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Bahntechnik Österreichs Westbahn ebnet Chinas Bahnkonzern CRRC den Weg nach Europa

Ein Großeinkauf in China löst ein Gerangel zwischen Österreichs Bundesbahn und Deutscher Bahn um gebrauchte Westbahnzüge aus. Flixtrain hat das Nachsehen.
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Ob sich Flixtrain gegen die Bahnriesen ÖBB und DB durchsetzen könnte, ist fraglich. Quelle: dpa
ÖBB-Wagen

Ob sich Flixtrain gegen die Bahnriesen ÖBB und DB durchsetzen könnte, ist fraglich.

(Foto: dpa)

Berlin, WienDie Österreichische Bundesbahnen (ÖBB) konkurriert mit der Deutschen Bahn um den Kauf von 17 Zügen der österreichischen privaten Westbahn. „Wir haben Interesse an den angebotenen Zügen, weil wir die Möglichkeit sehen, ältere Schnellbahngarnituren rascher ersetzen zu können. Das gilt vor allem für den Pendlerverkehr im Osten des Landes“, sagte ein ÖBB-Sprecher.

Zeitgleich bestätigte Deutsche-Bahn-Vorstand Berthold Huber, dass auch in Berlin Interesse besteht, um die eigene IC-Flotte schneller verjüngen zu können.

Leer ausgehen dürfte dagegen möglicherweise ein dritter Interessent: Flixtrain, eine Schwestergesellschaft des Startups Flixbus aus München, könnte sich möglicherweise auch für einen Ankauf erwärmen. „Wir haben als Flixtrain Interesse angemeldet“, sagte ein Sprecher auf Anfrage. „Wir sehen unterschiedliche attraktive Möglichkeiten zum Betrieb der Fahrzeuge.“

Ob sich Flixtrain gegen die Bahnriesen ÖBB und DB durchsetzen könnte, ist allerdings fraglich. Zumal das Geschäftskonzept des 2012 gegründeten Startups eine Reiseplattform ist, Flixmobility kauft normalerweise weder Busse noch Züge selbst, sondern lässt die Verkehre von Bus- und Eisenbahnunternehmen durchführen. Ausnahmen von diesem Prinzip sind aber nicht auszuschließen.

Auf der Flixtrain-Strecke Berlin-Stuttgart ist beispielsweise der tschechische Bahnbetreiber Leo-Express im Einsatz. Leo hat auch schon Züge bei CRRC bestellt. Der mögliche Auftrag der Westbahn für die Chinesen dürfte jedoch die bislang größte und wichtigste Order aus Europa sein.

DB-Personenverkehrsvorstand Huber hatte sich am Mittwoch auf der Aufsichtsratssitzung der Deutschen Bahn grünes Licht geholt, um bis zu 300 Millionen Euro für die gebrauchten Westbahnzüge bieten zu dürfen. Die Bahn braucht dringend neue Fahrzeuge, um den Kundenansturm bewältigen zu können. Seit Jahren steigt die Zahl der Fahrgäste im Fernverkehr, 2018 waren es 148 Millionen. In diesem Jahr soll die Zahl von 150 Millionen überschritten werden.

Doch die Industrie kann offensichtlich so schnell nicht liefern. Der gefürchtete chinesische Branchenriese CRRC, der mit umgerechnet 18 Milliarden Euro mehr Bahntechnikumsatz macht als Alstom und Siemens zusammen, versucht mit Lieferversprechen ins Geschäft zu kommen. Die private Westbahn will das nutzen.

„Da wir das einzige Bahnunternehmen in Österreich ohne Subventionen mit Steuergeld sind, müssen wir jede Möglichkeit nutzen, die sich bietet, um die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens langfristig abzusichern“, wird Westbahn in der österreichischen Presse zitiert. Die Westbahn habe die Möglichkeit, rasch Fahrzeuge zu bestellen und geliefert zu bekommen. Man plane, mit dem schnellsten Qualitätslieferanten auf dem Weltmarkt ein verbessertes Zugkonzept für Doppelstockzüge rasch umzusetzen.

Deshalb stehen jetzt 17 von Stadler in der Schweiz gebaute Züge zum Verkauf. Nach Angaben des Bahnvorstands würden sich diese Züge gut in die DB-Fahrzeugflotte einfügen, weil sie auf Basis des bereits im Regionalverkehr eingesetzten Typs „Flirt“ von Stadler beruhen. Wo die Fahrzeuge genau eingesetzt werden sollen, sei noch offen. Bisher fahren die komfortablen Züge der Westbahn auf der Strecke Wien-Salzburg.

Offenbar stehen aber die Verkaufsgespräche am Anfang. „Wir stehen noch vor dem Beginn der Gespräche“, sagte ein ÖBB-Sprecher. Die Westbahn ließ eine Anfrage unbeantwortet.

Das Unternehmen befindet sich im Besitz der Rail Holding, an der Strabag-Gründer und Multimilliardär Hans Peter Haselsteiner 49,9 Prozent, die Schweizer Augusta Holding des Unternehmers Erhard Grossnig 32,7 Prozent und die französische Staatsbahn SNCF 17,4 Prozent besitzen.

Die private Westbahn fährt seit Ende 2011 auf der Strecke Wien-Salzburg und macht der ÖBB Konkurrenz. Wirtschaftlich lohnt sich das Unternehmen bisher nicht. Die Zahl der Fahrgäste steigt zwar, aber die Rail Holding machte 2017 einen Verlust von 9,1 Millionen Euro. Neuere Zahlen liegen nicht vor.

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