar eingeflossen.

    Lesen Sie auch: Augmented Reality: Der harte Kampf um die nächste Plattform

    LSD hat eine zentrale Datenbank entwickelt, in der alle Kundeninfos und ihr gesamter Content verfügbar sind. Darauf basieren die AR-Anwendungen von Snoopstar. Und das ist der „zentrale Erfolgsfaktor“, ist sich Finken sicher. Technologisch nutzt das Unternehmen eine Bilderkennung statt der heute noch verbreiteten QR-Codes.

    Die Anwendungsmöglichkeiten gehen damit weit über Verkaufsprospekte von Aldi hinaus. Für Henkel hat das Unternehmen beispielsweise eine Lösung entwickelt, die AR mit der Verpackung eines Haarfärbemittels verknüpft und so detailliert über die richtige Anwendung informiert. „Wir machen aus einer einfachen Verpackung einen multimedialen Informationsträger“, sagt Chris Finken.

    Douglas wiederum hat Kundinnen die Möglichkeit gegeben, mittels Snoopstar schon vorab zu sehen, welche Produkte im Adventskalender zu finden sind – und ob sich der Kauf für sie lohnt. In einer anderen Aktion konnten Kunden einen 50-Euro-Schein mit der Snoopstar-App scannen und bekamen Aktionsangebote von Douglas aufs Handy.

    Wahlkampf mit Augmented Reality?

    Unterstützt wird das Start-up von Stefan Herzberg, ehemals Karstadt-Chef und Top-Manager von General Electric in den USA. Er ist Investor und Aufsichtsratschef bei Snoopstar und überzeugt: „Bei Technologien ist man manchmal zu früh und manchmal zu spät. Aber bei Augmented Reality sind wir jetzt gerade richtig, das Thema boomt.“

    „Viele sagen, Print sei tot“, so Herzberg. „Aber mit dieser Technologie können wir den gedruckten Medien eine neue Funktion geben, es gibt einen echten Dialog zwischen Herstellern und Kunden.“ Er erlebe – gerade auch in den USA – bei vielen Unternehmen ein großes Interesse an der Technologie.

    Das spürt auch Snoopstar-Chef Schiefer, der vor seinem Engagement bei dem Start-up Führungspositionen bei den Werbeagenturen Grey und WPP hatte. „Wir werden unseren Umsatz in diesem Jahr verfünffachen“, berichtet er und weist nicht ohne Stolz darauf hin, dass das erst 2019 ausgegründete Unternehmen bereits profitabel sei.

    Entworfen hat das Unternehmen auch schon Plakate, auf denen Personen zu sehen sind, die über die Handy-App zum Betrachter sprechen. Damit könnte Augmented Reality theoretisch sogar zum besonderen Hingucker im kommenden Bundestagswahlkampf werden.

    Mehr: Augmented Reality macht das Smartphone zur virtuellen Umkleidekabine.

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