Aus nach 12 Jahren Online-Marktplatz Dawanda stellt Betrieb Ende August ein

Die deutsche Start-up-Szene ist bald wohl um ein Urgestein ärmer. Die Handelsplattform Dawanda stellt im August ihren Betrieb ein.
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Die beiden Dawanda-Gründer hatten noch vor wenigen Monaten schwarze Zahlen verkündet. Quelle: PR
Michael Pütz und Claudia Helming

Die beiden Dawanda-Gründer hatten noch vor wenigen Monaten schwarze Zahlen verkündet.

(Foto: PR)

DüsseldorfDie deutsche Handelsplattform für Selbstgemachtes – Dawanda – steht vor dem Aus. Das Unternehmen wird zum 30. August seinen Betrieb einstellen, heißt es in einer Mitteilung an die Dawanda-Verkäufer. Zuvor hatte das Start-up-Portal „Deutsche Startups“ unter Berufung auf Wagniskapitalkreise über das mögliche Aus berichtet. Die Meldung machte daraufhin in den sozialen Netzwerken die Runde und sorgte dort für Aufregung unter professionellen Verkäufern.

Die Händlerin Ann Sveas schreibt etwa auf ihrer Facebookseite, dass der Untergang der Plattform für sie und andere Verkäufer „existenzbedrohend“ sei. Obwohl sie und viele Kollegen seit Jahren „mehrgleisig“ fahren würden, ihre Waren also auch über andere Plattformen vertreiben.

Dawanda selbst regt seine Verkäufer in dem Schreiben dazu an, zum bisher größten Konkurrenten – dem amerikanischen Unternehmen Etsy – zu wechseln. Über ein spezielles Tool sollen Verkäufer ihren Dawanda-Shop inklusive der Angebote und Bewertungen auf die Etsy-Plattform umziehen können. Der Umzug soll laut einer Mitteilung von Etsy ab dem 2. Juli möglich sein.

Mit der möglichen Übernahme der Dawanda-Verkäufer erhält Etsy nach eigenen Angaben die Möglichkeit die Reichweite des Unternehmens in Deutschland, Polen, Österreich und der Schweiz zu vergrößern. Im Zuge des Projekts will Etsy auch verstärkt in regionales Marketing investieren. Zudem sollen die Webseite vollständig ins Polnische übersetzt und in Deutschland weitere Zahlungsoptionen bereitgestellt werden. Laut Etsy wird das Unternehmen durch die Vereinbarung keine Vermögen, Verbindlichkeiten und Mitarbeiter von Dawanda übernehmen.

Die Nachricht vom Dawanda-Aus kommt zum jetzigen Zeitpunkt überraschend. Schließlich hatte das Unternehmen erst vor wenigen Monaten schwarze Zahlen für das vierte Quartal 2017 verkündet. Der Umsatz von Dawanda lag im vergangenen Jahr bei 16,4 Millionen Euro, was einer Steigerung von 21,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Operativ musste das Unternehmen 2017 einen Verlust von knapp einer Millionen Euro verbuchen. 2016 lag das Minus jedoch noch bei vier Millionen. Etsy machte hingegen im ersten Quartal 2018 weltweit 120,9 Millionen US-Dollar Gewinn.

Dawanda wurde 2006 in Berlin gegründet und betreibt eine Handelsplattform, auf der Privatpersonen Selbstgemachtes und Unikate verkaufen können. In den vergangene Jahren hat das Unternehmen vor allem mit negativen Meldungen Schlagzeilen gemacht. So entließen die Berliner 2017 mindestens ein Viertel ihrer Mitarbeiter. Außerdem hat das Unternehmen nach Angaben von „Deutsche Startups“ bis Ende 2015 rund 19 Millionen Euro verbrannt.

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