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Bierkonzerne Russland streitet um sein Reinheitsgebot

Der russische Brauereiverband kämpft gegen die Lockerung der Biernormen. Doch ausgerechnet die Großbrauereien scheren bei dem Kampf aus.
29.02.2020 - 15:48 Uhr Kommentieren
Der Bierkonzern legt sich in Russland mit dem eigenen Verband an. Quelle: Reuters
Heineken-Glas

Der Bierkonzern legt sich in Russland mit dem eigenen Verband an.

(Foto: Reuters)

Moskau Für Russland scheint zwar nicht der Hopfen, aber das Malz verloren: Ab 2021 tritt auf dem Gebiet der Eurasischen Wirtschaftsunion, dem von Russland geführten EU-Pendant, eine neue technische Regel in Kraft, die es erlaubt, bei der Bierproduktion das Malz bis zur Hälfte durch andere Getreidesorten zu ersetzen.

Bisher gelten in Russland schärfere Vorschriften. Demnach dürfen maximal 20 Prozent des Malzes durch andere Stoffe ersetzt werden. Geht es nach dem Brauereiverband, soll es auch so bleiben. Verbandschef Daniil Briman hat einen Brief an das Finanzministerium geschickt mit der Bitte, die alte Regelung in Kraft zu halten.

Die Neuerung diene einzig der Kostensenkung und werde eine ungesunde Konkurrenz zu Lasten der Verbraucher erzeugen, argumentiert Briman. Die Senkung des Malzgehalts könne sich auf die Bierqualität auswirken, da einige Produzenten dann auf industrielle Fermente zurückgriffen, die in das Bier gelangten.

Der stellvertretende Generaldirektor der Brauerei Tomskbeer, Wassili Russkow, sieht das ähnlich. In sein Bier komme nur Malz, während die Konkurrenz einen Teil durch Gerste, Reis, Mais oder Maltosesirup ersetze. Das sei nur halb so teuer, klagt er. Es wäre in dem Fall ehrlicher gegenüber dem Verbraucher, das Erzeugnis nicht Bier, sondern bierhaltiges Getränk zu nennen.

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    Interessantes Detail am Rande: Tomskbeer wurde 1877 vom nach Sibirien ausgewanderten Preußen Karl Krüger gegründet und ist heute – nach zwischenzeitlicher Verstaatlichung – wieder in der Hand von Russlanddeutschen. Die Brauerei gilt als sehr traditionsbewusst.  

    Weniger sentimental hingegen geben sich die beiden weltweit größten Brauereikonzerne Anheuser-Busch Inbev und Heineken. Anheuser-Busch hat im März 2018 ihr Russland- und Ukrainegeschäft mit der türkischen Großbrauerei Efes zusammengelegt und produziert die in Russland beliebten Biersorten Bud, Klinskoje und Stary Melnik. 

    Bierbrauen als „schöpferischer Akt“

    Der für Rechtsfragen zuständige Vorstand bei Anheuser-Busch Inbev Efes, Oras Durdyjew, nannte Bierbrauen „einen schöpferischen Prozess“ und führte als Beispiel die Craftbeer-Bewegung an. Dem Vorwurf, die Brauereien wollten durch das Bierpanschen sparen, widersprach er. Einige Zutaten, die dem Bier auf diese Art beigefügt würden, seien deutlich teurer als Malz. Industriell erzeugte Fermente würden sich zudem beim Kochen der Maische auflösen, also nicht mehr im Bier schwimmen.

    Auch der Chef von Heineken Russland, Kirill Bolmatow, widerspricht dem eigenen Verband: „Durch die Nutzung ungemalzter Roherzeugnisse können wir die Charakteristik des Biers ändern, ihm Leichtigkeit geben, oder den Gehalt von Gluten, Kohlehydraten und anderen Stoffen verringern“, sagte Bolmatow.

    Heineken und Anheuser-Busch sind erst vor kurzem ebenso wie die dritte Großbrauerei Baltika aus dem Brauereiverband ausgetreten. Hintergrund ist ein Streit um den Preis. Denn der Brauereiverband will einen Mindestpreis für Bier festlegen. Die drei Großbrauereien, die zusammen 70 Prozent des russischen Markts abdecken, sind dagegen – in der Hoffnung, weitere Anteile hinzuzugewinnen.

    Denn der russische Biermarkt ist durchaus attraktiv: Zwar entspricht der Pro-Kopf-Verbrauch mit 47 Litern pro Jahr nur etwa 40 Prozent des deutschen Umsatzes. In absoluten Zahlen haben die Brauereien trotzdem mit 6,75 Milliarden Litern trotzdem sehr viel produziert. 

    Bier hat in Russland längst Wodka als alkoholisches Getränk Nummer eins abgelöst. Mit Bier erzielt die Alkoholbranche in Russland knapp 43 Prozent ihres Umsatzes. Wodka hingegen brachte nur noch 31,5 Prozent der Erlöse. Und die Tendenz ist eindeutig: Während der Bierverbrauch stabil bleibt, bekommt Russlands Nationalgetränk zunehmend Konkurrenz von Gin, Whiskey und alkoholischen Cocktail-Getränken.

    Mehr: Corona-Brauer AB Inbev erwartet Gewinneinbruch wegen des Coronavirus.

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