Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Bahnverkehr global Kein Zug wird kommen

Seite 4 von 5:
Afrika: Ein paar Tage Verspätung mehr oder weniger
In Afrika wird kaum in die Infrastruktur investiert, selbst vorhandene Bahnstrecken kaum gewartet. Züge haben Stunden, wenn nicht Tage Verspätung. Quelle: dpa
Es fährt ein Zug nach Nirgendwo

In Afrika wird kaum in die Infrastruktur investiert, selbst vorhandene Bahnstrecken kaum gewartet. Züge haben Stunden, wenn nicht Tage Verspätung.

(Foto: dpa)

Von einem postkolonialen Charme ist in den Eisenbahnen auf dem afrikanischen Kontinent dieser Tage nur wenig zu sehen. Auf der Tazara (Tanzania Zambia Railways), der fast 2000 Kilometer langen Strecke vom sambischen Kupfergürtel in die tansanische Hauptstadt Daressalam, blicken Reisende beim Betreten ihres Abteils statt dessen auf postsozialistisch anmutende Spanplatten und durchgesessene rote Plastikbezüge. Einladend sieht, zumindest nach europäischen Vorstellungen, ein wenig anders aus.

Die Chinesen haben die Strecke in den siebziger Jahren gebaut, doch modernisiert wurde hier seitdem wenig. Was auch daran liegt, dass der Begriff „Instandhaltung“ in ganz Afrika zu den Fremdwörtern zählt. Entsprechend altersschwach sind die Züge und Waggons, die über oft uralte Gleise schaukeln, aber den Reisenden mit ihrem lauten „Tatam, Tatam“ am Ende doch in den Schlaf wiegen.

Gerade Zwischenaufenthalte werden in Afrika oft zum Geduldsspiel. Immer wieder „verschwinden“ die Lokomotiven beim Rangieren, um Stunden später plötzlich wieder aufzutauchen. Ebenso normal ist es, dass in vielen Zügen oft das Licht ausfällt, was die meisten Reisenden allerdings schon deshalb kaum stört, weil Stromausfälle auf dem Kontinent zum Alltag gehören. Warum nicht auch im Zug. Entsprechend entspannt sind die Fahrgäste: Während in Deutschland bei Verhältnissen wie in Sambia Empörungstiraden auf Schaffner und Personal hinabprasseln würden, sind die Afrikaner über den schwachen Service wenig genervt.

Auch wenn das Zeitempfinden eines ganzen Kontinents schwer zu generalisieren ist, gehört Pünktlichkeit sicher nicht zu den Stärken Afrikas - auch nicht bei den staatlichen Bahngesellschaften. Während Abfahrts- und Ankunftszeiten im europäisch geprägten Südafrika für gewöhnlich eingehalten werden, kommt es nördlich der Kap-Republik fast immer zu oft stunden- oder gar tagelangen Wartezeiten. Müssten Afrikas Bahnunternehmen Reisende für größere Verspätungen entschädigen, wären die meisten längst pleite.

Das Zeitempfinden scheint bei den meisten afrikanischen Eisenbahngesellschaften jedenfalls eher eigenen Gesetzen zu folgen. Nicht Minuten oder Stunden gliedern hier die Zeit, sondern natürliche Rhythmen und Zyklen wie etwa der länger werdende Schatten am Nachmittag oder der Einbruch der Dämmerung, der das Zugpersonal zum Weiterfahren mahnt. Wolfgang Drechsler

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Japan: Land der legendären Pünktlichkeit
Seite 12345Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Bahnverkehr global - Kein Zug wird kommen

2 Kommentare zu "Bahnverkehr global: Kein Zug wird kommen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich bin begeisterter Bahnfahrer. Wer einmal von der deutschen Bundesbahn auf die Schweizer Bahn umgestiegen ist, erlebt einen Kulturschock. Nun, beim ICE sind die Unterschiede noch nicht groß, aber im Reginalzug trennen uns Welten. Auch die Pünktlichkeit ist vorbildlich.
    Wer jetzt behauptet, das läge daran, weil die Schweiz kleiner ist, der sollte in Betracht ziehen, daß die Taktungen und Entfernungen viel kleiner sind. Da können sich Störungen leichter ausbreiten. Die deutsche Bahn kann oft Verspätungen durch schnelleres Fahren ausgleichen.
    Das ist insgesamt auch leicht zu erklären, denn in der Schweiz hat die Bahn eine andere Priorität als in Deutschland. Da muß kein Geld an einen gierigen Aktionär ausgeschüttet werden sondern kann sinnvoll investiert werden. Auch Deutschland könnte wieder mehr Bahnland werden - das Potential dafür ist da. Das würde aber bedeuten, daß das Personal besser bezahlt werden müßte und auch mehr für die Infrastruktur gemacht wird. Und, wenn die Preise im Nahverkehr deutlich sinken würden, würden vielleicht auch mehr Menschen fahren. Und, viele Orte werden Abends überhaupt nicht mehr bedient. Bei mir ist ab ca. 22:00Uhr Schluß.
    Ich würde gern mehr mit der Bahn fahren.

  • für mich sind diese Streiks eine sehr angenehme Sache. Denn das alles fördert den Automobil- und Busverkehr.

    Gerade für die junge Generation sind Busse eine herrliche Sache. Denn es geht einfach nicht günstiger. Geschäftlich ist das Auto auch nicht zu toppen, besonders auf Geschäftsreiser.

    Als Mitarbeiter von einer Auto-Firma sehe ich das alles sehjr positiv.