Aus Kaiser's wird Rewe Wie eine Supermarktkette verschwindet

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„Ab heute müssen Sie jeden Kunden nach der Payback-Karte fragen“
Das Ende eines deutschen Wirtschaftswunders
Wo alles begann
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1880 tritt Josef Kaiser in das elterliche Kolonialwarengeschäft in Viersen ein. Gekauft und verkauft wird, was für den Lebensunterhalt notwendig ist: Salz, Zucker, Mehl und Grieß. Kaffee wird nur von gut betuchten Kunden gekauft, die ihn zu Hause selbst rösten.

Frisch gerösteter Kaffee
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1882 bietet Josef Kaiser seinen Kunden den ersten selbst gerösteten Kaffee an. Die Vorteile: Das Aroma ist besser und er ist in unterschiedlichen Mischungen und Qualitäten erhältlich. Geröstet wird der erste Kaffee in einer Röstpfanne auf einem gusseisernen Herd im eigenen Geschäft. Schon bald reicht das nicht mehr aus. Die Industrialisierung bringt Wohlstand. Der Kaffeekonsum in Deutschland steigt.

Geschwindigkeitspionier
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Josef Kaiser baut ein Filialnetz auf. 1889 besitzt Kaiser´s bereits 253 Niederlassungen. Schwerpunkt: das aufstrebende Ruhrgebiet, das Rheinland sowie Südwestdeutschland. Um die Belieferung aller Filialen zu gewährleisten, setzt Kaiser´s als eines der ersten deutschen Unternehmen „schnelle“ Lastautos ein. Deren Spitzengeschwindigkeit beträgt zwölf Stundenkilometer. Eine Kutsche braucht doppelt so lange.

Der Patron
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1899 wird Josef Kaiser Hauptgesellschafter und Geschäftsführer der Kaiser´s Kaffee-Geschäft GmbH. Ab sofort bestimmt er die zukünftige Entwicklung seines eigenen Unternehmens. Die Marschrichtung ist klar: weiteres Wachstum. 1910 ist Kaiser´s das größte Kaffeegeschäft Deutschlands und besitzt 1.250 Filialen – mehr als seine beiden größten Konkurrenten Buchthals Kaffeemagazin, Dortmund (500 Filialen) und Emil Tengelmann, Mühlheim/R. (400 Filialen) zusammen.

Die lachende Kaffeekanne
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Josef Kaiser hat die Idee eine Kaffeekanne als Firmenlogo einzusetzen. Paul Böhm modifiziert sie 1904 zur lachenden Kaffeekanne. Sie wird zum Markenzeichen aller Kaiser´s Filialen. 1914 entwickelt Prof. Peter Behrens (Mitglied des deutschen Werkbundes) die heutige Form der lachenden Kaffeekanne.

Belegschaft der Schokoladenfabrik und Bäckerei in Viersen
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1912 stehen 3.810 Mitarbeiter bei Kaiser´s in Lohn und Brot. Für die macht Josef Kaiser viel: Es existieren eine Betriebs- und Unterstützungskrankenkasse, sowie eine Altersvorsorge- und Geschäftssparkasse. 1910 gründet Kaiser´s die Julie-Kaiser-Stiftung für Wöchnerinnen.

Erster Weltkrieg
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Im Krieg verliert das Unternehmen rund 200 Filialen. Andere werden stark zerstört.

1887 eröffnete der Kaufmann Josef Kaiser die erste Zweigstelle in der Hauptstadt. Der Westfale hatte das elterliche Kolonialwarengeschäft sieben Jahre zuvor übernommen und zu einem erfolgreichen Kaffeegeschäft ausgebaut. Das Sortiment: Röstkaffee, Gebäck und Schokolade. Bereits 1910 war Kaiser’s das größte Kaffeegeschäft Deutschlands mit 1250 Filialen. Die Zweigstellen lagen stets mitten im Zentrum und waren durch das Logo, die lächelnde Kaffeekanne, zu erkennen. 

Jetzt liegt die berühmte Kaffeekanne am Boden. Die Handwerker montieren den Rewe City-Schriftzug überm Eingang der Filiale in der Friedrichstraße. Kurz darauf leuchten die Buchstaben zum ersten Mal auf.   

Bisher läuft alles nach Plan. Michael Krüger ist zufrieden. Der 36-Jährige ist verantwortlich für die Integration der neuen Rewe-Märkte. Er steht vor dem Frischeregal, das zwei Mitarbeiterinnen gerade komplett leerräumen und auswaschen. „Die Sortimente von Rewe und Kaiser’s decken sich nur zu vierzig Prozent. Das heißt: Das meiste muss raus“, erklärt er. Die Kaiser’s-Ware wird in den nächsten Tagen zum halben Preis abverkauft. Zudem müssen etwa 15.000 Produkte umetikettiert werden. Konkurrent Edeka, der deutlich mehr Filialen umrüsten muss, lässt sich dafür mehr Zeit.

Zur Unterstützung der Kaiser's-Mitarbeiter ist ein externer Dienstleister mit 18 Aushilfen angerückt. Ein logistischer Kraftakt – und viel Verantwortung für Krüger, der die Gesamtkoordination übernommen hat. „60 Märkte in so kurzer Zeit integrieren – das gab es in der Rewe-Geschichte bisher noch nie“, sagt Krüger. „Ich habe schon einige schlaflose Nächte hinter mir.“

Handwerker tauschen gerade die Griffe an den Einkaufswagen aus. Das Kaiser’s-Logo muss überall verschwinden, die Rechte daran hat Edeka erworben. Alle Schilder und Banner werden durch den roten Rewe-Schriftzug ersetzt.

Im Pausenraum beginnt eine Schulung für die Mitarbeiter. Der kleine Raum ist mit 18 Personen überfüllt, nicht jeder hat einen Sitzplatz ergattert. An die Wand hat vor Jahren ein Künstler eine große, lachende Kaiser’s-Kanne mit Kochmütze und Löffel in der Hand gesprayt. Marcel Weyermann, rote Haare, kantiges Gesicht, leiert Regeln für den Umgang mit dem neuen Kassensystem herunter.

Er klickt zügig durch eine Powerpoint-Präsentation, die die meisten Mitarbeiter nicht sehen können – der schmale Raum eignet sich nicht für eine solche Vorführung. Die Mitarbeiter, überwiegend Frauen um die 50, werden unruhig, tuscheln miteinander. „Ab heute müssen Sie jeden Kunden nach der Payback-Karte fragen“, befiehlt der Rewe-Funktionär. Immer wieder wird er durch Bohrgeräusche aus der Filiale unterbrochen.

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2 Kommentare zu "Aus Kaiser's wird Rewe: Wie eine Supermarktkette verschwindet"

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  • Na. J Schwarz. Einfach mal unter jeden Artikel irgendwas geschrieben. Prost!

  • Der Secondhandmarkt braucht noch Immobilien für tolle Geschäfte aus dem Oxxxt und bereichert unser Land!

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