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Baumärkte Obi und Hagebau verärgern Lieferanten mit Corona-Schreiben

Um die Krise zu überbrücken, bezahlt Obi seine Geschäftspartner später. Auch Hagebau fordert Flexibilität. Lieferanten fürchten nun um ihre Liquidität.
06.04.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Obi und Hagebau verärgern Lieferanten mit Corona-Maßnahmen Quelle: dpa
Obi in Köln

Die überwiegende Anzahl der europaweit 669 Obi-Märkte ist laut einer Sprecherin geschlossen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Betreff klingt nüchtern, der Ton des Managements dramatisch: „Vorabinformation“ steht über dem dreiseitigen Brief, den der Baumarkt Obi vor wenigen Tagen an seine Lieferanten verschickte und der bei Geschäftspartnern der Tengelmann-Tochter für Verärgerung sorgt.

Von erheblichen Umsatzrückgängen ist darin die Rede. Von „potenziell existenziell bedrohenden Folgen“. Und von einer „Veränderung in den Zahlungsabläufen der Obi-Organisation“, für die das Unternehmen um Verständnis bittet.

Obi werde „das Zahlungsziel gegenüber den Vertragslieferanten um jeweils zusätzliche 30 Tage verlängern“, heißt es in dem Schreiben. Der Baumarkt verschafft sich also den Spielraum, die Rechnungen seiner Geschäftspartner einen Monat später zu begleichen.

Der Marktführer hoffe, so seine Liquidität erhalten zu können. Obi gehe davon aus, dass die Geschäftspartner den Baumarkt bei seinen „Maßnahmen unterstützen, um die Auswirkungen der Krise gemeinsam zu überbrücken“.

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    Auch Konkurrent Hagebau würde das Zahlungsziel gern ausweiten. Anders als Obi bittet das Unternehmen mit Sitz in Soltau allerdings um Zustimmung. Hagebau wolle die Geschäftsbeziehungen „in schwierigen Zeiten und darüber hinaus weiter festigen“, heißt es in einem Schreiben.

    Geschäftspartner fühlen sich überrumpelt

    Der Baumarkt sei sich zwar bewusst, dass auch die Lieferanten mit der Coronakrise „beschäftigt sind“. Ihre Zustimmung würde aber gerade deshalb als „ein starkes Signal zum Ausbau unserer Partnerschaft“ wahrgenommen.

    Langjährige Geschäftspartner fühlen sich von Obi überrumpelt, von Hagebau unter Druck gesetzt. Einige werfen den Baumärkten vor, ihre Probleme unter dem Deckmantel der Solidarität an Lieferanten weiterzureichen. Der Chef eines Mittelständlers mit 50 Mitarbeitern etwa fühlt sich von Obi „an die Wand gedrückt“.

    Er möchte anonym bleiben – aus Angst vor weiteren Nachteilen. Sein Betrieb habe es schon schwer genug, müsse genauso wie Obi Gehälter, Rohstoffe und Miete zahlen: „Glauben die etwa, dass wir nicht unter Liquiditätsproblemen leiden?“

    Ein Hagebau-Sprecher teilte auf Anfrage mit, dass sich der Baumarkt als Mittler zwischen Lieferanten und Kunden verstehe: Handwerker seien besorgt, dass Bauherren sie nur verspätet bezahlen, und würden deshalb bei Hagebau nach Sonderlösungen für Zahlungsbedingungen fragen. Es gehe nun darum, „eine für alle Seiten sinnvolle und tragbare Lösung“ zu finden.

    Das Unternehmen bedaure, dass die eigene Bitte bei den Lieferanten für Unverständnis gesorgt hat. Hagebau bleibe aber bei seiner Position, „dass wir uns jetzt Flexibilität und Verantwortungsbewusstsein von allen Marktteilnehmern wünschen“.

    Obi teilte auf Anfrage mit, dass die überwiegende Anzahl seiner europaweit 669 Märkte geschlossen sei. Das Unternehmen habe sich auf eine langanhaltende Krise eingestellt und deshalb „auch zugunsten der mittelständischen Franchisenehmer“ präventive Maßnahmen ergriffen.

    Die Ausweitung des Zahlungsziels soll befristet für jeweils vier Zahlungsläufe gelten und Lieferanten in Deutschland, Österreich, Tschechien, Slowenien und der Slowakei betreffen. An der „fairen und respektvollen Zusammenarbeit“ ändere das nichts.

    Eine Sprecherin betonte, dass Obi die Maßnahme nicht aufgrund von Liquiditätsengpässen ergriffen habe, sondern weil man „nicht unvorbereitet sein“ wollte. Der Baumarkt sei weiterhin in der Lage, „sämtliche Verpflichtungen gegenüber seinen Gläubigern zu erfüllen“. So habe Obi im April für alle Standorte in Deutschland seine Mietverpflichtungen erfüllt, obwohl der Betrieb in einigen Ländern nur noch eingeschränkt möglich sei.

    Verbände fordern fairen Umgang miteinander
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