Billig-Konsum und die Folgen Warum uns Bangladesch so egal ist

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Steht uns die Evolution im Weg?
Kik ist einer der Großen in Bangladesch. Für den Billigheimer nähen mehr als 100 Lieferanten, von denen die meisten zwei oder drei Fabriken besitzen. Quelle: dapd

Kik ist einer der Großen in Bangladesch. Für den Billigheimer nähen mehr als 100 Lieferanten, von denen die meisten zwei oder drei Fabriken besitzen.

(Foto: dapd)

Steht uns da in gewisser Weise auch die Evolution im Weg?

Leider ja. Wir sind auf Nahhorizonte ausgerichtet und Fernhorizonte interessieren uns nicht groß. Es setzt zwar ein gewisses Nachdenken ein und wir sind betroffen, wenn wir in den Nachrichten erfahren, dass Menschen bei einem Feuer in der Textilfabrik in Bangladesch ums Leben gekommen sind. Aber ungefähr nach zwei Tagen wird das wieder ad acta gelegt.

Welche Rolle spielen dabei die Medien?

Sicherlich keine Unbedeutende. Es ist sehr wichtig, dass die Medien auf solche Missstände hinweisen und darüber berichten. Aber sie müssen auch aufpassen, dass sie nicht eine Überberichterstattung machen, die zur Abstumpfung führt. Der spannende Punkt ist aber, dass auch Unternehmen gezielter kommunizieren müssen. Gerade weil die Verbraucher bereit sind, einen gewissen Betrag für ein T-Shirt mehr auszugeben, wenn es unter humanen Bedingungen hergestellt wurde.

Also begreifen viele Firmen das noch gar nicht als Marketing-Chance?

Nein und ich verstehe das nicht. Im Moment zeigen ja alle Zahlen, dass das Bedürfnis der Konsumenten nach nachhaltigem Konsum existiert. Das ist ein großes Marktfeld für die Unternehmen. Wenn man die Menschen an ihrer moralischen Ader packt und sagt: „Wir fertigen fair und sicher und bei uns kaufst du mit einem guten Gewissen“, dann werden die Leute kommen. Da bin ich mir ganz sicher.

Viele Konzerne scheinen allergisch gegen gesetzliche Auflagen und verpflichten sich nur freiwillig. Wovor hat die Wirtschaft Angst?

Unternehmen fürchten immer Regulierungen und setzen lieber auf freiwillige Verpflichtungen. Allerdings schaffen gewisse Regulierungen ja auch Handlungs- und Planungssicherheit. Denn gerade wenn man auf einem Spielfeld arbeitet, das durch gewisse Rahmenbedingungen durch die Politik gestaltet ist, muss keiner mit bösen Überraschungen rechnen, weil sich der Wettbewerber nicht an diese Regeln hält.

Die Erfahrung zeigt leider, dass die Karawane schnell weiter zieht und ihre Produktion in andere Billiglohnländer verlagert…

Die Abwanderung von Unternehmen ist ein Problem. Aber wenn die Unternehmen wissen, dass der Konsument auch die Bedingungen in dem neuen Land nicht akzeptieren wird, lässt sich das möglicherweise verhindern. Und wenn man in einem Herstellerland schon investiert hat für Bedingungen, die Konsumenten nicht nur akzeptieren, sondern auch durch den Kauf der Produkte honorieren, wird das zumindest die Abwanderung bremsen.

Nun reagieren Unternehmen ja nicht auf irgendwelche Signale, die sie nicht wahrnehmen können!

Das bedeutet, dass sich die Konsumenten stärker artikulieren müssen. Daher wäre mein Aufruf an dieser Stelle, dass die Menschen sich stärker engagieren und die Konzerne etwa durch Boykott-Aktionen zwingen, sich für bessere Arbeits- und auch Umweltbedingungen einzusetzen. Wir müssen erkennen, dass wir Einfluss nehmen können. Ähnlich, wie das bei Stuttgart 21 der Fall ist, müssen wir zu einem politischen Bürger werden, indem wir unsere eigene Wahlstimme durch unser Konsumverhalten abgeben.

Die Utopie einer fairen Handelswelt?
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73 Kommentare zu "Billig-Konsum und die Folgen: Warum uns Bangladesch so egal ist"

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  • .. am Allerschlimmsten aber an dieser ganzen Sozialegomanie ist die Unterminierung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Evolution dort: wenn dort aus allein selbstverschuldeten -weil tradiert-kulturell-religiösen- Gründen gesellschaftliche Zustände herrschen wie bei uns vor 300-400 Jahren - dann kann das auch nur mit Arbeitsbedingungen aus dieser Epoche flankiert werden. Jede Asynchronität vereitelt hier letztlich jede weitere Vorwärtsentwicklung. Wie schon ein Vorkommentator schrieb: wenn man dem vorindustriellen Europa heutige "Sozial"-Standards aufgezwungen hat, wäre die industrielle Revolutuon -und mit ihr alle folgenden Errungenschaften- ausgefallen. Jede Verletzung der Grundkausalitäten rächt sich: diese Länder sind nur diejenigen Investitionen wert, zu denen man sich freiwillig, also AM MARKT entschliesst. Auch hier wirkt wieder jeder (linke) Zwang nur verheerend! Ich kann mich noch damals an die erdrückenden Berichte über die achso-schlimmen Zustände in Hongkong vor 30 Jahren erinnern - und man schaue sich Hongkong heute an! Hätten die Linken damals in HK so gewütet wie in Afrika, dem prädestinierten linken Exzerzierfeld, dann sähe es heute auch in HK so aus wie in Afrika - ok, vllt etwas besser wg der bildungsaffineren und displizierten Kultur dort ... Jedes Geschenk an die dritte Welt manifestiert nur die dortige rückständige Kultur - wieso sollte man sich ändern, wenn man für seine tradierte Rückständigkeit durchgefüttert wird! Es gilt genau das Gleiche wie im Privaten: wenn ich als Lehrling noch nichts kann und erst lernen muss, kann ich auch keine frechen Forderungen stellen: Lehrjahre sind keine Herrenjahre! Und die dortige Alternativlosigkeit, wg der man auf westliche Investitionen angewiesen ist, ist ausschliesslich selbst verschuldet und in den dortigen kulturellen Traditionen begründet!

  • "Wirtschaftsethiker" sagt ja schon alles > vor 500 Jahren sässe sowas wahrscheinlich gern in der Inquisitions-Jury! Und sowas werde ich gezwungen mit meinen Steuergeldern durchzufüttern! Und wieder eine weitere hässliche Facette des linken anti-weissen Rassismus, der die (Eigen-)Verantwortung anderer auf uns abwälzen will: keine linke Ratte hätte sich jemals über suizidale Arbeitsbedingungen im chinesischen Staatsbergbau ereifert. Aber sobald Chinesen für ein westliches Unternehmen (zu ungleich besserer und darum dort ja so begehrten Bedingungen) wie z.B. Apple tätig sind, trampelt sich wieder die linke Empörungsmafia auf die Barrikaden. Diese ungleichen Massstäbe sind nichts anderes als nackter Rassimus! Die Arbeitsbedingungen sind in anderen Ländern nunmal wie sie sind - sie werden ja nicht für westliche Investoren extra gesenkt (meistens ja eher im Gegenteil sogar etwas angehoben)! Was für einheimische Produzenten recht ist, kann für westliche nur billig sein - hier einseitige Kritik zu üben, ist reine Diskriminierung! Das Anpassen an lokale Begebenheiten kann eben nicht nur immer gutmenschlich allein zugunsten der anderen interpretiert werden! Und im Übrigen ist es nicht unsere Aufgabe, dort für bessere Verhältnisse zu sorgen - das ist allein DEREN Aufgabe!

  • Um echte Nachhaltigkeit zu erreichen, braucht es wohl ein wenig mehr, als im Artikel beschrieben.
    Auch erkennt man fair hergestellte Produkte nicht zwingend daran, dass fair Trade oder Öko darauf steht.
    Wichtig wäre, nicht unbedingt der trendigen Nachhaltigkeit her zu rennen, sondern der Haltbarkeit, Nützlichkeit und Qualität der Produkte oberste Priorität beizumessen. Die Wegwerfmentalität aber auch der Irrglaube a la Kleider machen Leute, hier im wörtlichen Sinn, sind es, die es möglich machen, dass Firmen jeden Mist verramschen dürfen und sich die Verbraucher nicht mehr dafür interessieren, was hinter dem Ding, das sie sich besorgen, steckt. Wir betrachten den alltäglichen Wahnsinn, das immer schnellere Tempo als Fortschritt. Dabei könnte keiner von uns, falls die Bangladeschis mal keine Lust mehr haben, dafür sorgen, dass er oder sie nicht nackt herumläuft. Weil nämlich keiner von uns Ahnung davon hat, wie man webt, färbt, schneidert, näht. Und weil Hanf hierzulande ja auch verboten ist. Obwohl man den doch locker nehmen könnte, um Deutschland aus eigener Kraft mit atmungsaktiven, strapazierbaren und haltbaren Klamotten zu versorgen. Oder zumindest, um Deutschland von Spanien aus mit Klamotten zu versorgen. Aber der Hanf ist ja böse und deshalb verboten.

  • Da lasse ich doch glatt die Korken knallen und gehe mit bestem Beispiel voran: haben Sie auch die Werbung zu grundstoff.net/fair-trade-kleidung oben auf der HB website? Da sind auch europäische Unternehmen dabei, aber EDUN LIVE hat DAS Credo, dass wir hier in Europa verteidigen wollen. Hier ein Auszug: >>edun LIVE arbeitet getreu dem Leitsatz »trade, not aid«, das Ziel ist es durch ernsthaft betriebenen, fairen Handel langfristig Arbeitsplätze zu schaffen und verschiedene Länder, bzw. Regionen in Afrika voran zu bringen. Alle Arbeitsschritte die zur Fertigstellung der Shirts führen werden zu 100% in Subsahara-Afrika durchgeführt<< Also, liebe AfD'ler, die EZB-Anhängerschaft scheint jetzt Ihr neues iShirt gefunden zu haben ...

  • @Tabu
    Die Islamisten argumentieren genau in diesem Tonus gegen den Euroamerikaner mittels Kolonialismus (katholische Morde /Ausbeutung) und sehen den gesamten Kapitalismus auf dem Mist der Christen und Juden gewachsen. Aber vermischen Sie da nicht etwas im Sinne von Genugtuung und Rachsucht wobei der Kapitalismus diesmal Ihrer grundlegenden Haltung zuagumentiert? Wenn Sie nicht unterscheiden können, zwischen ethnischen und marktwirtschaftlichen Fakten, können wir unsere Diskussion auch gerne um den Fall Nargis/Rangoon2008 erweitern. Hier behandeln wir dann evtl einen Massenmord an Moslems. Der Theistische Formenkreis zieht seine eigenen Bahnen und die Fakten, die der Markt schafft, stehen auf einem anderen Gleis. Dem Dumpinglohnproduzenten ist es egal zu welchem Gott seine Belegschaft betet...

  • Ergänzung: In Augsburg produziert Manomama Frauen-, Männer- und Kinderbekleidung.

  • "Billig produzieren und Menschen verklaven und woanders die Ware teuer verkaufen. So funktioniert das ja in sämtlichen Branchen."

    Das ist Fortsetzung des Kolonialismus mit anderen Mitteln in einer anderen Zeit.

  • Es gibt doch Anbieter von öko-fairer Mode, die in Europa oer auch im Rahmen bestimmter Projekte in den Baumwollanbauländern produziert wird. Diese sollte man besser unterstützen.

    Und man sollte im übrigen ein anderes Verhältnis zu seinen Textilien bekommen: sehen, daß man gute Qualität bekommt, damit man sie lange tragen (bis zu 10 Jahre lang!) kann. Und sie nicht schon nach 1 Saison wieder in die Sammlung geben, weil sie danach unmodern ist.
    Diese schnell wechselnde Mode ist nämlich auch eine "geplante Obsoleszenz".

    Wenn einem das Stück nicht mehr gefällt, kann man es zu einem Second Hand-Shop geben oder in eine Kleiderkammer für Bedürftige.
    Bei Altkelidersammlungen dagegen machen nur irgendwelche Organisationen ihren Gewinn. Im schlimmsten Falle landen die Alttextilien in Afrika und machen den dortigen Markt für die einheimische Textilindustrie kaputt.

    Es hilft also alles nichts: man sollte seine Kleidung am besten selber auftragen oder sie in seinem Bekannten- oder Verwandtenkreis weitergeben.

    Gebrauchtkleidung hat nämlich einen großen Vorteil: im Gegensatz zur Neuware sind durch das häufige Waschen alle bei der Verarbeitung eingesetzen Chemikalien schon herausgewaschen, so daß man ein quasi chemiefreies Produkt bekommt. Gerade bei Kindern, die zudem noch schnell wachsen und somit oft neue Kleidung benötigen, ein immenser Vorteil.

  • Per SUV zum Bioladen oder zum Biobauern fahren - das soll mir verdeutlichen: derjenige kann es sich leisten - das SUV UND den Bioladen/Biobauern.

    Das soll nicht zeigen, daß derjenige als so Handelnder ein ökologisch denkender Mensch ist. Das ist er ja auch nicht.
    Das ist nur Imponierverhalten den Freunden, Nachbarn, Kollegen etc. gegenüber.

    Nur: wenn man wirklich ökologisch handeln und leben würde, glaubt doch alle Welt, bei demjenigen sei der Notstand ausgebrochen (= Hartz IV).

    Denn dann
    - würde man nicht mehr fliegen
    - würde man ein altes, sparsames Auto fahren (alt, weil auch die Autoproduktion viel Energie verschlingt!)
    - würde man seine Kleidung 10 Jahre tragen, eben bis sie einem vom Leibe fällt
    - würde man seine Wohnung nur auf 18°C heizen, d.h. nur die wichtigen Zimmer, die anderen blieben kühler; um nicht zu frieren, trüge man einen dicken Pullover oder eine Weste
    - würde man in seiner Stadt alle Wege, wenn eben möglich, mit dem Rad zurücklegen
    - würde man nur noch 1x/Monat Fisch essen, da die Meere überfischt sind
    - würde man nur noch 1x/Woche ein Stück Fleisch essen; ansonsten holt man sich sein Eiweiß über Hülsenfrüchte
    - Obst und Gemüse nur noch saisonal-regional (weiß man überhaupt noch, wann was hier Saison hat?)
    - würde man statt Duschgel und Shampoo auf Olivenölseife (wichtig: kein Palmöl!) umsteigen, da Tenside etc. ein Problem für Kläranlagen sind, außerdem unnötige Verpackung
    - würde man generell Produkte aus Palmöl (Fertiggerichte, Backwaren, Kosmetik, Waschmittel etc.) meiden
    - etc.

  • Was für ein Artikel^^

    für den smartshopper:
    Impulskaufware mit negativen Eigenschaften zu verbinden wird sicherlich rasend schnell den Absatz erhöhen^^. Vgl. Benetton in den 90ern...

    für den, der auf den Taler schauen muss:
    er hat einfach keine andere Wahl

    Es ist wie immer in unsere Republik: Leute, die null Komma gar keine Ahnung haben, kritisieren Dinge, die jeder schon wußte. Und für die es keine einfache Lösung gibt, sonst wäre sie schon längst realisiert worden sein. Aber Hauptsache, Hr. Prof hat seinen google Rank erhöht.

    Ja sorry, sie können kein Cabrio im Sommer zum Marktpreis verkaufen, darauf gehe ich jede Wette ein. Meckern können wir alle, aber das Ding hier ist eine Nummer zu plump. Sicher kann man Mißstände aufzeigen, aber nicht auf BILD Niveau, sry.

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