Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Beatrice Guillaume-Grabisch Nestlés neue Vorständin bekommt Schlüsselrolle bei Konzernumbau

Der Nahrungsmittelriese Nestlé setzt große Hoffnungen auf seine neue Vorständin für Personal und IT. Sie soll den Schweizer Konzern vor allem schneller machen.
Kommentieren
Die Französin verbrachte den größten Teil ihres Berufslebens in Deutschland und der Schweiz. Quelle: Nestlé
Béatrice Guillaume-Grabisch

Die Französin verbrachte den größten Teil ihres Berufslebens in Deutschland und der Schweiz.

(Foto: Nestlé)

DüsseldorfNoch hat Beatrice Guillaume-Grabisch in ihrem neuen Büro nicht alles ausgepackt: In einer Ecke im ersten Stock der Nestlé-Zentrale am Genfer See steht die letzte Umzugskiste. Anderes war dringlicher: „Das Geschäft wartet nicht“, sagt Guillaume-Grabisch.

Der Nahrungsmittelriese aus der Schweiz will schneller werden und mit neuen Produkten auf veränderte Kundengewohnheiten reagieren. Der 54-Jährigen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu: Seit Januar verantwortet sie das Personalressort und die IT. „Wir unterstützen die Transformation des Konzerns und verändern uns dabei selbst“, sagt die Französin, die fast ihre gesamte Berufskarriere in Deutschland und der Schweiz verbrachte.

Für Nestlé mit seinen mehr als 300.000 Mitarbeitern steht viel auf dem Spiel. Mit Marken wie Maggi, KitKat oder Nespresso machte der Konzern zwar im vergangenen Jahr noch 91 Milliarden Franken Umsatz, doch er wächst langsamer als früher. Die Wünsche der Kunden verändern sich, viele wollen frische Lebensmittel statt Fertigware. Zugleich drängt der aktivistische Investor Dan Loeb zu mehr Eile, fordert gar den Verkauf von Geschäftsbereichen.

Konzernchef Ulf Mark Schneider hält mit einem Umbauprogramm dagegen, will das Geschäft auf die Wachstumsfelder Kaffee, Tierfutter, Wasser und Säuglingsnahrung ausrichten. Zugleich geht es ihm darum, Nestlé zu digitalisieren und zu beschleunigen.

Während Neuentwicklungen aus dem Lausanner Forschungszentrum früher Jahre bis zur Marktreife brauchten, sollen sie heute innerhalb von Monaten im Regal stehen – frisch, gesund, Instagram-tauglich. Was Guillaume-Grabisch bei ihrer Aufgabe hilft: Sie kennt die Branche seit Jahren. Bei ihrer Berufung lobte Konzernchef Schneider ihre „ausgewiesenen Führungsqualitäten“.

Dabei war eine Karriere als Managerin nicht gerade ihr Jugendtraum. Nach der Schule hätte sie fast Archäologie studiert, ein Fach, das sie noch heute fasziniert: „Klar, ich hätte Troja gerne wiederentdeckt“, scherzt sie. „Aber vor allem muss man die Wurzeln unserer Zivilisation kennen, wenn man sie wirklich verstehen will.“ Die Tochter eines Managers entschied sich dann aber doch für einen Wirtschaftsstudiengang an der Pariser Elitehochschule Essec, an der sie mit 21 Jahren graduierte.

Ihr Lebenslauf liest sich wie eine Marken-Enzyklopädie für Supermärkte. Sie arbeitete für Colgate-Palmolive in Paris, Beiersdorf in Hamburg, L’Oreal in Genf oder Coca-Cola in Berlin. 2013 kam sie zu Nestlé, wurde zwei Jahre später Deutschlandchefin.

In dieser Rolle schloss sie zwei Werke, baute an zwei weiteren Kapazitäten ab. Hunderte Jobs fielen weg. Entscheidungen, die ihr schwerfielen: „Die Strategie ist die eine Hälfte meines Jobs, die andere sind die Menschen.“ Es gehe um die Fragen, „warum wir handeln müssen, was auf sie zukommt – und wie wir uns um sie kümmern“.

Kenner bescheinigen der Managerin einen fairen Umgang mit der Belegschaft. „Sie hat eine außerordentlich charmante Art, aber sie weiß auch sehr genau, was sie will“, sagt ein langjähriger Vertrauter. Der Aufstieg in die Führungsriege des Konzerns sei ein großer Schritt. „In Vevey sind viele Alphamännchen unterwegs, und mit dem Personalressort ist es nicht immer leicht, sich zu behaupten. Aber sie wird das schaffen.“

Im zwölfköpfigen Vorstand von Nestlé ist Guillaume-Grabisch bislang die einzige Frau, und von den 200 obersten Führungskräften sind derzeit nur 20 Prozent weiblich. Mit einem Aktionsplan will der Konzern die Quote in den kommenden drei Jahren auf 30 Prozent steigern. Für die Konzernleitung selbst hat sich Nestlé aber keine feste Quote verordnet.

Frauen sind auch selbst gefordert. Sie brauchen mehr Selbstvertrauen und müssen ihre Wünsche klarer ausdrücken. Beatrice Guillaume-Grabisch, Personalvorständin von Nestlé

„Wir wollen ein Umfeld schaffen, in dem Frauen ihre Kompetenz zeigen können“, sagt die Französin. Doch das reiche nicht: „Frauen sind auch selbst gefordert. Sie brauchen mehr Selbstvertrauen und müssen ihre Wünsche klarer ausdrücken.“

Networking schadet nicht: Guillaume-Grabisch gehört dem Merton-Kreis an, der nach der gleichnamigen Villa in Frankfurt benannt wurde. In dem Zirkel haben sich Managerinnen wie Douglas-Chefin Tina Müller und die Deutsche-Bank-Vorständin Sylvie Matherat zusammengeschlossen. „Während sich Frauen im privaten Umfeld häufig super vernetzen, vergessen sie oft, es auf der beruflichen Seite genauso zu machen“, sagt Guillaume-Grabisch.

Dann muss sie weiter – das nächste Meeting ruft. Die letzte Kiste aus Frankfurt muss noch etwas warten.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Beatrice Guillaume-Grabisch - Nestlés neue Vorständin bekommt Schlüsselrolle bei Konzernumbau

0 Kommentare zu "Beatrice Guillaume-Grabisch: Nestlés neue Vorständin bekommt Schlüsselrolle bei Konzernumbau"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.