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Bahn-Konkurrent Flixmobility nun drei Milliarden Dollar wert

Das Start-up sammelt in einer neuen Finanzierungsrunde 650 Millionen Dollar ein. Flixbus und Flixtrain bauen das Zug- und Bus-Angebot in Europa und den USA weiter aus.
02.06.2021 Update: 02.06.2021 - 17:09 Uhr Kommentieren
Der CEO des Jungunternehmens hat 650 Millionen Dollar eingesammelt und will das Geschäft weltweit ausbauen. Quelle: dpa
Flixmobility-Mitgründer André Schwämmlein

Der CEO des Jungunternehmens hat 650 Millionen Dollar eingesammelt und will das Geschäft weltweit ausbauen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Freude kann und will André Schwämmlein in der Video-Schalte am Mittwochmittag kaum verbergen. 650 Millionen Dollar haben der Flixmobility-Chef und sein Team in einer neuen Finanzierungsrunde für den größten Konkurrenten der Deutschen Bahn eingesammelt. Damit steigt die Bewertung von Flixmobility, der Dachgesellschaft für die Marken Flixbus und Flixtrain, nun auf drei Milliarden Dollar.

Schwämmlein hat genaue Vorstellungen, was mit dem Geld geschehen soll: „Wir wollen grüne und erschwingliche Mobilität für so viele Menschen wie möglich verfügbar machen“, sagte der Mitgründer von Flixmobility. Dazu will das Unternehmen in bestehenden Märkten wie Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Osteuropa und den USA expandieren. Auch die Präsenz in der Türkei soll ausgebaut werden. Dabei will das Unternehmen unter anderem von der erwarteten Konsolidierung in der Branche profitieren. „Wir wollen der globale Marktführer werden“, gab Schwämmlein das ehrgeizige Ziel vor.

Die neue Finanzierungsrunde besteht aus einer Mischung aus Kapital und Krediten. Zum einen haben bestehende Investoren wie zum Beispiel General Atlantic, Permira, TCV, HV Capital, Blackrock und Baillie Gifford investiert. Mit Canyon Partners hat das Jungunternehmen aber auch einen weiteren Investor gewonnen. Das zeigt: Die Risikokapitalgeber trauen Flixmobility einiges zu.

Das Start-up wurde 2012 gegründet und begann zunächst mit Fernbussen. 2018 folgte der Einstieg in den Zugverkehr. Das Unternehmen, das rund 1000 Mitarbeiter hat, expandierte früh ins Ausland. Ein wichtiger Busmarkt ist zum Beispiel die Türkei, wo Flixmobility unter der Marke Kâmil Koç aktiv ist. Dieser Markt war eine der Säulen, die Flixmobility bisher gut die Pandemie bewältigen ließen. „Wir werden in der Türkei die führende Konsolidierungsplattform sein“, ist Schwämmlein von weiteren Wachstumsmöglichkeiten in dem Land überzeugt.

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    Die drei Gründer Schwämmlein, Jochen Engert und Daniel Krauss halten nach letzten Angaben noch knapp über 25 Prozent der Anteile, nachdem in mehreren Finanzierungsrunden einige namhafte Risikokapitalgeber bei Flixmobility eingestiegen sind. Die letzte Finanzierungsrunde fand im Sommer 2019 statt und hatte einen Umfang von 500 Millionen Euro.

    Busse und Züge von Flixmobility fahren nach längerer Pause wieder

    Die Busse von Flixmobility haben nach einer monatelangen Pause kürzlich ihren Dienst wieder aufgenommen. Gleichzeitig hat das Unternehmen vor wenigen Wochen einen kräftigen Ausbau des Zug-Angebots in Deutschland angekündigt. Flixtrain ist derzeit dabei, 16 neue Städte in das eigene Netz aufzunehmen. Auch in Schweden starteten die grünen Züge vor einigen Wochen. „Wir haben die Pandemie so gemanagt, dass wir gestärkt aus ihr herauskommen werden“, glaubt Schwämmlein.

    Auffällig ist, wie stark er und Engert am Mittwoch das Thema Nachhaltigkeit betonten: „Die aktuelle Finanzierung ist ein starkes Zeichen für die Zukunft und unsere Vision, eine nachhaltige Mobilität mit Flixbus und Flixtrain anzubieten“, sagte Jochen Engert, Gründer und zusammen mit Schwämmlein CEO von Flixmobility. Und Schwämmlein ergänzte: „Wir wollen Mobilität für jeden verfügbar machen. Diese muss smart und grün sein.“ Schwämmlein ist Mitglied der Grünen und gehört dort zu den führenden Wirtschaftsvertretern. Dem Unternehmer werden immer mal wieder politische Ambitionen nachgesagt.

    Allerdings steht das Jungunternehmen vor einigen Herausforderungen. Im Fernbusmarkt hat Flixbus in Deutschland bereits einen Marktanteil von 95 Prozent. Auch in anderen Märkten ist der Spielraum für weiteres Wachstum im Busgeschäft begrenzt. Umso wichtiger wird die Schiene für die weitere Expansion.

    Doch zum einen steht Flixtrain im Heimatmarkt Deutschland einem starken Rivalen gegenüber: Die Deutsche Bahn ist im Fernverkehr um ein Vielfaches größer. Auch weiß das Unternehmen als Staatskonzern den Bund im Rücken, der es in der Pandemie finanziell gestützt hat. Flixmobility sieht das als Wettbewerbsverzerrung an und hat die EU eingeschaltet.

    Zum anderen ist es nicht einfach, neue Züge zu finden. Das Geschäftsmodell von Flixmobility ist es, selbst die Plattform zu betreiben, die eigentliche Verkehrsleistung aber Partnern wie Busunternehmen und Zugbetreibern zu überlassen.

    Trotz der ehrgeizigen Wachstumspläne ist das Team von Schwämmlein und Engert davon überzeugt, die Profitabilität weiter steigern zu können. Die Effizienz der Flix-Plattform werde steigen, weil der Aufwand durch die Expansion noch besser skaliert werden könne, sagte Schwämmlein. Auch die weitere Digitalisierung und Automation helfe hier.

    Mehr: Flixtrain verdoppelt das Angebot auf deutschen Bahnstrecken.

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