BGH-Entscheidung Zu Risiken und Rabatten fragen Sie Ihren Apotheker

Doc Morris und Co. dürfen ihren Kunden Rabatte auf Rezepte geben, deutsche Apotheken nicht. Die deutschen Apotheker sehen darin einen Wettbewerbsnachteil. Am kommenden Dienstag entscheidet der BGH, ob Nachlässe künftig auch in Deutschland möglich sind - doch es geht um mehr.
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Grundsatzfrage: Gilt die Deutsche Arzneimittelpreisverordnung auch für die aus der Niederlande agierenden Versandapotheken? Quelle: ap

Grundsatzfrage: Gilt die Deutsche Arzneimittelpreisverordnung auch für die aus der Niederlande agierenden Versandapotheken?

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FRANKFURT. Apotheker Axel Boos will gleiches Recht für alle. Wenn die niederländischen Versandapotheken wie Doc Morris oder die Europa Apotheek Venlo ihren Kunden die Rezeptgebühren teilweise erstatten, dann müssen die niedergelassenen deutschen Apotheker mithalten können, findet er. "Vor mir stehen immer wieder Kunden, halten mir die Rabattaktionen der niederländischen Versandapotheken unter die Nase und wollen auch einen Bonus pro Rezept", sagt er: "Da kann ich doch nicht tatenlos zusehen."

Weil die Preise für rezeptpflichtige Medikamente in Deutschland per Arzneimittelpreisverordnung festgeschrieben sind, dürfen Apotheken keinen Rabatt auf rezeptpflichtige Medikamente geben. Auch einen Bonus pro Rezept zu gewähren, verstößt gegen dieses Gesetz.

Deswegen haben Apotheker Boos und sein Kollege Gerhard Köhnemann vor fünf Jahren in Darmstadt ihre Engel-Taler für treue Kunden zu einer Art Rabatt-Münze ausgebaut. Wer fortan in der Engel-Apotheke einkaufte, bekam je nach Wert des Einkaufs ein paar Engel-Taler, die er sammeln und - wie bei den Treuepunkten im Supermarkt - gegen Tassen, Taschen oder Thermometer eintauschen konnte. Die Engel-Taler konnten überdies auch beim örtlichen Bäcker oder im Eiscafé um die Ecke eingelöst werden. Gegenwert pro Engel-Taler: rund 40 Cent. Diese Aktion rief die Wettbewerbszentrale auf den Plan, die gegen die Engel-Apotheke klagte, woraufhin die Engel-Apotheker ihrerseits ein Verfahren gegen die Europa Apotheek Venlo und deren Rabattgewährung anstrengte.

Mittlerweile ist der Rechtsstreit beim Bundesgerichtshof angekommen, der am kommenden Dienstag seine Entscheidung bekanntgeben wird. Die Verhandlung war bereits im April, der BGH hat sechs Verfahren zusammengefasst. Beim BGH-Urteil geht es aber um weit mehr als die Frage, ob Apotheker den Kunden mit Rabatten und anderen Vorteilen locken dürfen. Die Grundsatzfrage ist, ob die Deutsche Arzneimittelpreisverordnung auch für die aus der Niederlande agierenden Versandapotheken gilt. Gilt sie für die holländischen Versender nicht, dann wäre das ein erheblicher Wettbewerbsvorteil gegenüber den niedergelassenen deutschen Apotheken. "Das ist, als wenn deutsche Autofahrer hierzulande auf der Autobahn ein Tempolimit einhalten müssen, niederländische Autofahrer aber nicht", sagt Rechtsanwalt Morton Douglas von der Kanzlei Graf von Westphalen, der die Engel-Apotheke vertritt.

Vor zehn Jahren ging die Versandapotheke Doc Morris in Holland an den Start, weil Versandapotheken damals hierzulande verboten waren und auch die Preisbindung für Medikamente galt. Mittlerweile gehört Doc Morris zum Konzern Celesio und macht als Marktführer 250 Mio. Euro Umsatz mit dem Medikamentenversand, die Europa Apotheek gibt keine Zahlen bekannt, wird aber im Markt auf etwa 150 Mio. Euro Umsatz geschätzt. Im Vergleich zum 40 Mrd. Euro schweren deutschen Medikamentenmarkt ist der Marktanteil zwar überschaubar. Aber vielen niedergelassenen Apothekern waren und sind die niederländischen Anbieter grundsätzlich ein Dorn im Auge. Doc Morris hat mit seiner Gründung überhaupt dafür gesorgt, dass der Versandhandel von Medikamenten in Deutschland erlaubt wurde. 300 bis 500 Apotheken sind hier mittlerweile aktiv und nehmen den stationären Apotheken immer mehr Umsatz weg: laut Marktforschungsinstitut IMS Health schon mehr als zehn Prozent bei den freiverkäuflichen Arzneimitteln.

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2 Kommentare zu "BGH-Entscheidung: Zu Risiken und Rabatten fragen Sie Ihren Apotheker"

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  • was interessieren mich als Patienten die Nöten des Apothekers Axel Boos, der nur darauf behaart die übertriebenen Preise in D zu verteitigen, damit er seine Villa, seinen Porsche etc... und andere Luxusgüter ausbauen kann. Wenn er nicjt konkurrenzfähig ist, dann soll er vom Markt verschwinden! jetzt erst recht bleibe ich treu der Venlo Apotheke, damit die Parasitäten pleite gehen - endlich!

  • Die Apotheker sind selber schuld an dieser Entwicklung. Sie verstehen sich seit den 70er Jahren als Händler und dreschen (marketingmäßig) dementsprechend aufeinander ein.
    Viele sind sogar so blöde, weiterhin die Medikamente bei dem Großhändler zu beziehen, der mit der eigenen Apothekenkette ihr schlimmster Konkurrent ist.
    Und die Politik und die "Verbraucher" klatschen noch "bravo", daß die Apothekerschaft dieses Krämerdenken verinnerlicht hat und die periodisch wiederkehrenden dümmlichen Tests als relevant ansieht. Verlierer wird am Schluß der Patient sein, der bemerkt das aber erst, wenn es zu spät ist.

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