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Ball-Ausstatter Mittelständler Derbystar erobert die Bundesliga

Für die Geschäftsführer von Derbystar ist es ein unglaublicher Erfolg: Mit Beginn der neuen Saison löst der Mittelständler Adidas als Lieferant des Bundesliga-Balls ab.
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Bundesliga-Ausstatter: Derbystar-Geschäftsführer erobern die Liga Quelle:  Derbystar
Joachim Böhmer und Andreas Filipovic

Für die Derby-Star-Geschäftsführer Joachim Böhmer und Andreas Filipovic geht „ein Traum in Erfüllung.“

(Foto:  Derbystar)

MünchenBis das Runde ins Eckige fand, musste Joachim Böhmer, 56, mehr als drei Jahrzehnte warten. Seit 1984 steht der Manager bereits in Diensten des rheinischen Ballherstellers Derbystar. Doch erst dieses Jahr gelang ihm der Durchbruch: Mit Beginn der neuen Saison stellt der Mittelständler aus Goch den offiziellen Spielball der Fußball-Bundesliga. „Ein Traum geht in Erfüllung“, schwärmt Böhmer.

In der Tat, es ist kaum zu glauben. Da wird eine kleine Firma mit 14 Millionen Euro Umsatz Lieferant der Deutschen Fußball Liga (DFL) und löst den Weltkonzern Adidas ab. Böhmer und sein Co-Geschäftsführer Andreas Filipovic, 46, haben eine einfache Erklärung, warum sie sich in der Ausschreibung durchgesetzt haben: „Bei uns dreht sich alles um den Ball.“

Natürlich ist das nicht die ganze Wahrheit. Vielmehr ist es so, dass Adidas einfach kein Interesse mehr hatte. Die Verantwortlichen in der Fußballabteilung des Dax-Konzerns zucken nur mit den Schultern, wenn sie auf den Verlust der Bundesliga-Rechte angesprochen werden. Zu dem konkreten Fall mag sich niemand äußern. Doch klar ist: Am Geld lag es nicht.

Die Franken könnten die Lizenzgebühren an die DFL aus der Portokasse bezahlen. Vielmehr passt es zur Strategie der Marke mit den drei Streifen, sich auf einige wenige, ausgewählte Sponsoring-Engagements zu konzentrieren. In der Champions League, dem wichtigsten europäischen Klub-Wettbewerb, kicken sie beispielsweise mit Adidas-Bällen, bei Welt- und Europameisterschaften ebenfalls. Und so kommt es auch, dass Adidas inzwischen nur noch einen einzigen Bundesliga-Klub einkleidet, den Rekordmeister FC Bayern.

Unbestritten ist hingegen: Derbystar ist ein ausgesprochener Ballspezialist, und das seit genau 50 Jahren. Einen Seitenhieb auf Adidas, Nike oder Puma kann sich Böhmer daher nicht verkneifen: „Für uns sind Bälle keine Marketingprodukte.“ Die Sportkonzerne verdienen ihr Geld mit Shirts, Shorts und Schuhen. Bälle fallen in die Kategorie „Accessoires“ und sind nur ein Zubrot.

Böhmer und Filipovic sind deshalb auch fest überzeugt, dass ihre Bälle die besten sind. Sie schwören auf ihre eigene Konstruktion, jeder Ball besteht aus genau 32 Teilen, 20 Sechsecke und zwölf Fünfecke. Das verleihe dem Ball „herausragende aerodynamische Eigenschaften“. Demgegenüber produzierte Adidas den offiziellen Ball der vergangenen WM, den Telsta, aus nur sechs Einzelteilen.

Derbystar gehört mehrheitlich dem dänischen Ballspezialisten Select Sport. Der wiederum befindet sich in Besitz der Nachfahren von Gründer Eigil Nielsen. Der ehemalige Torwart der dänischen Fußball-Nationalmannschaft hatte sich 1947 selbstständig gemacht.

Damals stand der Sportler kurz vor dem Höhepunkt seiner Karriere, er gewann 1948 mit seinem Team die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in London. Bereits 1951 schloss der Unternehmer seinen ersten Vertrag als Ball-Lieferant für die dänischen Länderspiele.

Minderheitseigner ist Anwar Khawaja Industries, aus dessen Fabriken die Bälle von Derbystar und Select stammen. Drei Millionen Bälle fertigt der Familienbetrieb aus Pakistan mit seinen mehr als 7.000 Mitarbeitern jedes Jahr für die Europäer.

Das Geschäftsführer-Duo ist mit Leib und Seele bei der Sache. Böhmer ist selbst noch Trainer, Filipovics stand früher als Coach am Seitenrand, sein Sohn kickt in Kaiserslautern. Das hat in der DFL-Zentrale Eindruck gemacht. „Die sind richtig cool“, findet DFL-Chef Christian Seifert. Beobachter loben den unkomplizierten Umgang der Manager, ihre verbindliche und zupackende Art.

Den beiden Chefs fehlen die großen Marketingetats, daher müssen sie neue, ungewöhnliche Wege gehen. Als wichtigste Botschafter ihrer Marke hoffen sie auf die Unterstützung derer, die jeden Tag mit den Bällen zu tun haben: Den Sommer über hatten sie die Zeugwarte der Ersten und Zweiten Liga zu Wochenend-Workshops eingeladen.

Zudem hilft ihnen die öffentliche Aufmerksamkeit, für die der neue Vertrag sorgt. „Da sind zahlreiche Türen aufgegangen, die uns vorher verschlossen blieben“, meint Filipovic. Händler, Vereine, Lieferanten – das Interesse an Derbystar sei massiv gestiegen. In diesen Tagen sind die Bundesliga-Bälle der Firma in den meisten deutschen Sportgeschäft prominent platziert. Der in Weiß, Rot, Schwarz und Grau gehaltene Original-Bundesliga-Ball kostet 140 Euro. Für die Bolzplätze haben Böhmer und Filipovic aber auch günstigere Varianten im Angebot.

Vier Jahre haben die zwei Geschäftsführer jetzt Zeit, sich in Deutschland einen Namen zu machen. So lange läuft der Vertrag mit der DFL. In den vergangenen acht Jahren habe sich der Umsatz verdoppelt, sagt Filipovic. Bis sie auf 28 Millionen kommen, dürfte es nicht so lange dauern.

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