Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Bahn-Tarifverhandlungen EVG-Unterhändlerin Regina Rusch-Ziemba – Sie poltert, aber wohldosiert

Die Verhandlungsführerin soll in der Tarifrunde mehr für die Bahner herausschlagen. Dabei wirkt Rusch-Ziemba mehr hinter den Kulissen, als davor.
Kommentieren
Die Funktionärin der EVG steht eher für eine „Mitmach-Gewerkschaft“. Quelle: dpa
Regina Rusch-Ziemba

Die Funktionärin der EVG steht eher für eine „Mitmach-Gewerkschaft“.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Entertainment ist ihr fremd. Regina Rusch-Ziemba, die Funktionärin der Gewerkschaft EVG, pflegt eher den distanzierten Hamburger Charme. Sie mag diese norddeutsche Zurückhaltung. Dabei kann die 63-Jährige auch anders. Schließlich ist es ihr Job, Eisenbahner mitzureißen. Etwa jetzt, bei den laufenden Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn. Ein wenig Druck von der Basis kann da nie schaden. Die gelernte Bauzeichnerin ist Verhandlungsführerin und kämpft für die Interessen von 160.000 Eisenbahnern in Deutschland.

Rusch-Ziemba führt nicht das erste Mal den Verhandlungstross der Gewerkschaft EVG an. Trotzdem kennt sie kaum jemand – Claus Weselsky, Chef der Lokführergewerkschaft GdL, kennt dagegen fast jeder. Weselsky tönt eben oft und laut. Rusch-Ziemba kann das auch, aber sie macht das in der Regel hinter geschlossenen Türen, nicht vor den Kameras irgendwelcher TV-Sender. „Sie kann ganz schön poltern“, sagte jemand, der sie seit Jahren beobachtet.

In der laufenden Tarifrunde hatte Rusch-Ziemba noch keinen Anlass zum Poltern. Man komme voran, heißt es auf beiden Seiten. Für die EVG fordert sie 7,5 Prozent mehr Lohn und ein ganzes Paket an Verbesserungen. Vor allem aber soll das bei den letzten Verhandlungen von ihr durchgepaukte Wahlmodell wieder Anwendung finden.

Das Bahnpersonal konnte sich dabei zwischen Geld und Freizeit entscheiden. Mehr als die Hälfte der DB-Mitarbeiter wollte mehr Urlaub – oder eine verkürzte Arbeitszeit. Die Bahn musste daraufhin 1500 neue Leute einstellen.

Ausgedacht hat sich die Gewerkschafterin das nicht selbst, betont sie. Die EVG übt sich in Basisdemokratie und befragt vor der Tarifverhandlung, was den 189.000 Mitgliedern am liebsten wäre. Darauf legt Rusch-Ziemba großen Wert, größten Wert sogar. Gern spricht sie von der „Mitmach-Gewerkschaft“.

Auch das ist für sie ein Unterschied zum dominant auftretenden Cheflokführer Weselsky und seiner GDL. Weselsky verfolgt allerdings ein komplett anderes Geschäftsmodell als die EVG. Er kämpft für seine Lokführer, neuerdings auch für Zugbegleiter und Servicekräfte. Das sind vielleicht 20 Prozent des Bahn-Personals.

Die Bahn braucht frisches Blut

Rusch-Ziemba dagegen sieht sich als Kämpferin für die alle Eisenbahner, egal ob Lokführer, Disponent oder Waggonreiniger. Gern vergleicht sie die Bahn mit einem gallischen Dorf, widerständig und mit engem Zusammenhalt – mit eigenen Kleingärten, dem Eisenbahner-Bauverein, der eigenen Versicherung. Und schade findet sie es, dass diese Idee der Eisenbahnerfamilie droht verloren zu gehen. Was allerdings nicht überrascht. In fünf Jahren wird die Deutsche Bahn die Hälfte ihrer Mitarbeiter austauschen.

Allein 2018 werden 24.000 Eisenbahner eingestellt. Neue Qualifikationen, vor allem aber die Verrentung ganzer Eisenbahner-Generationen, machen dem Staatskonzern zu schaffen. Heute werden auch Quereinsteiger liebend gerne genommen, die Bahn startete jüngst sogar eine spezielle Werbeaktion für Interessenten jenseits der 50.

Früher begann der Eisenbahner seinen Berufsweg bei der Bahn und ging dort auch in Rente. So wird es wohl auch bei Rusch-Ziemba laufen. Gestartet ist auch sie bei der damaligen Bundesbahn, 1989 wurde sie dann Vollzeitgewerkschafterin.

Für traditionsreiche Gewerkschaften wie die EVG ist es schwieriger geworden. Wer neu im Unternehmen anfängt, trägt sich nicht mehr automatisch in ihre Mitgliedsliste ein. Rusch-Ziemba weiß das. Ihre EVG muss für ihre Ziele werben, die Konkurrenzgewerkschaft GdL macht das bereits sehr offensiv. Aber Rusch-Ziemba ist überzeugt davon, dass die EVG eigene Akzente gerade durch die Tarifabschlüsse setzt. Und deshalb bei den Eisenbahnern punkten wird.

Bis zum Wochenende verhandelt sie und ihr 32-köpfiges Team nun mit der Bahn in dritter Runde um einen neuen Tarif. Jetzt wird sich zeigen, ob ein Abschluss bis Jahresende noch möglich ist. Der Abschluss mit dem Marktführer ist auch der Maßstab für weitere Verhandlungen mit DB-Wettbewerbern – ausgehandelt von EVG-Verhandlungschefin Rusch-Ziemba.

Den Erfolg lässt sie sich nicht nehmen. Auch nicht von der GdL, die die EVG gerne in Gefolgschaft des Bahnmanagements sieht. Auch das ist kein Grund für die Hamburgerin, sich abschätzig über die Konkurrenz auszulassen. Nur soviel: „Es gibt sie eben, die GdL.“

Startseite

Mehr zu: Bahn-Tarifverhandlungen - EVG-Unterhändlerin Regina Rusch-Ziemba – Sie poltert, aber wohldosiert

0 Kommentare zu "Bahn-Tarifverhandlungen: EVG-Unterhändlerin Regina Rusch-Ziemba – Sie poltert, aber wohldosiert"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote