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Bestseller-Group So formte Anders Holch Povlsen einen der erfolgreichsten Modekonzerne Europas

Der Chef der Bestseller-Group gilt als verschwiegener Milliardär. Erarbeitet hat er sich das selbst: Der Däne mischt seit Jahren die Modebranche auf.
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Der dänische Milliardär will die Bestseller-Gruppe weiter voran bringen. Quelle: about.bestseller.com
Anders Holch Povlsen

Der dänische Milliardär will die Bestseller-Gruppe weiter voran bringen.

(Foto: about.bestseller.com)

Stockholm Über sich selbst mag er überhaupt nicht gerne reden. Dabei könnte Anders Holch Povlsen einiges erzählen. Zum Beispiel wie er als 28-Jähriger das elterliche Modegeschäft übernahm und es nach und nach zu einem der erfolgreichsten Modekonzerne Europas ausbaute. Der heute 45-jährige Däne ist Chef und Hauptinhaber des Modekonzerns Bestseller-Gruppe mit Marken wie Jack & Jones, Vero Moda und Only.

In der vergangenen Woche machte der in Berlin ausgebildete Betriebswirt aus Aarhus Schlagzeilen, als er über seine Beteiligungsfirma Heartland den Großteil der Kapitalerhöhung von 300 Millionen Euro des Hamburger Modeshopping-Portals About You übernahm. Am Mittwoch dieser Woche nun wurde bekannt, dass er bei dem Berliner Mode-Start-up Ivy & Oak als Hauptinvestor in einer ersten Finanzierungsrunde eingestiegen ist, diesmal über die dänische Firma Brightfolk A/S.

Povlsen könnte auch erzählen, dass der Grundstein seines Erfolgs von seinen Eltern gelegt wurde. 1975 eröffneten sie in der zweitgrößten dänischen Stadt, in Aarhus, das Damenmodegeschäft Pigalle. Nach und nach wurde das Sortiment auf Herren- und Kinderbekleidung ausgeweitet. Aus diesem Geschäft entstand später unter der Leitung von Sohn Anders ein Konzern mit weltweit rund 9.000 Läden, die das Logo von Jack & Jones, Vero Moda oder Only tragen. Diese drei Marken machen rund 70 Prozent des Umsatzes der Bestseller-Gruppe aus.

Dass Povlsen aber nun weiter denken muss, bestätigt auch Franz Maximilian Schmid-Preissler. Der Markenexperte urteilt, dass Povlsens Marken wie Vero Moda das Problem hätten, dass sie zur großen Mitte des Marktes gehörten. „Ihnen fehlt wie vielen anderen ein eindeutiges Profil. Sie werden vor allem über den Preis gekauft.“ Der Däne hat das offenbar auch selbst erkannt, denn er sieht die Zukunft ganz offenbar im Groß- und Onlinehandel.

Seine Bestseller-Gruppe beliefert Tausende von Modegeschäften weltweit und hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von mehr als drei Milliarden Euro ausgewiesen. Für den einfallsreichen Dänen hat es sich gelohnt: Das US-Magazin „Forbes“ listet Povlsen mit einem geschätzten Vermögen von 5,7 Milliarden Euro als Nummer 207 weltweit unter den Milliardären auf.

Neben seiner Bestseller-Gruppe hat Povlsen zusammen mit zwei anderen dänischen Investoren das selbstständige Unternehmen Bestseller Fashion Group China gegründet, die in China mehr als 7 000 Modegeschäfte betreibt. Während seine Eltern mit einem einfachen Ladengeschäft starteten, hat der umtriebige Sohn früh die Möglichkeiten des Internets entdeckt.

Heute gilt Povlsen als einer der erfolgreichsten Investoren im europäischen Onlinehandel. Vor fünf Jahren stieg er mit zehn Prozent bei Zalando ein und sitzt dort auch im Aufsichtsrat. „Ich denke immer langfristig“, hat der dreifache Vater einmal in einem seiner seltenen Interviews gesagt. Das hat sich ausgezahlt: Seine eingangs bei Zalando investierten rund 300 Millionen Euro sind mittlerweile auf 2,5 Milliarden Euro angewachsen.

Früher Einstieg bei Zalando

Eine ganz wichtige Investition ist für Povlsen seine Beteiligung am britischen Onlinehändler Asos. Mit knapp 30 Prozent ist der Däne mittlerweile der mit Abstand größte Aktionär des bei Jugendlichen auf der Insel äußerst beliebten Modehändlers. Neben dem Asos-Investment hat sich Povlsen über Beteiligungsunternehmen bei der schwedischen Modemarke J. Lindeberg und dem dänischen Schuhhändler Bianco eingekauft.

Da er die Zukunft im Onlinehandel sieht, war es nur ein logischer Schritt, dass er zusammen mit Zalando den in den Niederlanden angesiedelten digitalen Marktplatz FashionTrade betreibt. Das noch recht junge Unternehmen will Modemarken und Händler zusammenbringen. Auch Povlsens Beteiligung am schwedischen Bezahldienst Klarna passt in seine Vision vom digitalen Handel. Klarna übernimmt für Onlinehändler und Kunden den gesamten Zahlungsvorgang.

Das Internet habe dem Handel eine völlig neue Dimension eröffnet, hat Povlsen einmal gesagt. Dass er fest daran glaubt, belegen seine vielfältigen Beteiligungen. Während er seit Jahren im Internet gewaltig voranprescht, hält er sich privat sehr zurück. Mit seiner Frau und den drei Kindern lebt er auf dem Gut Constantinsborg bei Aarhus.

Auch wenn er es gerne wollte, kann er so nicht vollständig unter dem Radar der Öffentlichkeit wegtauchen: In Aarhus sorgte er im vergangenen Jahr für Schlagzeilen, als er die Stadt bat, eine stark befahrene Straße in der Nähe seines Guts zu verlegen. Vibrationen durch den Autoverkehr hätten zu Rissen in seinem historischen Gebäude geführt. Die Stadtväter hörten trotz Protesten auf den Multimilliardär und veränderten den Straßenverlauf so, dass der Gutsbesitzer nicht mehr gestört wird und Risse in den altehrwürdigen Gemäuern der Vergangenheit angehören.

Schon als Kind liebte Povlsen die Ungestörtheit. Mit seinen Eltern fuhr er viele Jahre lang immer nach Schottland zum Fischen. Sein Traum, so hat er einmal erzählt, sei es, ein Stück Schottland zu besitzen. Diesen Traum hat er sich mittlerweile erfüllt. Der Däne hat rund ein Prozent der Landfläche Schottlands mit Schlössern und Weideflächen erworben und ist damit ein größerer Grundbesitzer als das britische Königshaus.

„Seit den Wikingern hat es keinen Skandinavier mehr gegeben, der mehr britisches Land besessen hat“, stellte die „Daily Mail“ trocken fest. Er liebe halt das Land, war der einzige Kommentar von Povlsen zu seinem schottischen Grundbesitz.

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