Bahn-Konkurrenten Flixbus rettet Zugbetreiber Locomore

Die Deutsche Bahn muss sich auf neue Konkurrenz einstellen: Der Fernbusbetreiber Flixbus rettet das Eisenbahn-Startup Locomore, zusammen mit einem tschechischen Investor. Kommt nach Flixbus nun Flixtrain?
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Dem insolventen Eisenbahn-Startup springt der Fernbusbetreiber FlixBus bei. Quelle: dpa
Locomore

Dem insolventen Eisenbahn-Startup springt der Fernbusbetreiber FlixBus bei.

(Foto: dpa)

BerlinDer insolvente Zugbetreiber Locomore kann einem Medienbericht zufolge weiterfahren. Das tschechische Unternehmen Leo Express übernimmt den Betrieb und der Fernbusbetreiber Flixbus den Vertrieb der Tickets, wie die „Wirtschaftswoche“ am Mittwoch berichtet. „Gemeinsam wollen wir den Zug Locomore erfolgreich machen“, sagte André Schwämmlein, der Chef des Fernbusbetreibers Flixbus dem Magazin.

Die Prüfung des insolventen Unternehmens habe ergeben, dass es auf der Strecke von Stuttgart nach Berlin „ein großes Interesse an einer Alternative zur Deutschen Bahn gibt“, so Schwämmlein. Die Entwicklung sei „beeindruckend“ gewesen. 70.000 Fahrgäste buchten bei Locomore seit Marktstart im Dezember 2016.

Locomore wird dem Bericht zufolge zunächst vier Mal in der Woche in beide Richtungen fahren. Eine fünfte Fahrt und mehr Kapazitäten kommen ab September hinzu. Die Tickets sollen über die Vertriebsplattform von Flixbus verkauft werden. „Wir sind verantwortlich dafür, dass die Züge voll werden“, sagte der Flixbus-Chef der „Wirtschaftswoche.“

Das sind die größten Baustellen der Bahn
Fernverkehr
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Erst vor wenigen Tagen hat die Bahn den neuen ICE 4 vorgestellt – und sich im Fernverkehr Einiges vorgenommen. Um 25 Prozent soll das Angebot bis 2030 ausgebaut, fünfzig Millionen neue Fahrgäste gewonnen werden. Tatsächlich schafft es die Bahn mit ihrer Preisoffensive, etwa mit den 19-Euro-Tickets, mehr Fahrgäste in die Züge zu locken. Aber die Rendite leidet.

Güterverkehr
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Der Güterverkehr der Bahn ist ein Sanierungsfall. Zwar verbesserte sich das Ergebnis von DB Cargo im ersten Halbjahr 2016, aber die Sparte ist defizitär– und das schon seit Jahren. Zwischen 2007 und 2015 stagnierte die Verkehrsleistung, und das in einer boomenden Wirtschaft. Private Anbieter, auch auf der Straße, machen der Bahn zunehmend Konkurrenz.

Pünktlichkeit
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174,63 Millionen Minuten haben die Personen- und Güterzüge der Bahn 2015 an Verspätungen eingefahren. Hauptursache ist die wachsende Zahl von Baustellen. Zwar schneidet die Bahn im ersten Halbjahr 2016 besser ab. Aber: Das Bemühen um pünktliche Züge ist laut Bahnchef Grube „mit großen Kraftanstrengungen verbunden“.

Infrastruktur
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Die Bahn investiert viel Geld in die Infrastruktur: Gut 5,2 Milliarden Euro flossen 2015 etwa in die Instandhaltung von Schienenwegen und Brücken. Doch es hapert bei der Koordinierung der vielen Baustellen. Und so verursacht die von Konzernchef Grube gefeierte „größte Modernisierungsoffensive in der Bahn-Geschichte“ vor allem eines: Verspätungen.

Privatisierung
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Die Bahn braucht Geld, um den Schuldenanstieg zu bremsen. Geplant war deshalb ein Verkauf von maximal 40 Prozent der britischen Tochter Arriva und des Transport- und Logistikkonzerns DB Schenker. Arriva sollte im zweiten Quartal 2017 an der Londoner Börse starten, Schenker danach in Frankfurt. Doch die Pläne sind jetzt vom Tisch.

Stuttgart 21
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Bahnchef Grube feierte kürzlich die Grundsteinlegung für den Stuttgarter Tiefbahnhof, aber das Großprojekt bleibt umstritten. Beim Volksentscheid 2011 war noch von 4,5 Milliarden Euro Kosten die Rede. Der Bundesrechnungshof hält nun offenbar zehn Milliarden Euro für möglich, Grube selbst spricht von 6,5 Milliarden Euro.

Die günstigsten Tickets auf der Strecke Stuttgart-Berlin gibt es für 9,90 Euro, Teilstrecken wie von Hannover nach Kassel gibt es ab fünf Euro. „Der Zug ist eine super Ergänzung zu unseren Fernbussen“, sagte Schwämmlein. Künftig können Fahrgäste morgens in Stuttgart einsteigen und mittags in der Hauptstadt sein. „Mit unseren Fernbussen war das bislang nicht möglich.“

Das tschechische Transportunternehmen Leo Express gilt als einer der wenigen erfolgreichen privaten Personenzugbetreiber in Europa. Es fährt Züge von und nach Prag und betreibt Busse und Carsharing. Seit 2015 kooperieren Flixbus und Leo bereits erfolgreich miteinander. Nun soll Leo die Züge von Locomore betreiben. „Wir glauben an das Produkt Locomore“, sagte auch Leo-Chef Peter Köhler.

Für Flixbus könnte der Neustart von Locomore eine dauerhafte Erweiterung seines Geschäftsmodell bedeuten. Das Unternehmen gründete extra für die Kooperation ein neues Unternehmen: Flixtrain. „Unser primäres Ziel ist, das Projekt Locomore erfolgreich zu machen“, sagte Schwämmlein dem Wirtschaftsmagazin. "Wenn das gut läuft und wir sehen eine Perspektive im Markt, dann bauen wir das Geschäft im Schienenverkehr vielleicht aus.“

„Der Name Locomore bleibt vorerst bestehen“, sagte Schwämmlein der WirtschaftsWoche. „Wir wollen gemeinsam mit Leo verstehen, wie der Betrieb funktioniert und wie wir die Auslastung steuern können“, so Schwämmlein. „Eine Ewigkeitsgarantie gebe ich für den Namen nicht ab“, so der Flixbus-Chef. „Flixtrain wäre eine Alternative, aber entschieden ist nichts.“

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