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Berufsbekleidung Der Leasing-Anzug erobert das Büro

Weder Waschen noch Bügeln: Die Textilbranche wächst auch, weil in Kanzleien, Banken und Behörden immer mehr Mitarbeiter ihren feinen Zwirn leihen, statt zu kaufen. Dieser Service ist allerdings nicht ganz günstig.
28.08.2017 - 10:01 Uhr 1 Kommentar
Das Geschäft mit geliehener Dienstbekleidung befindet sich im Aufwind. Quelle: Imago
Anzug per Leasing

Das Geschäft mit geliehener Dienstbekleidung befindet sich im Aufwind.

(Foto: Imago)

Düsseldorf Mit dem Anzug von Rechtsanwalt Tom Hilliger ist es so wie mit einem Leasingwagen: Eigentlich gehört er ihm gar nicht. Sicherlich könnte sich der Chef der überregional tätigen Kanzlei Hilliger und Müller seinen eigenen Dreiteiler leisten. Aber er will es nicht. Stattdessen hat Hilliger seinen Anzug fürs Büro gemietet. „Das ist eine enormere Erleichterung“, sagt der Jurist. Er muss Hemd, Hose und Jackett weder waschen noch bügeln. All das erledigt ein Dienstleister für ihn. „Ich muss mich um gar nichts kümmern“, sagt Hilliger. „Das ist einfach großartig.“

Hilliger ist kein Einzelfall: Während die deutsche Textilindustrie seit Jahren gegen die Kaufunlust vieler Verbraucher kämpft, boomt das Geschäft mit geliehener Dienstbekleidung – sei es für Büro, Handel oder Industrie. Fast 3,39 Milliarden Euro haben die Mietwäscher im vergangenen Jahr umgesetzt, zeigt eine Unternehmensbefragung des Branchenverbands Wirtex, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Die Umsätze wachsen nach Verbandsangaben schon seit Jahren.

„Das Thema Berufsbekleidung wird immer wichtiger“, sagt Wirtex-Präsident Jürgen Gerdum. Er ist so etwas wie der oberste Lobbyist der Mietwäscher in Deutschland. Dass Kanzleien, Banken und Behörden für ihre Angestellten Anzüge und Kostüme mieten, ist derzeit allerdings noch die Ausnahme. Sie machen für die Mietwäscher nur einen Bruchteil des Umsatzes aus. Aber: „Dieses Feld wird zunehmend größer“, sagt Gerdum. „Es ist ein Treiber der positiven Umsatzentwicklung.“ Im Vergleich zum Vorjahr ist der Umsatz durch Berufskleidung um sechs Prozent gewachsen, zeigen die Verbandszahlen. Wirtex ist einer von zwei Branchenverbänden; seine Mitgliedsbetriebe repräsentieren rund 50 Prozent der Textildienstleister.

Die Kanzlei Hilliger und Müller im thüringischen Jena ist schon früh auf den Trend aufgesprungen: Seit acht Jahren sind alle Mitarbeiter mit geliehenem Diensttextil ausgestattet. Allein der Kanzleichef hat elf Hemden, zwei Hosen und ein Jackett fürs Büro angemietet. „Die dreckige Wäsche wird alle zwei Wochen abgeholt und fast unbemerkt wieder ins Regel gebracht“, sagt Hilliger.

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    Denn die Mietwäscher verstehen sich als umfassende Logistikdienstleister: Die Firmen kaufen die Kleidung auf eigene Rechnung und vermieten sie. Sie waschen und bügeln sie auch – mit Rotwein-Fleck im Hemd oder ohne. Ist der Knopf lose, wird er wieder angenäht, ist das Jackett zu lang, wird es entsprechend geschneidert. Und wenn die Hose durchgesessen ist, liegt beim nächsten Mal sogar eine komplett neue in der Kanzlei.

    Das Büro früher und heute
    Vorbild USA
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    Nach dem Zweiten Weltkrieg hält Farbe Einzug in deutschen Büros, wie dieses Bild aus dem Jahr 1953 zeigt. Als Vorbild dienen bei der Gestaltung hierzulande laut Steelcase die USA.

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    Wunsch nach Effizienz
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    Zehn Jahre später geht der Trend vor allem in den USA zum Gemeinschaftsbüro, um das Wirtschaftswachstum weiter voranzutreiben. „Wie keine andere Büroform steht es für Effektivität, Produktivität und Flächeneffizienz“, schreibt Steelcase. In Deutschland werden Großraumbüros erst einige Jahre später populär.

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    Trend stärker in den USA als in Deutschland
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    Anfang der 1970er-Jahre finden schon deutlich mehr Angestellte Platz in US-Büros – und auch in Deutschland verbreitet sich das Großraumbüro langsam. Bis heute hat sich nach Einschätzung des Fachportals der Trend zum Großraumbüro in den USA stärker durchgesetzt als hierzulande. Demnach arbeitet jeder zweite Amerikaner heute in „Open Spaces“, in Deutschland ist es nur jeder Vierte. Ein Grund dafür könnten laut Steelcase die Baustrukturen sein: Die klassischen Verwaltungsgebäude mit langen Fluren und Einzelbüros in Deutschland können erst nach und nach in Großraumbüros umgewandelt werden.

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    Chefbüros bleiben bestehen
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    Obwohl es immer mehr Gemeinschaftsräume gibt, bleiben Einzelbüros – insbesondere klassische Chefbüros – bestehen. „Nach wie vor existiert in Unternehmen weltweit das Chefbüro, wobei der Status einer Führungskraft meist über die Größe des eigenen Büros definiert wird“, sagt Marc Nicolaisen, Director Customer Experience bei Steelcase.

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    Computer halten Einzug im Büro
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    Ende der 1980er-Jahre arbeiten in den Großraumbüros die ersten Mitarbeitern mithilfe von Computern. Die anfängliche Digitalisierung löst Jahre später eine neue Trendwelle aus.

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    Das Home-Office entsteht
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    Zur Jahrtausendwende ermöglichen Laptops und Handy mobiles Arbeiten – das Home-Office entsteht. Trendsetter dieser Entwicklung: die USA.

    Gegentrend nach der Jahrtausendwende
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    Nachdem Flächeneffizienz über Jahrzehnte als oberstes Maß gegolten haben, entsteht nach der Jahrtausendwende ein Gegentrend: Die Erkenntnis reift bei vielen Arbeitgebern, dass das Großraumbüro keine Pauschallösung ist. Arbeitnehmer nutzen deshalb verstärkt die Möglichkeiten der Digitalisierung – und arbeiten von zu Hause aus. Auch die Teamarbeit gewinnt aufgrund des technologischen Wandels zunehmend an Bedeutung.

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    Der umfassende Service hat allerdings seinen Preis. 24 Euro bezahlt Hilliger – und zwar jede Woche. Das sind fast 1300 Euro im Jahr. Dafür muss der Jurist seinen Anzug aber erst gar nicht kaufen und spart sich auch die Kosten für Reinigung und Austausch der Dienstkleidung. „Sicher“, sagt Hilliger, „nach einigen Jahren haben sich diese Ersparnisse amortisiert. Aber die Entlastung ist mir das Geld wirklich wert.“ Das einzige, was er etwas bemängelt: Die Auswahl an Farben und Mustern ist kleiner als im Fachhandel. „Sie reicht mir aber aus“, sagt er.

    Die 69.000 Mitarbeiter der Branche arbeiten in eher größeren Firmen, die zwischen 15 und mehreren hundert Millionen Euro Umsatz pro Jahren machen. Viele von ihnen waren früher kleine Familienunternehmen, die über Jahrzehnte größer geworden sind. So auch das von Gerdum geleitete Wiesbadener Unternehmen Mewa, das sich hierzulande als Marktführer versteht.

    „Blaumänner“ haben den größten Anteil am Umsatz
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    1 Kommentar zu "Berufsbekleidung: Der Leasing-Anzug erobert das Büro"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Deswegen habe ich neuerdings die Eindruck , dass manchen Promis
      die Anzüge schlecht passen .

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