Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Bahn-Konkurrent Flixtrain scheitert an der Schnellstrecke Berlin-München

Das grüne Start-up fährt ab Sommer 2019 zwischen Berlin und Köln. Nur Richtung München gibt es keine Einigung mit der Deutschen Bahn.
1 Kommentar
Bahn-Konkurrent Flixtrain scheitert an Strecke Berlin-München Quelle: dpa
Flixtrain in Köln

Einig ist sich das Start-up nach Verhandlungen mit DB Netz und der Aufsichtsbehörde Bundesnetzagentur über eine neue Verbindung zwischen Berlin und dem Rheinland.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer private Zuganbieter Flixtrain muss vorerst seinen Plan aufgeben, der Deutschen Bahn auf der neuen und viel genutzten Schnellfahrstrecke Berlin-München Konkurrenz zu machen. Flixtrain hat kurzfristig kein Wagenmaterial zur Verfügung, das für diese Höchstgeschwindigkeitstrasse zugelassen ist.

„Faktisch können auf dieser Strecke nur ICE eingesetzt werden“, sagte Andre Schwämmlein, Mitgründer des Start-ups Flixmobility dem Handelsblatt „und die hat natürlich nur die Deutsche Bahn.“

Ein „diskriminierungsfreier Zugang“ auf der erst im Dezember 2017 eingeweihten Trasse sei damit nicht gewährleistet, beklagt Schwämmlein. Dort könne nicht einmal ein TGV ohne besondere Zulassung fahren. Eine solche Zulassung brauche zehn Monate „für eine Trasse, die wir zwölf Monate nutzen könnten“. Das mache keinen Sinn. Schwämmlein: „So bekommt man keinen Wettbewerb auf die Schiene.“

Geplant waren täglich bis zu drei Zugpaare in beide Richtungen. Flixtrain erwartete etwa eine Million Fahrgäste auf der Strecke. „Ohne politische Unterstützung ist es unmöglich auf der VDE 8 zu fahren“, sagte Schwämmlein. Das Bundesverkehrsministerium ist von Flixtrain eingeschaltet worden.

Die Schnellfahrstrecke zwischen der Hauptstadt und der Bayernmetropole wird VDE 8 genannt. Sie ist das letzte große Verkehrsprojekt nach der deutschen Wiedervereinigung. Dort können Züge bis zu 300 Kilometer in der Stunde fahren, die Fahrzeit verkürzt sich damit auf vier Stunden.

Damit kann die Bahn dem Flugzeug auf dieser Verbindung Konkurrenz machen. Der Erfolg gibt den Planern recht. In den ersten sechs Monaten wurden zwei Millionen Fahrgäste befördert, doppelt so viele im Vorjahreszeitraum.

Voraussetzung für eine Zulassung auf Schnellfahrstrecken wie die zwischen München und Berlin ist die Tauglichkeit der eingesetzten Fahrzeuge, bestätigt die Deutsche Bahn auf Anfrage. Züge müssten zwar nicht 300 Kilometer pro Stunde fahren können, aber schnellen Gegenverkehr vor allem im Tunnel aushalten.

Das schreibe das mit der Bundesnetzagentur festgelegte Regelwerk aus Sicherheitsgründen vor. Die Bahn arbeite aber weiter an einer Lösung für Flixtrain-Züge, versichert eine Sprecherin.

Neue Verbindung zwischen Berlin und dem Rheinland

Flixtrain ist in diesem Jahr neu ins Eisenbahngeschäft eingestiegen und gilt als erster ernsthafter Konkurrent der Deutschen Bahn. Übernommen wurde die Linie des Hamburg-Köln-Express (HKX), die zuletzt nur noch gelegentlich fuhr, sowie die insolvente Locomore, die zwischen Stuttgart und Berlin fuhr.

Flixtrain ist eine Schwestergesellschaft von Flixbus, die seit Freigabe des Fernbusmarktes in Deutschland binnen fünf Jahren eine Quasi-Monopolstellung aufgebaut hat und nun vor allem im Ausland expandiert.

Einig ist sich Flixtrain nach Verhandlungen mit DB Netz und der Aufsichtsbehörde Bundesnetzagentur allerdings über eine neue Verbindung zwischen Berlin und dem Rheinland. Vermutlich ab Frühsommer werde es zwei Zugpaare Richtung Köln geben, versichert Schwämmlein. Der Streit mit DB Netz um Zeiten und Linienführung sei beigelegt. Auch die Halbierung der Fahrten zwischen Stuttgart und Berlin wegen Baustellen sei vom Tisch.

Mit dem geplanten Start im Dezember wird es aber nichts mehr. Flixtrain muss noch ein Unternehmen finden, das die Züge fährt. Denn Flixtrain hat wie Flixbus keine eigenen Fahrzeuge. Das Unternehmen ist eine Buchungs- und Marketingplattform. Fernverkehrszüge sind aber Mangelware.

Bislang sind unter dem Flixtrain-Logo vier Zugeinheiten auf den zwei getrennten Strecken unterwegs. Gefahren werden sie von der tschechischen Leo-Express und dem deutschen Bahnunternehmen BTE. „Wir haben zurzeit wenig Reserven“, räumt Schwämmlein ein. Deshalb kommt es bei Flixtrain immer wieder zu der Ansage via Buchungssystem: „Zug fällt aus“.

Die Chance, Fahrzeuge bei der Deutschen Bahn zu bekommen, ist derzeit allerdings gering. Der Staatskonzern fährt selbst schon auf der letzten Reserve. Ein Grund für die massiven Verspätungen in der letzten Zeit.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Bahn-Konkurrent - Flixtrain scheitert an der Schnellstrecke Berlin-München

1 Kommentar zu "Bahn-Konkurrent: Flixtrain scheitert an der Schnellstrecke Berlin-München"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es ist immer seltsam, wenn "Bahn - Konkurrenten" mit ihren Vorstellungen über der Teilnahme am Eisenbahnbetrieb in Deutschland an der Realität scheitern, ist entweder die DBAG oder die Aufsichtsbehörde schuld. Das man vielleicht recht unbedarft ist in Bezug der Anforderungen einen sicheren Eisenbahnbetrieb durchzuführen, darauf kommt auch Herr Schwämmlein scheinbar nicht. Zum Glück gibt es bei der Bahn noch entsprechende technische Forderungen für die Zulassung der Fahrzeuge im Betrieb und für die Instandhaltung sowie bei den Personalen in Punkto Arbeits- und Lenkzeiten, welche auch der Aufsichtsbehörde nachzuweisen sind. Das ist eben der große Unterschied zu den Bussen. Aber das kann eine Buchungs- und Marketingplattform für Billigbusse ja nicht wissen.
    Wenn man Züge auf der modernsten Strecke fahren lassen will, sollte man auch die entsprechenden Fahrzeuge besitzen. Das geht halt nicht mit uralten aufgehübschten Wagen, welche eine Staatsbahn 2009 wahrscheinlich verschrottet hätte. Statt zu jammern, das solche Züge nur die DBAG besitz, hält ja niemanden Herrn Schwämmlein davon ab, zu einem Fahrzeughersteller wie z.B. Siemens zu gehen, eine mittlere achtstellige Summe pro Zug auf den Tisch zu legen und die entsprechenden Fahrzeuge zu bestellen. Hier von Diskriminierung beim Zugang zur Strecke zu reden ist nur dummes Geschwätz. Da dürfte sich ja jeder Mopedfahrer auch beschweren, dass er sich diskriminiert fühlt, weil er nicht auf die Autobahn mit seinem Moped darf!
    Im übrigen ist in Punkt Wettbewerbsverzerrung zwischen Buss und Bahn eine Mautgebühr auf Autobahnen und Fernverkehrsstraßen für Busse schon längst überfällig!

Serviceangebote