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Bahnstörung Schlichterspruch zur Tunnelhavarie in Rastatt kommt Anfang 2019

Die Sperrung der Oberrheinstrecke sorgte für einen Milliardenschaden. Bis 2019 soll geklärt werden, ob die Deutsche Bahn dafür haften muss.
19.08.2018 - 20:42 Uhr Kommentieren
Am Ende des Schlichtungsprozesses soll geklärt sein, wer für die entstandenen Kosten aufzukommen hat. Quelle: dpa
Schadensersatz?

Am Ende des Schlichtungsprozesses soll geklärt sein, wer für die entstandenen Kosten aufzukommen hat.

(Foto: dpa)

Für den europäischen Eisenbahnverkehr war es der GAU. Als am 12. August 2017 auf der Baustelle bei Rastatt festgestellt wurde, dass die Gleise der viel befahrenen Rheintalbahn an einigen Stellen absackten, stoppte der Bauherr Deutsche Bahn sofort jeglichen Verkehr. Unter der Strecke wurden gerade die beiden Tunnel vorangetrieben, durch die in einigen Jahren die neue Bahnstrecke verlaufen soll.

Doch bei den Bauarbeiten sackte der bereits gebohrte Tunnelabschnitt ausgerechnet unter der bestehenden Bahnlinie ab. Die Strecke wurde für sieben Wochen gesperrt, und bis heute ist nicht klar, wie es zu der Beinahekatastrophe kommen konnte. Die Bahn selbst spricht immer verharmlosend von einer Havarie. Tatsächlich brachte der Tunneleinsturz aber eine wichtige Magistrale des europäischen Eisenbahnverkehrs zum Erliegen.

Bis zu 250 Güterzüge passieren täglich die Rheintalbahn, die Strecke zählt damit zu den am dichtesten befahrenen Verbindungen im Nord-Süd-Verkehr. Faktisch alle Güterzüge von den Nordseehäfen Rotterdam und Antwerpen in Richtung Schweiz und Norditalien rollen durch Rastatt. Auch deshalb soll der Tunnel gebaut werden, um die Lärmbelästigung für Anwohner zu reduzieren. Die bittere Erkenntnis aus der Streckensperrung: Es gibt kaum leistungsfähige Umleitungsstrecken im Südwesten.

Bis zu 500 Güterzüge mit Millionen Tonnen an Gütern standen zeitweise in ganz Deutschland und der Schweiz auf Abstellgleisen herum. Die alternative Strecke über die Schwäbische Alb in Richtung Bodensee ist nicht elektrifiziert, alle Züge mussten umgespannt und größtenteils verkürzt werden. Auch die Verbindungen via Frankreich konnten den Verkehr nicht auffangen. Um einen Zug durch das Nachbarland fahren zu dürfen, müssten die Lokführer Französisch sprechen.

Doch so viele sprachkundige Lokführer gibt es in Deutschland gar nicht. Branchenverbände wie die European Rail Freight Association (ERFA) beklagen, durch Rastatt sei das Jahr 2017 „operativ und finanziell zu einem schwarzen Jahr für den europäischen Schienengüterverkehr“ geworden. Die Konkurrenten der Deutschen Bahn beklagen „das Fehlen von Notfallplänen und unrealistische, minderwertige Umleitungsoptionen“, was „enormen Schaden“ verursacht habe.

In Deutschland werden etwa 40 Prozent des Transportaufkommens inzwischen von Wettbewerbern des Staatskonzerns Deutsche Bahn erbracht. Eine Studie des Beratungsunternehmens HTC hat kürzlich den gesamten volkswirtschaftlichen Schaden der Unterbrechung auf gut zwei Milliarden Euro berechnet. Allein 969 Millionen Euro seien den betroffenen Eisenbahnunternehmen an Wertschöpfung verloren gegangen. Laut HTC konnte nur ein Drittel der planmäßig verkehrenden Güterzüge in der Zeit fahren.

Viele Auftraggeber seien auf Lkw und Binnenschiff umgestiegen. Bei der Bahn sind allerdings noch keine Forderungen auf Schadensersatz eingegangen. Das liegt an der offenen Frage, wer für den Tunneleinbruch und demnach für die finanziellen Folgen haftet. Um das zu klären, hat der Staatskonzern als Auftraggeber mit der Arbeitsgemeinschaft Tunnel Rastatt ein Schlichtungsverfahren vereinbart. Wichtigste Partner der Arge sind die Baukonzerne Hochtief und Züblin.

Das Verfahren wurde im September 2017 beschlossen und gestartet, um langwierige Gerichtsprozesse zu vermeiden, heißt es bei der Bahn. Anfang 2019 wird der Schlichterspruch erwartet. Erst dann, so wird berichtet, könnten Forderungen auf Schadensersatz von Eisenbahngesellschaften und anderen Betroffenen geklärt werden.

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