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Aus für das MHD? Warum die Industrie das Haltbarkeitsdatum abschaffen will

Die globale Lebensmittelbranche will dafür sorgen, dass die Kunden weniger wegwerfen. Ein Deutscher Manager treibt die Initiative mit voran. Doch in Berlin regt sich Widerstand gegen den Vorstoß.
Update: 22.06.2017 - 12:19 Uhr 4 Kommentare
Die Lebensmittelindustrie will statt dem bisherigen Mindesthaltbarkeitsdatum zwei neue Verfallsdaten einführen. Quelle: dpa
Produkte aus dem Kühlregal

Die Lebensmittelindustrie will statt dem bisherigen Mindesthaltbarkeitsdatum zwei neue Verfallsdaten einführen.

(Foto: dpa)

BerlinDie globalen Lebensmittelproduzenten machen sich für eine Neuregelung des Mindesthaltbarkeitsdatums stark. Am Mittwoch hat der globale Verband Consumer Goods Forum (CGF) beschlossen, Initiativen für eine doppelte Kennzeichnung zu unterstützen.

Der Plan: Auf Joghurt, Milch und anderen Produkten sollen künftig zwei Verfallsdaten stehen. Eines gibt an, wie lange das Produkt im Laden stehen soll. Das zweite zeigt den Verbrauchern, wie lange das Produkt konsumierbar ist. Das bisherige Mindesthaltbarkeitsdatum entspricht dabei in etwa dem längsten Verkaufsdatum.

Die Industrie will damit erreichen, dass die Verbraucher weniger Produkte wegwerfen. Denn Nahrungsmittelverschwendung gilt als weltweites Problem: Fast die Hälfte der Lebensmittel kommen um. Während in Entwicklungsländern oft Produktion und Transport das Problem sind, sind es in den Industrieländern wie Deutschland die Verbraucher. Sie werfen zu viel weg.

Die Industrie im CGF will so ein gesellschaftliches Problem angehen. Sie wolle den Vereinten Nationen so helfen, ihre Ziele für das Jahr 2030 zu erreichen, sagte Gareth Ackerman, Chef des südafrikanischen Händlers Pick-n-Pay und Co-Vorsitzender des CGF. Das CGF will bei seinen Mitgliedern bis 2025 den Lebensmittel-Abfall reduzieren.

Zudem schadet zu viel Müll ihren Marken: Verbraucher, die ein Produkt wegwerfen, kaufen möglicherweise künftig lieber andere Lebensmittel, von denen sie glauben, dass sie länger halten. Zudem kaufen viele Verbraucher im Laden keine Produkte mehr, die kurz vor dem bisherigen Mindesthaltbarkeitsdatum stehen. Das könnte sich durch ein zweites Datum ändern.

Das sind die größten Lebensmittelhersteller der Welt
Platz 10: Smithfield
1 von 10

Der Konzern ist der weltgrößte Schweinefleischproduzent und -lieferant mit Firmensitz in Virginia. 2013 hat die chinesische Staatsfirma Shuanghui das Unternehmen übernommen.

Quelle: Konzernatlas 2017

(Foto: dpa)
Platz 9: General Mills
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Auf dem neunten Platz der umsatzstärksten Unternehmen liegt der US-Lebensmittelkonzern mit Sitz in Golden Valley, Minnesota. In Deutschland bekannt ist unter anderem die Eiskremesorte Häagen-Dazs.

(Foto: Imago)
Platz 8: Danone
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Das französische Unternehmen ist der Rivale des schweizerischen Lebensmittelgiganten Nestlé. Der Lebensmittelproduzent ist in Deutschland durch das Joghurtgetränk Actimel oder durch seine bunten Verpackungen von den Fruchtzwergen bekannt. Der Konzern hat am Ende des Jahres 2016 die EU-Genehmigung für die Übernahme des US-Bio-Rivalen Whitewave erhalten.

(Foto: Reuters)
Platz 7: Unilever
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Der niederländische Lebensmittel- und Kosmetikriese ist in Großbritannien durch den Brotaufstrich Marmite bekannt. In Deutschland finden sich von dem Unternehmen bekannte Marken wie Becel, Bertolli, Langnese, Lipton oder Knorr. 2016 kaufte der Konzern die US-Ökofirma Seventh Generation auf, um der Nachfrage nach ethischen Produkten in der Haushaltssparte nachzukommen.

(Foto: Reuters)
Platz 6: Kraft Heinz
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Auf Platz sechs findet sich das US-amerikanische Unternehmen Kraft Heinz mit Sitz in Pittsburgh, das bei uns besonders durch den Tomaten-Ketchup bekannt ist. Der Konzern ist 2015 aus der Fusion von Kraft Foods und Heinz Company hervorgegangen.

(Foto: dpa)
Platz 5: Mondelez
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Der Lebensmittelriese mit Sitz in Deerfield, Illinois, ist Hersteller der in zahlreichen Ländern vertriebenen Schokolade mit in goldgelb verpackten Bergen. 2016 gab es in Großbritannien einen Aufschrei wegen der zackigen Süßigkeit. Der Konzern stellt unter anderem auch so bekannte Marken wie Milka und Oreo her.

(Foto: AP)
Platz 4: Mars
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Das familiengeführte Unternehmen mit Sitz in Virginia nimmt den vierten Platz in der Weltrangliste der Lebensmittelhersteller ein. Es stellt die bekannten Marken Balisto, Bounty, M&M’s, Milky Way oder den gleichnamigen Schokoriegel Mars her. Der Konzern stellt neben Süßigkeiten auch Tiernahrung her.

(Foto: dpa)

Vorbild sind Japan und Großbritannien, die bereits vor einigen Jahren die doppelte Kennzeichnung eingeführt haben. Entscheiden müssen aber die Regulierer weltweit. Auf EU-Ebene hat die Initiative wohl eine Chance, hofft die Branche. Das CGF hofft, bis 2020 neue Regeln zu sehen.

Lobbyarbeit dafür wird auch ein Deutscher leisten: Metro-Chef Olaf Koch wurde am Mittwoch neu als einer der beiden Vorsitzenden der weltweiten Organisation aus Konsumgüterproduzenten und Einzelhändlern gewählt. Er führt das CGF künftig zusammen mit Palmolive-Chef Ian Cook. Bislang leiten Ackerman und Campbell-Chefin Denise Morrisson das Forum.

Das CGF vereint 400 Unternehmen mit zusammen 3,5 Billionen Dollar Umsatz, im Board sind 54 teils prominente Konzernchefs. Die Jahrestagung findet noch bis Freitag in Berlin statt.

In Deutschland gibt es allerdings Widerstand gegen das Vorhaben. „Nein: Die Industrie will keine doppelte Kennzeichnung der Haltbarkeitsdaten“, reagierte der Hauptgeschäftsführer des Milchindustrie-Verbands, Eckhard Heuser, auf den Bericht. Das habe auch eine Runde bei Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) vor zwei Wochen zu dem Thema gezeigt. „Selbst seine eigenen Unterbehörden sehen den Plan kritisch“, meinte Heuser.

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4 Kommentare zu "Aus für das MHD?: Warum die Industrie das Haltbarkeitsdatum abschaffen will"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Herr Blumenhagen,
    Bereits im Jahre 2009 hat Professor Eckhard Meineke aus Jena den Begriff
    EUPHEMISMUS versucht zu erklären: nämlich die Tendenzen den Alltag
    schön zu reden ! Beispiele: Entsorgungspark = Atommülldeponie, Desinvestionen =
    Verkäufe/Trennung von Betriebsteilen, Restrukturiering = Massenentlastungen (teilweise) robustes Mandat = Kriegsmäßige Auseinandersetzung mit Waffengewalt, usw.
    Fakt: Ich habe den Artikel MDH durchausgelesen, nur intensiver als Sie.
    the stupid Germans.

  • Herr Pella hat wieder mal den Artikel nicht gelesen... stupid.

  • Dem guten Menschen aus der Lebensmittelindustrie geht es doch wohl weniger darum, dass "der Verbraucher weniger wegwerfen muss", sondern ausschließlich darum, dass die Lebensmittelverkäufer die Waren endlos zum gleichen Preis weiteranbieten können.

  • Mindesthaltbarkeitsdatum abschaffen.........

    Ein Schelm, der Schlechtes dabei denkt..
    Ein kurzes Wort dazu: Gewinnmaximierung.

    the stupid Germans.