BAT und Reynolds Die Justiz hat „Big Tobacco“ nicht kleingekriegt

Der Tabakkonzern BAT kehrt mit einem 50 Milliarden Dollar schweren Deal zurück in die USA. Das zeigt: Selbst die mächtige US-Justiz hat die Tabak-Industrie nicht stilllegen können. Ein Kommentar.
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Mit dem geplanten Zusammengehen von British American Tobacco und Reynolds American geht die Neuordnung in der Branche weiter. Quelle: AP
Tabakgeschäft in Pittsburgh

Mit dem geplanten Zusammengehen von British American Tobacco und Reynolds American geht die Neuordnung in der Branche weiter.

(Foto: AP)

HamburgDie Rückkehr auf den US-Markt ist dem Tabakkonzern British American Tobacco (BAT) stolze 49,4 Milliarden Dollar wert. Der britische Hersteller von Marken wie „Lucky Strike“ überzeugte mit einer aufgestockten Kaufofferte den amerikanischen „Camel“-Produzenten Reynolds American und verkündete am Dienstag den erfolgreichen Deal. Vor zwölf Jahren hatte BAT seinen US-Teil abgespalten, um vor milliardenschweren Klagedrohungen von Krebspatienten sicher zu sein. Jetzt kauft er ihn quasi zurück und vollzieht so eine Kehrtwende – so wie andere Branchenspieler.

Das ist ein deutliches Anzeichen, dass sich der Traum von Gesundheitsschützern nicht erfüllt hat. Die US-Justiz mit ihren Sammelklagen hat die Gewinnmaschine „Big Tobacco“ nicht stilllegen können. Das zeigen die inzwischen gefällten Urteile.

Dabei fordert der Rauch nach Angaben der EU-Kommission allein in Europa jährlich 700.000 Todesopfer. Entsprechend hohe Entschädigungen wird es aber auch in Europa nicht geben. Und mit den Werbe- und Rauchverboten hat sich die Branche inzwischen arrangiert.

Für die Aktionäre sind das gute Nachrichten: Die Dividenden steigen zuverlässig. Hoffnung darauf, dass ein Investment in die Nikotinkonzerne doch noch ethisch unbedenklich werden könnte, bieten E-Zigaretten. Sie sind offenbar deutlich risikoärmer.

Wofür die Europäer am meisten ausgeben
Platz 10: Hosen (Damen)
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Mode geht immer: Im Jahr 2016 liegt der Umsatz mit Hosen und Jeans aus dem Bereich Damenbekleidung in Europa bei insgesamt 30,7 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Herren kommen nur auf einen Umsatz von 26,6 Milliarden Euro.

Quelle: statista.com. Die Rangfolge beruht auf den Daten des Statista Consumer Market Outlook und zeigt die Anteile der wichtigsten Produktkategorien am gesamteuropäischen Inlandsangebot von Fast Moving Consumer Goods und Bekleidung.

Platz 9: T-Shirts und Unterhemden
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Laut der Studie lassen sich die Männer und Frauen aus Europa T-Shirts und Unterhemden jährlich um die 32,4 Milliarden Euro kosten. Der Wachstum in diesem Markt fällt allerdings zurück.

Platz 8: Brot
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Deutsches Brot ist weltweit beliebt, seit 2011 befindet es sich auf dem Weg, zum Weltkulturerbe der Unesco zu werden. Europaweit wird in 2016 Brot in einem Gesamtwert von 34,6 Milliarden Euro gekauft.

Platz 7: Tafelwein
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Laut Statista wurden im vergangenen Jahr allein in Italien rund 20,5 Millionen Hektoliter Wein getrunken. In Europa wird in diesem Jahr Wein im Gesamtwert von 38,9 Milliarden Euro gekauft. Außerdem auf Platz sieben: Lederschuhe.

Platz 6: Käse
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Käse oder Wurst? Die Europäer mögen lieber das Milcherzeugnis. 39,2 Milliarden Euro geben sie dafür im Jahr 2016 aus, für Wurst nur 31 Milliarden.

Platz 5: Aufschnitt, Braten und Fleischwaren
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Dafür schlagen sie beim Fleisch zu: 46,7 Milliarden Euro beträgt der Umsatz in diesem Bereich (ohne Wurstwaren, Schinken und Speck).

Platz 4: salzige und süße Kuchen und Gebäcke
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Nach herzhaft kommt süß – oder in diesem Fall davor, denn Kuchen und Gebäck schaffen es auf Platz 4. 48,8 Milliarden Euro geben die Europäer für die Leckereien aus.

Andererseits können sie den Tabakkonzernen auch als Vehikel dienen, neue Kunden zu gewinnen beziehungsweise gesundheitsbewusste Raucher nicht ganz zu verlieren. Das wäre schlecht: Ganz ohne gesundheitliche Folgen bleibt auch das elektronische Dampfen nicht. Da das Schadenersatz-Schwert stumpf ist, muss der gesetzliche Verbraucherschutz hier wachsam bleiben.

In gewissem Maß ist er aber sogar auf Tabakproduzenten angewiesen, die möglichst risikoarme Suchtmittel legal in den Verkehr bringen. Ob sich damit aber gleich derart hohe Renditen erzielen lassen müssen wie bislang, steht auf einem anderen Blatt.

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