BER-Chef 100 Tage im Amt Karsten Mühlenfeld ist der Anti-Mehdorn

Chef Nummer drei in drei Jahren: Karsten Mühlenfeld hat in 100 Tagen am Hauptstadtflughafen dafür gesorgt, dass seine Leute in Ruhe arbeiten können. Doch legt er für das Projekt auch die Hand ins Feuer?
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Karsten Mühlenfeld macht öffentlich wenig Wirbel. Quelle: dpa
Chef des BER

Karsten Mühlenfeld macht öffentlich wenig Wirbel.

(Foto: dpa)

BerlinAls er sein Chefbüro bezieht, steht alles schon fest: Wer was baut, wie es zu bauen ist und wann es fertig zu sein hat. Es gibt Chefs mit mehr Bewegungsfreiheit als Karsten Mühlenfeld, der seit 100 Tagen (Stichtag 23. Juni) auf einem der gefürchtetsten Managerposten der Republik sitzt: dem Vorsitz der Geschäftsführung der Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft. So kann man es sehen.

Man kann es aber auch anders sehen: Mühlenfelds eigentliche Aufgabe ist eine andere, und er füllt sie in den ersten Monaten ganz anders aus als sein umtriebiger Vorgänger Hartmut Mehdorn. Sachlich und auf Ausgleich bedacht, aber auch ohne große neue Pläne und Visionen.

„Nicht dass da Verzögerungen entstehen, weil umgeplant wird“, warnt Mühlenfeld. „Wir müssen jetzt erstmal fertigbauen.“ Damit rückt er Überlegungen Mehdorns auf der Tagesordnung nach hinten, den Flughafen frühzeitig zu erweitern und ans unfertige Terminal anzubauen.

Frühestens im Sommer 2016 - wenn das bisher Geplante fertig gebaut ist und getestet wird - soll ein zusätzliches Terminal geplant werden, ein einfacher Behelfsbau, mehr erstmal nicht. Denn dass der Berliner Luftverkehr wächst und der drittgrößte deutsche Flughafen inzwischen zu klein geplant ist, hat sich mit dem Wechsel von Mehdorn zu Mühlenfeld nicht geändert.

Bei seinen ersten Auftritten wirkt der Maschinenbauer mit dem Bürstenschnitt mitunter etwas aufgekratzt. Seine Sätze, schnell dahinberlinert, kommen leichtfüßig rüber, auch mal flapsig. Das überdeckt, dass der 52-Jährige die Herausforderungen auf der berüchtigten Baustelle sehr nüchtern betrachtet und gedankenschnell argumentiert.

Mühlenfeld überlegt sich gut, was er sagt, hält den Flughafen damit aus den Schlagzeilen. Anders als der streitlustige Mehdorn, der immer wieder mit den Kopf durch die Wand wollte - bis der Bund Headhunter beauftragte, einen Nachfolger zu finden.
„Guter Start auf schwierigem Terrain“, quittiert der amtierende Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider. „Es gibt nicht viel zu meckern“, gibt auch Martin Delius (Piratenpartei) zu, der Vorsitzende des Berliner Flughafen-Untersuchungsausschusses. Er hält dem 52-Jährigen zugute, dass er Ruhe in das Projekt brachte und den Vorgaben des Aufsichtsrats folgt - was in normalen Unternehmen eine Selbstverständlichkeit ist.

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