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Bernard Arnault LVMH gegen Tiffany: Schicksalswochen für den reichsten Mann Frankreichs

Jahrzehntelang ging es aufwärts für den 71-Jährigen. Damit ist es nach einem Gewinneinbruch und der Schlammschlacht um Tiffany vorerst vorbei.
11.09.2020 - 10:36 Uhr Kommentieren
Der LVMH-Chef steht nach dem gescheiterten Deal in der Kritik. Quelle: AP
Bernard Arnault

Der LVMH-Chef steht nach dem gescheiterten Deal in der Kritik.

(Foto: AP)

Paris Bernard Arnault ist der reichste Mann Frankreichs, er wird auf der „Forbes“-Liste 2020 auf Platz drei der vermögendsten Personen geführt. Er hat fünf Kinder von zwei Frauen, bis auf den jüngsten, Jean, sind alle schon im Unternehmen aktiv. Die älteste, Delphine, hat es schon zur Vizechefin von Louis Vuitton gebracht, der kostbarsten Marke aus dem Reich des Vaters.

Seit Jahrzehnten kennt der Mann nichts anderes als Wachstum. Doch nun, wegen der Covid-Krise und der gescheiterten Tiffany-Übernahme, knirscht es mächtig. In den nächsten Monaten entscheidet sich, ob Arnault den Zenit seines Erfolgs überschritten hat oder ob er ein weiteres Kapitel des Aufstiegs schreiben kann.  

Mit 71 Jahren verfügt der aus Nordfrankreich stammende große und schlanke Mann über mehr als 60 Milliarden Euro, eine Summe, die man sich nicht mehr veranschaulichen kann. Den größten Teil davon stellt der Anteil von 47,3 Prozent an LVMH. Er hat eine Superjacht, die Symphony mit mehr als 100 Meter Länge und schenkte sich 2014 ein von Frank Gehry gebautes Museum mitten im Bois de Boulogne von Paris, in dem sonst kein Quadratmeter bebaut werden darf.

Dennoch wirkt es so, als sei die größte Freude des in Roubaix Geborenen, immer mehr Geld anzuhäufen, sein Luxusimperium stets zu vergrößern. Damit ist er in der Vergangenheit so erfolgreich gewesen, dass er schon vor Jahren auf der Bilanzpressekonferenz sagte: „Leider sind mittlerweile kaum noch Luxushäuser vorhanden, die wir erwerben könnten.“

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    Die Vorlage der Jahreszahlen ist eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen Arnault öffentlich auftritt. Wenn er den großen Konferenzsaal am Sitz in der Avenue Montaigne betritt, dessen Eingang mit weißem Marmor ausgekleidet ist, erstarren seine Mitarbeiter vor Ehrfurcht.

    Nach einer halben bis drei viertel Stunde langweilen Arnault die Fragen der Analysten und Journalisten. Rasch zieht er sich samt Gefolge zurück. Smalltalk bei Häppchen wie mit anderen Spitzenmanagern darf man bei Arnault nicht erwarten.   

    Ruf der Ruchlosigkeit

    Seine Feinde schreiben seinen Erfolg der Unterstützung durch die Regierung in den Anfangsjahren und einer gewissen Ruchlosigkeit zu. So hat er die Mehrheit des LVMH-Konglomerats gegen den Willen der Gründerfamilien erworben. Doch selbst seine Kritiker müssen einräumen, dass er nicht nur ein gewiefter Stratege ist, sondern auch ein Händchen für die Markenführung hat. Was bei denen geschieht, verfolgt er bis ins Detail: Sohn Alexandre, Geschäftsführer von Rimowa, erzählte einmal, dass er schon als Kind am Wochenende stets mit dem Vater mindestens ein Geschäft einer LVMH-Marke aufsuchen musste, um alles zu kontrollieren.  

    Wie andere Leute Briefmarken hat Arnault Luxusmarken gesammelt. Hersteller von teuren Lederwaren und Mode wie Berluti, Christian Dior, Louis Vuitton, Loro Piana, Givenchy tragen auch heute noch den größten Teil zu Umsatz und Gewinn bei. Wein, Spirituosen, Uhren und Schmuck sowie Kosmetika sind weniger rentabel. Eine Zeitungsgruppe mit dem Wirtschaftsblatt „Les Echos“ und den Tageszeitungen „Le Parisien-Aujourd’hui en France“ – alles Qualitätstitel – rundet Arnaults Macht ab.

    Die hat auch unter Staatspräsident Emmanuel Macron nicht gelitten, im Gegenteil. Macron weiß, was er an LVMH hat: Das Unternehmen verkörpert die „art de vivre à la Française“ und führt einen der wenigen Wirtschaftssektoren, in denen Frankreich einen hohen Exportüberschuss erzielt.

    Arnault sagt Nettigkeiten über den Präsidenten. „Seit er im Amt ist, hat sich das Ansehen Frankreichs in der Welt verbessert“, schmeichelt der Mann, der als enger Freund des Vor-Vorgängers Nicolas Sarkozy gilt. Auch sonst achtet Arnault auf gute Beziehungen: Brigitte Macron trägt Louis Vuitton, angeblich werden ihr die Kleider kostenlos zur Verfügung gestellt. Ismaël Emelien, einer der engsten Macron-Vertrauten, der einen großen Beitrag zu dessen Wahlsieg geleistet hat, musste 2019 den Elysée verlassen, weil er wohl in ein Gerichtsverfahren verwickelt wird. Wieder war Arnault zur Stelle: Er heuerte Emelien als LVMH-Berater für Nachhaltigkeit an.  

    Die Expansion des Weltmarktführers, den Arnault aufgebaut hat, kennt fast keine Rückschläge. Die abgesagte Akquisition von Tiffany ist allerdings nicht die erste Scharte, wenn auch vielleicht die folgenschwerste. 2013 scheiterte der Versuch von Arnault, den hochrentablen Konkurrenten Hermès zu erwerben.

    Die Familie hatte nicht gemerkt, dass der Fuchs sich über lange Zeit hin angeschlichen und mit Derivaten eine wichtige Position aufgebaut hatte. Als sie aufwachte, war es fast zu spät: Arnault war praktisch am Ziel. Doch die Finanzmarktaufsicht AFM zwang Arnault nach langer Auseinandersetzung, alle erworbenen Anteile abzustoßen. Eine Niederlage für den Sieggewohnten – aber eine, die mit einem milliardenschweren Buchgewinn endete.

    Alle sind irgendwie von LVMH abhängig

    Die Schlammschlacht mit Tiffany vor den Gerichten, die mit Klage und Gegenklage in dieser Woche begonnen hat, könnte anders ausgehen. Auf eine halbe Milliarde Euro wird die „break-up-fee“ beziffert, die Summe, die derjenige zahlen muss, der aus dem Vertrag aussteigt. Hinzu kommen Kosten für die Rückabwicklung von Kreditverträgen und Devisenabsicherung. Das LVMH-Argument, die größte Übernahme in der eigenen Geschichte, ein fast 14 Milliarden Euro schweres Geschäft, müsse wegen einer Aufforderung des Außenministers abgeblasen werden, wirkt nicht überzeugend. Doch in Paris traut sich niemand, diese Version zu kritisieren: Politiker, PR-Berater, Anwälte, alle sind sie irgendwie von LVMH abhängig – oder könnten es werden.  

    Arnaults Vorgehen in diesem Fall wirft viele Fragen auf. Niemand konnte die Corona-Pandemie voraussehen. Doch teuer war die Akquisition auch vorher, und viele Experten wunderten sich, warum Arnault ausgerechnet für eine so verstaubte Marke ein Vermögen ausgibt. Ist ihm wegen der Folgen von Covid-19 der Schreck in die Glieder gefahren?

    Im ersten Halbjahr hat LVMH viel stärker darunter gelitten als der kleinere Rivale Hermès. Nur noch ein Siebtel des Vorjahresgewinns ist übrig geblieben. Bei Hermès ist es mehr als die Hälfte. Brutal ist die scheinbar unendliche Verbesserung der Resultate abgerissen.

    Das ist kein guter Moment, um Milliarden an Schulden aufzunehmen. Sogar sein Freund, US-Präsident Donald Trump, scheint Arnault im Stich zu lassen und bereitet neue Strafzölle gegen französische Luxusprodukte vor, die LVMH hart treffen dürften.

    Doch die Börse glaubt noch an Arnault, nach einem tiefen Einbruch steht die Aktie nicht mehr weit von ihrem Vorkrisenniveau entfernt. Arnault wäre nicht Arnault, hätte er in Sachen Tiffany schon alle Karten ausgespielt. Wegen Unfähigkeit verklagt er das Management – will er doch nur einen niedrigeren Kaufpreis herausschlagen?

    Mehr: Die geplante LVMH-Fusion mit Tiffany wird zur Schmierenkomödie, kommentiert Thomas Hanke.

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