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Bahnverkehr global Kein Zug wird kommen

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Japan: Land der legendären Pünktlichkeit
Der japanische Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen fährt fast immer pünktlich. Doch die Streckenvernetzung führt zu Verzögerungen. Quelle: dpa
Auf die Sekunde

Der japanische Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen fährt fast immer pünktlich. Doch die Streckenvernetzung führt zu Verzögerungen.

(Foto: dpa)

„Yosh“. Der Schaffner auf dem Bahnhof zeigt mit dem Finger am Zug entlang und bestätigt seine Aktion mit einem Ausruf. Dann gibt er das Signal zur Abfahrt. Und wieder geht ein Shinkansen auf die Sekunde pünktlich vom Gleis ab Richtung Osaka. Bis zu elf Mal die Stunde wiederholt sich das Schauspiel.

Diese Zugtaktung allein ist schon weltrekordverdächtig. Doch noch rekordverdächtiger – und weltweit inzwischen legendär – ist die Pünktlichkeit des ersten Hochgeschwindigkeitszugs der Welt. Im Jahresschnitt beträgt die Verspätung gerade einmal 36 Sekunden pro Zug auf der wichtigsten Fernzugverbindung Japans, besagt die Statistik der Bahnlinie JR Central.

Und auch der Rest der Shinkansen halten sich in der Regel an den Fahrplan: Nach der jüngsten Statistik der Verkehrsministeriums zur Zugsicherheit haben sich die Superschnellzüge im Jahr 2013 nur 91 mal mehr als 30 Minuten verspätet. Traumwerte in Deutschland. Doch zur Ehrenrettung der Deutschen Bahner sei gesagt, dass sie diese Zeiten selbst mit dem besten Management der Welt nicht erreichen könnten. Denn das Geheimnis der Japaner ist nicht allein die Kultur des Perfektionismus, sondern liegt im Netz begründet – oder genauer gesagt in seinem Fehlen.

In Deutschland gibt es ein dichtes Streckennetz. Selbst ICE teilen sich daher in der Regel die Gleise mit langsameren Personen und Güterzügen. Die Reisen sind zudem sehr lang. Es kann daher leicht zu Verspätungen kommen, die sich außerdem noch rasch aufschaukeln. Japan hingegen betont traditionell unabhängige Streckenverbindungen seiner zig privaten Zugfirmen.

Konkret bedeutet das, dass nicht nur Nahverkehrszüge, sondern erst recht der Shinkansen Gleise für sich allein hat. Zudem sind die Strecken recht kurz. Kein Zug verbindet den Norden direkt mit dem Süden. Spätestens in Tokio muss umgestiegen werden. Und weil die Taktzeiten recht kurz sind, wartet auch selten ein Zug, wenn der Zubringer Verspätung hat. Da lässt sich leichter Ordnung im Fahrplan halten.

Den Beweis erbringt der Personennahverkehr in Tokio. Generell kommt es wegen der engen Taktung in der morgendlichen Rushhour auf vielen Linien zu Verspätungen von fünf bis 15 Minuten. Auch die Fahrzeiten verlängern sich. Weil der nächste Zug schon zweieinhalb bis vier Minuten später im Bahnhof einfährt, stört dies nicht groß. Aber insgesamt sind die Züge deutlich unpünktlicher geworden.

In den vergangenen 26 Jahren haben sich die amtlich erfassten Verspätungen von mehr als 30 Minuten verdreifacht. Und ein wichtiger Grund dafür ist die Vernetzung bis dato unabhängiger Strecken – teilweise mit dem aufwändigen Neubau von U-Bahnlinien, die weit entfernte Strecken verbanden. Damit wollte man Passagiere weniger oft umsteigen lassen.

Kunden können nun beispielsweise von der Präfektur Saitama im Norden Tokio ohne Zugwechsel bis Yokohama durchfahren. Doch nichts auf der Welt ist umsonst, auch Bequemlichkeit nicht. Mit der Verlängerung und Vernetzung handeln sich die Passagiere öfter Verspätungen ein. Denn nun kann ein Unfall in Yokohama zu Verzögerungen in Saitama führen. Das gab es vorher nicht. Martin Kölling

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2 Kommentare zu "Bahnverkehr global: Kein Zug wird kommen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich bin begeisterter Bahnfahrer. Wer einmal von der deutschen Bundesbahn auf die Schweizer Bahn umgestiegen ist, erlebt einen Kulturschock. Nun, beim ICE sind die Unterschiede noch nicht groß, aber im Reginalzug trennen uns Welten. Auch die Pünktlichkeit ist vorbildlich.
    Wer jetzt behauptet, das läge daran, weil die Schweiz kleiner ist, der sollte in Betracht ziehen, daß die Taktungen und Entfernungen viel kleiner sind. Da können sich Störungen leichter ausbreiten. Die deutsche Bahn kann oft Verspätungen durch schnelleres Fahren ausgleichen.
    Das ist insgesamt auch leicht zu erklären, denn in der Schweiz hat die Bahn eine andere Priorität als in Deutschland. Da muß kein Geld an einen gierigen Aktionär ausgeschüttet werden sondern kann sinnvoll investiert werden. Auch Deutschland könnte wieder mehr Bahnland werden - das Potential dafür ist da. Das würde aber bedeuten, daß das Personal besser bezahlt werden müßte und auch mehr für die Infrastruktur gemacht wird. Und, wenn die Preise im Nahverkehr deutlich sinken würden, würden vielleicht auch mehr Menschen fahren. Und, viele Orte werden Abends überhaupt nicht mehr bedient. Bei mir ist ab ca. 22:00Uhr Schluß.
    Ich würde gern mehr mit der Bahn fahren.

  • für mich sind diese Streiks eine sehr angenehme Sache. Denn das alles fördert den Automobil- und Busverkehr.

    Gerade für die junge Generation sind Busse eine herrliche Sache. Denn es geht einfach nicht günstiger. Geschäftlich ist das Auto auch nicht zu toppen, besonders auf Geschäftsreiser.

    Als Mitarbeiter von einer Auto-Firma sehe ich das alles sehjr positiv.