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Bahnhof Altona Gericht stoppt Prestigeprojekt der Bahn

Der Staatskonzern darf sein zweitgrößtes Bahnhofsprojekt nach Stuttgart 21 vorläufig nicht weiterbauen. Auch andere wichtige Vorhaben stocken.
22.08.2018 - 12:33 Uhr Kommentieren
Bislang liegt der Bahnhof mitten im gewachsenen Zentrum der ehemals selbstständigen Stadt Altona. Die Bahn möchte ihn rund zwei Kilometer nach Norden verlagern Quelle: dpa
Bahnhof Hamburg-Altona

Bislang liegt der Bahnhof mitten im gewachsenen Zentrum der ehemals selbstständigen Stadt Altona. Die Bahn möchte ihn rund zwei Kilometer nach Norden verlagern

(Foto: dpa)

Hamburg Die Deutsche Bahn hat Probleme bei einem ihrer größten Bahnhofsprojekte in Deutschland. Ein Gericht hat die geplante Verlegung des Hamburger Fernbahnhofs Altona vorerst gestoppt. Dabei sind die ersten Bauarbeiten für das auf 360 Millionen Euro geschätzte Projekt bereits angelaufen. Kritiker warnen vor einem zweiten „Stuttgart 21“.

Das Oberverwaltungsgericht Hamburg ordnete am Mittwoch einen sofortigen Baustopp für den Altonaer Bahnhof an. Das ist ein erster Sieg für die Kritiker des Projekts. Sie fordern, den Bahnhof an seiner alten Stelle zu belassen.

Bislang liegt der Bahnhof mitten im gewachsenen Zentrum der ehemals selbstständigen Stadt Altona. Die Bahn möchte ihn rund zwei Kilometer nach Norden verlagern – in ein Gebiet, in dem derzeit Gewerbehallen und ein Friedhof stehen.

Von dem aufwändigen Umzug verspricht sich die Bahn mehr Effizienz: Der neue Bahnhof wäre kein Sackbahnhof mehr, Rangierfahrten würden überflüssig. Zudem hat sie das Grundstück des alten Bahnhofs an die Stadt verkauft. Nach dem bislang für 2023 geplanten Bahnhofsumzug soll dort ein Neubauviertel erweitert werden, das derzeit auf einem benachbarten ehemaligen Güterbahnhof entsteht.

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Standort erkennen

    An dem Projekt hängt zudem der Neubau zweier Hochhäuser am neuen Bahnhof, die ein Investor für 120 Millionen Euro errichten will. Sie sollen nach dem Willen der Stadtplaner Kern eines neuen Mischgebiets um den Bahnhof werden. Doch nun wird es schwierig, den engen Zeitplan zu halten.

    Der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) hatte gegen den Planfeststellungsbeschluss vom Dezember 2017 geklagt. In einem Punkt gab ihm das Gericht vorläufig Recht. Demnach hätte zwingend eine Verladestation für Autoreisezüge eingeplant werden müssen, wie sie am alten Standort besteht. Tatsächlich aber sei nur die Absicht erklärt worden, eine solche Station zu prüfen.

    Kläger setzen sich nicht in allen Punkten durch

    Die nun beanstandeten Pläne hätten es der Bahn erlaubt, auch ohne die neue Verladestation umzuziehen. Die Bahn hat in den vergangenen Jahren das Angebot an Autoreisezügen immer weiter ausgedünnt, so dass ein Verzicht auf eine solche Station nicht unwahrscheinlich ist – zumal die bisherigen Pläne diese nicht zeigen.

    In anderen Punkten setzten sich die Kläger nicht durch: Die nachträglich ins Verfahren eingebaute Umweltverträglichkeitsprüfung reiche wohl aus, meint das Gericht. Es wies auch die Klage eines Einzelklägers aus der Bürgerinitiative gegen den Bahnhof ab. Es reiche nicht aus, dass Bürger künftig einige Minuten länger zum Bahnhof bräuchten. Das Hauptargument der Projekt-Gegner, dass der Bahnhof für viele bisherige Nutzer schlechter zu erreichen wäre, zieht vor Gericht also nicht.

    In einer Hauptverhandlung sollen jedoch weitere Klagepunkte gründlich geprüft werden. Die Gegner warnen schon länger vor einer Kostenexplosion wie beim im Bau befindlichen Stuttgarter Tiefbahnhof S21. Der nun verordnete Baustopp dürfte dazu beitragen. Bislang hat sich die Bahn auf Anfrage noch nicht zu dem Urteil geäußert.

    Das Staatsunternehmen hat weitere Probleme mit dem notorisch überlasteten Personenverkehr in der norddeutschen Metropole. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ meldete am Mittwoch, der geplante Ausbau des Hamburger Hauptbahnhofs komme nicht voran. Frühestens 2030 sei damit zu rechnen, dass neue Zugänge gebaut würden.

    Dabei räumen hochrangige Stimmen in Hamburg schon jetzt ein, in Notfällen sei der Hauptbahnhof wegen des alltäglichen Menschenandrangs möglicherweise gefährlich. Mit 550.000 Reisenden je Tag ist der Vorkriegsbau der meistfrequentierte Bahnhof in ganz Deutschland.

    „Wir als Verkehrsbehörde haben bewusst keine Entwürfe vom neuen Hauptbahnhof veröffentlicht, weil wir nicht den Eindruck erwecken wollten, schon morgen sei Baubeginn“, zitiert die „Zeit“ Andreas Rieckhof (SPD), Staatsrat in der Hamburger Verkehrsbehörde. „Keiner weiß genau, wie die Erweiterung der Bahnhofshalle im Süden aussehen wird.“

    Auch ein weiteres Entlastungsprojekt für den Hauptbahnhof verzögert sich. Die Bahn musste im Sommer einräumen, dass die eigentlich für den Dezember geplante Eröffnung einer neuen Umsteigestation zwischen S- und U-Bahn vor dem Hauptbahnhof an den Elbbrücken auf unbestimmte Zeit verzögert wird. Es seien Probleme beim Baugrund aufgetreten, die eine Neuplanung nötig mache.

    Allerdings: Der Baustart für die gläserne Haltestelle lag deutlich nach dem Baubeginn für die U-Bahn-Station, die von der städtischen Hamburger Hochbahn AG errichtet wird. Das ruft Erinnerungen wach an eine weitere geplante S-Bahn-Haltestelle im Stadtteil Ottensen neben dem bisherigen Altonaer Bahnhof, die seit Jahren im Planungszustand verharrt.

    Die Hamburger Politik macht inzwischen aus der Not eine Tugend: Sie erklärt die Stadt zum Experimentierfeld für digital vernetzten Verkehr. Sie soll die Straßen dort entlasten, wo es der öffentliche Nahverkehr nicht schafft.

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