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Bahnverkehr global Kein Zug wird kommen

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USA: Der ewige Patient
Das Eisenbahnnetz in den USA, einst Triebfeder der Besiedlung des Westens, liegt inzwischen brach. Quelle: ap
Wenn es mal länger dauert...

Das Eisenbahnnetz in den USA, einst Triebfeder der Besiedlung des Westens, liegt inzwischen brach.

(Foto: ap)

Das Ende der privaten Passagierzugverbindungen von Stadt zu Stadt kam 1983. Die letzte verbliebene Verbindung, der Rio Grande Zephyr, der auf einer malerischen Strecke die Rocky Mountains überwand und Denver in Colorado mit Ogden in Utah verband, stellte seinen Betrieb ein. Wie alle anderen Züge vor ihm musste der defizitäre Luxuszug Unterschlupf bei der staatlichen Auffangorganisation Amtrak suchen und ging im Amtrak California Zephyr auf. Über Jahrzehnte hatten aufkommender Auto- und Flugverkehr die Passagierzahlen der einst mächtigen US-Eisenbahnen dezimiert. Während 1910 Züge noch 95 Prozent des Passagieraufkommens zwischen Städten bewältigten, lag der Anteil 1983 unter zehn Prozent. Um nicht Bankrott zu gehen, konzentrierten sich die Bahnlinien auf den Frachtverkehr. Sie konnten praktisch nicht mehr anders.

Die Amtrak war eigentlich nur als Übergangslösung gedacht, bis der letzte Zug verschrottet war, doch die Passagiereisenbahn weigerte sich, auszusterben. Gleichzeitig blieben Investitionen weitgehend aus, alles Geld wurde in Flughäfen und Interstate-Autobahnen gesteckt. Zwischen 1970, als Amtrak gegründet wurde, und 2010 investierte der Staat 1,3 Billionen Dollar in Autobahnen, 464 Milliarden Dollar in den Luftverkehr und ganze 67 Milliarden in den Passagierverkehr auf der Schiene. Das meiste davon floss in Nahverkehr und Pendlerzüge. Völlig unerwartet für Politiker stieg die Zahl der Zugreisenden bei Amtrak seit 1970 kontinuierlich von knapp sieben Millionen auf heute über 30 Millionen pro Jahr an.

Welche Länder in die Schiene investieren
huGO-BildID: 10110060 A high-speed AVE train, on its first journey between Madrid and Barcelona, arrives in Barcelona, Spain, Wednesday, Feb. 20, 200
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Platz 10 - Spanien - Investitionen ins Schienennetz pro Kopf: 27 Euro

Im Krisenland Spanien leidet auch die Infrastruktur unter der anhaltenden Wirtschaftskrise. Die Investitionen ins Schienennetz fallen 2013 deutlich geringer aus als bei den europäischen Nachbarn.

Quelle: Allianz pro Schiene / Unternehmensberatung SCI Verkehr

(Foto: ap)
French SNCF unionists and striking railway workers gather during a strike against a planned reform of the sector at Marseille rail station
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Platz 9 - Frankreich - Investitionen ins Schienennetz pro Kopf: 47 Euro

Streiks legten zuletzt weite Teile des Schienenverkehrs in Frankreich lahm. Das Netz für TGV und Co. wurde zuletzt nicht sonderlich gut gepflegt. Im Vergleich landen die Franzosen auf den hinteren Plätzen.

(Foto: Reuters)
Präsentation ICE 3
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Platz 8 - Deutschland - Investitionen ins Schienennetz pro Kopf: 54 Euro

Deutschland investiert seit Jahren deutlich mehr Geld in den Straßenbau als in die Schieneninfrastruktur. So droht die Bundesrepublik mit 54 Euro pro Bürger den Anschluss an wirtschaftlich potente Länder in Europa zu verlieren.

(Foto: dpa)
italien
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Platz 7 - Italien - Investitionen ins Schienennetz pro Kopf: 81 Euro

Auch in Italien schlägt die Wirtschaftskrise spürbar auf die staatlichen Schieneninvestitionen durch. Umso überraschender ist es, dass Italien mehr Geld in sein Netz investiert als Deutschland.

(Foto: Imago)
Neuer Eurostar-Bahnhof in London in Betrieb genommen
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Platz 5 - Großbritannien - Investitionen ins Schienennetz pro Kopf: 120 Euro

Das Netz der verschiedenen privaten englischen Eisenbahngesellschaften, auf denen täglich 18.000 Personenzüge und 1000 Güterzüge verkehren, ist rund 16.880 Kilometer lang. Die Netzausbau kann sich sehen lassen: England brachte 120 Euro pro Bürger auf.

(Foto: dpa)
holland
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Platz 4 - Niederlande - Investitionen ins Schienennetz pro Kopf: 139 Euro

Auch in den Niederlanden boomt der Netzausbau: Das deutsche Nachbarland brachte 139 Euro pro Bürger auf. Das Streckennetz wird hier von Pro-Rail betrieben, größtes holländisches Bahnunternehmen ist Nederlandse Spoorwegen N.V.

(Foto: Imago)
schweden
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Platz 3 - Schweden - Investitionen ins Schienennetz pro Kopf: 160 Euro

Schweden brachte im vergangenen Jahr 160 Euro pro Bürger auf. Das schwedische Schienennetz umfasst rund 11.481 Kilometer. Auf den wichtigsten Strecken sprintet der Schnellzug X2000.

(Foto: Imago)

Das Ergebnis: Verglichen mit anderen modernen westlichen Industriestaaten  ist das Eisenbahnsystem vorsintflutlich, die Züge überfüllt und schnaufen mit dieselelektrischen Lokomotiven durch das Land. Die staatlichen Passagierzüge sind nur geduldete Störenfriede auf den Strecken, die den Frachtgesellschaften gehören. Wer von Los Angeles nach San Francisco reist, der erlebt das ganze Debakel: Wo selbst moderne Fernbusse nur sieben Stunden unterwegs sind, braucht der Coast Starlight geschlagene zwölf Stunden. Mehrfach hält der Zug auf offener, eingleisiger Strecke, um Frachtzüge passieren zu lassen. Die haben immer Vorfahrt. Und die Verbindung funktioniert nur auf Umwegen: In Oakland heißt es umsteigen in einen Shuttlebus, weil San Francisco nicht ans Streckennetz angebunden ist. Pläne für einen Hochgeschwindigkeitszug zwischen L.A. und der Hauptstadt des Silicon Valleys liegen seit 2014 auf Eis.

Die Zukunft sieht trübe aus. Ein von US-Präsident Barack Obama 2010 vorgelegter Plan für Hochgeschwindigkeitsbahnen nach dem Vorbild Japans und Chinas ist praktisch mausetot. 2016 wird  das erste neue private Linienzugprojekt seit knapp 100 Jahren in Florida in Angriff genommen und soll die beiden Metropolen Miami, Fort Lauderdale und West Palm Beach verbinden. Es ist damit die Kopie der einzigen operativ erfolgreichen Amtrak-Linie im Nordost-Korridor zwischen den Metropolen Boston und Washington. Als Höchstgeschwindigkeit auf einzelnen Abschnitten werden bis zu 200 km/h erwartet. Doch auch Amtrak kämpft verbissen weiter. Innerhalb des Nordost-Korridors zwischen Trenton, New Jersey und New Brunswick wird für 450 Millionen Dollar eine 37 km lange Erweiterung geplant, auf der bis zu 250 km pro Stunde erreicht werden sollen. Diese Blaupause soll Politikern und Bürgern vor Augen führen, was ein Hochleistungs-Zugsystem schaffen kann. Zum Beispiel die gut 700 Kilometer zwischen Boston und Washington in unter vier Stunden. Axel Postinett

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2 Kommentare zu "Bahnverkehr global: Kein Zug wird kommen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich bin begeisterter Bahnfahrer. Wer einmal von der deutschen Bundesbahn auf die Schweizer Bahn umgestiegen ist, erlebt einen Kulturschock. Nun, beim ICE sind die Unterschiede noch nicht groß, aber im Reginalzug trennen uns Welten. Auch die Pünktlichkeit ist vorbildlich.
    Wer jetzt behauptet, das läge daran, weil die Schweiz kleiner ist, der sollte in Betracht ziehen, daß die Taktungen und Entfernungen viel kleiner sind. Da können sich Störungen leichter ausbreiten. Die deutsche Bahn kann oft Verspätungen durch schnelleres Fahren ausgleichen.
    Das ist insgesamt auch leicht zu erklären, denn in der Schweiz hat die Bahn eine andere Priorität als in Deutschland. Da muß kein Geld an einen gierigen Aktionär ausgeschüttet werden sondern kann sinnvoll investiert werden. Auch Deutschland könnte wieder mehr Bahnland werden - das Potential dafür ist da. Das würde aber bedeuten, daß das Personal besser bezahlt werden müßte und auch mehr für die Infrastruktur gemacht wird. Und, wenn die Preise im Nahverkehr deutlich sinken würden, würden vielleicht auch mehr Menschen fahren. Und, viele Orte werden Abends überhaupt nicht mehr bedient. Bei mir ist ab ca. 22:00Uhr Schluß.
    Ich würde gern mehr mit der Bahn fahren.

  • für mich sind diese Streiks eine sehr angenehme Sache. Denn das alles fördert den Automobil- und Busverkehr.

    Gerade für die junge Generation sind Busse eine herrliche Sache. Denn es geht einfach nicht günstiger. Geschäftlich ist das Auto auch nicht zu toppen, besonders auf Geschäftsreiser.

    Als Mitarbeiter von einer Auto-Firma sehe ich das alles sehjr positiv.