Bilanzskandal Steinhoff-Gläubiger verlängern Stillhalteabkommen

Die Gläubiger des Möbelriesen stimmen einem dreijähriges Schuldenmoratorium zu. Die Details werden binnen drei Monaten festgezurrt.
Update: 20.07.2018 - 15:17 Uhr Kommentieren
Der Möbelriese bekommt einen Aufschub von den Gläubigern. Quelle: Steinhoff International
Steinhoff-Zentrale

Der Möbelriese bekommt einen Aufschub von den Gläubigern.

(Foto: Steinhoff International)

JohannesburgDie Gläubiger des südafrikanischen Möbelkonzerns Steinhoff  sind bereit, bis Ende 2021 auf Zins- und Tilgungszahlungen zu verzichten. Der Konzern  hat nun drei Monate Zeit, seinen rund 9,4 Milliarden Euro schweren Schuldenberg neu zu ordnen und die Details festzuschreiben.

Die Gläubiger stimmten dem Aufschub bereits am Donnerstag – noch vor Ablauf der Frist – mit den notwendigen Mehrheiten von rund 90 Prozent zu, teilte das schwer angeschlagene Unternehmen in Stellenbosch bei Kapstadt mit. Am Freitag legte Steinhoff auch die nötigen Fortführungsprognosen für den Konzern vor. Der Plan, Steinhoff als Ganzes zu erhalten, war eine Voraussetzung für das dreijährige Stillhalteabkommen. Steinhoff hatte die Gläubiger mit einem finanziellen Anreiz gelockt, wenn sie dem Abkommen frühzeitig zustimmten.

Dem Sanierungsplan zufolge sollen die Verbindlichkeiten zunächst unverändert bleiben, aber einheitlich bis Ende Dezember 2021 verlängert werden. Bis dahin laufen zehn Prozent Zinsen pro Jahr auf, die Steinhoff aber während der Laufzeit nicht zahlen muss, sondern die erst Ende 2021 mit Zinseszinsen fällig sind.

Voraussetzung für das Stillhalteabkommen war auch, dass sich die Gläubiger der Konzerntochter Hemisphere International Properties einigen. Unter dieser Gesellschaft sind etwa 140 Steinhoff-Gebäude und – Grundstücke in Europa gebündelt. Steinhoff hatte die Grundstücke ursprünglich mit 2,2 Milliarden Euro bewertet. Nach Bekanntwerden der Bilanzierungsunregelmäßigkeiten stellte sich heraus, dass die Warenhäuser, Büros und Ausstellungsräume nur etwa die Hälfte wert waren.

Einen Großteil der Kredite haben die Gläubigerbanken des Steinhoff-Konzerns inzwischen an Hedgefonds verkauft. In den eigenen Büchern haben die Geldhäuser ihre Steinhoff-Positionen um mehr als zwei Milliarden Euro abgeschrieben. Die Gläubiger sollen ein Mitspracherecht bekommen, welche Teile des Europa-Geschäfts Steinhoff verkauft, um wieder Geld in die Kasse zu bekommen.

Von der Beteiligung an der Billig-Möbelkette Poco in Deutschland hat sich Steinhoff getrennt, die österreichischen Ketten Kika und Leiner sollen an den Tiroler Immobilien-Unternehmer Rene Benko gehen. Steinhoff steckt in einer existenzbedrohenden Krise, seit im Dezember 2017 Bilanzunregelmäßigkeiten enthüllt wurden. Große Teile der Bilanz stellten sich inzwischen als nicht werthaltig heraus. Die um mehr als 90 Prozent abgestürzte Aktie legte am Freitag morgen bis 24 Cent zu. Bis Freitag Nachmittag gab sie wieder nach und notierte bei rund 21 Cent. Extgerne Wirtschaftsprüfer hatten der Aktie einem bislang nicht testierten Bericht einen Wert von 58 Cent beigemessen.

  • rtr
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