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Ryanair-Maschine

Das Unternehmen wird derzeit umgebaut.

(Foto: Universal Images Group/Getty Images)

Billigairline Ryanairs neue Härte gegenüber der Belegschaft

Michael O‘Leary hat die operative Führung an Personalchef Eddie Wilson übergeben – ein weiteres Zeichen dafür, dass bei Ryanair künftig ein rauerer Wind wehen wird.
02.09.2019 - 17:05 Uhr Kommentieren

Frankfurt Bisher halten sich die Auswirkungen für die Fluggäste in Grenzen. Der am Montag gestartete dreitägige Streik britischer Ryanair-Piloten blieb für die Passagiere ohne größere Folgen. Ryanair sprach am Montag von einem normalen Betrieb. Dennoch: Der Ausstand ist ein Signal. In der Belegschaft von Ryanair wächst wieder der Frust.

Am vergangenen Freitag kündigten die spanischen Piloten fünftägige Arbeitsniederlegungen ab dem 19. September an. Das Kabinenpersonal in dem Land befindet sich seit diesem Sonntag in einem zehntägigen Ausstand. Mühsam hatten sich die Mitarbeiter die Anerkennung ihrer Gewerkschaften und Gespräche über Tarifverträge erkämpft. Doch seit Monaten geht es nicht richtig voran.

Die europäische Pilotenvereinigung ECA beklagte kürzlich die Rückkehr zum Kurs der Konfrontation. Das wird durch zwei Personalien untermauert. Am Wochenende übergab Ryanair-Chef Michael O‘Leary die operative Führung der Airline an Eddie Wilson.

Wilson ist seit 22 Jahren im Unternehmen und als Personalchef den Gewerkschaften als ein harter Verhandler bekannt. O‘Leary selbst konzentriert sich ab sofort als CEO um die Strategie der gesamten Ryanair-Gruppe. Gleichzeitig verlässt mit Peter Bellew ein Topmanager das Unternehmen, der für einen konstruktiven Verhandlungsstil stand.

Bellew sorgte unter anderem für eine bessere Besetzung der Jets, was aber die Kosten in die Höhe trieb und die Produktivität senkte. Daniel Röska von Bernstein schließt deshalb nicht aus, dass Bellew zu Easyjet wechselt, weil er mit dem Kurs von O‘Leary nicht einverstanden ist, der nun wieder Härte gegenüber der Belegschaft zeigen will.

Zähe Verhandlungen

Fest steht: Der personelle Umbau ist ein weiterer Hinweis darauf, dass sich die Gewerkschaften auf sehr schwierige Gespräche mit Ryanair einstellen müssen. Dabei sind die schon jetzt zäh. Mit der Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit (VC) etwa wurde schon im Dezember vergangenen Jahres ein Eckpunktepapier vereinbart.

Doch bis heute ist daraus kein Tarifvertrag geworden. Zumindest beim Thema Bezahlung scheint es nun eine Annäherung zu geben, heißt es in Pilotenkreisen. Ein Sprecher der VC wollte sich auf Nachfrage zu Details nicht äußern.
Doch selbst wenn sich Gewerkschaften und Ryanair-Management in Deutschland und anderswo tatsächlich bald auf Entgelttarifverträge einigen sollten, bleibt die Situation schwierig. Denn bei Themen wie Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten oder gar einem für alle Länder geltenden Manteltarifvertrag sind beide Seiten meilenweit voneinander entfernt.

„Das Thema Mitbestimmung ist für Ryanair nach wie vor ein absolutes No-Go“, beschreibt ein Flugzeugführer die Situation. Daran wird sich wohl in naher Zukunft wenig ändern. Denn Airlinechef O‘Leary hat massiv umgebaut.

Das Ziel: die Mitwirkung des Personals in engen Grenzen zu halten. Dahinter verbirgt sich die große Sorge, den größten Vorteil der Airline im Wettbewerb zu verlieren: die niedrigen Kosten und die Flexibilität.

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Wie groß diese Gefahr ist, zeigen die Geschäftszahlen für den Zeitraum April bis Juni – im zeitlich versetzten Fiskaljahr von Ryanair ist dies das erste Vierteljahr. In diesem erzielte die Airline einen Quartalsgewinn von 243 Millionen Euro, 21 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Daran war zwar auch der von Ryanair selbst angezettelte Preiskampf schuld.

Steigende Personalkosten

Aber dem Quartalsbericht ist auch zu entnehmen, dass die Personalkosten um 21 Prozent zulegten – und das, obwohl viele Piloten noch auf ihre Entgelttarifverträge warten. Die Erklärung: Ryanair hat in der Vergangenheit beim fliegenden Personal extrem knapp geplant.

2017 rächte sich das, wegen Personalmangels musste die Airline Tausende Flüge streichen. Um eine Wiederholung zu vermeiden, plante man beim Personal großzügiger – mit entsprechenden Folgen für die Bilanz. Künftige Tarifabschlüsse dürften die Personalkosten weiter steigen lassen. Röska von Bernstein Research spricht bereits vom „Ende einer Ära“ bei Ryanair.

Um gegenzusteuern, setzt O‘Leary vor allem auf ein Vehikel: die Abkehr von der Strategie, alle Verbindungen mit einer Airline zu bedienen. Sukzessive hat er die Zahl der Flugbetriebe ausgebaut. So kaufte er von dem kürzlich verstorbenen Formel-1-Rennfahrer Niki Lauda die Ferienfluggesellschaft Laudamotion mit 23 Flugzeugen.

In Polen wurde Ryanair Sun aufgebaut. Im Herbst wird sie in Buzz umbenannt und soll dann mit 25 Jets Charter- und Linienflüge für Ryanair durchführen. Hinzu kommt seit Kurzem Malta Air. Im Frühling übernahm Ryanair die junge Airline und baut sie seitdem aus.

Aus der Motivation dahinter macht O‘Leary kein Geheimnis. Die einzelnen Gruppen-Airlines sollen gegeneinander antreten – im Wettbewerb um die günstigsten Kosten. So wurde etwa den Mitarbeitern von Laudamotion kürzlich damit gedroht, dass Ryanair selbst Jets in Wien stationieren könnte, sollten sie sich nicht kompromissbereiter zeigen. Erst in letzter Minute gab es eine Einigung mit den Arbeitnehmervertretern.

Interner Airline-Wettstreit

Ein solcher interner Wettbewerb ist keine Ryanair-Erfindung. Viele Airlines, auch die etablierten Netzwerk-Anbieter, nutzen ihn. Lufthansa hat auch deshalb den Ableger Eurowings gegründet. Eine unausgesprochene Regel im Management von Fluggesellschaften lautet: Man braucht alle fünf Jahre eine neue Plattform, um die Forderungen des fliegenden Personals im Griff zu behalten. Denn Kabinencrews und Piloten haben die größte Streikmacht.

Zudem gab es bei Ryanair schon immer einen internen Wettbewerb. Bislang wurde dieser allerdings unter den einzelnen Stationen in einem Land ausgetragen. Zog eine Station nicht wie gefordert mit, wurde damit gedroht, Jets abzuziehen und an eine andere Station zu verlagern. Gibt es in einem Land aber einheitliche Entgelttarifverträge, verliert dieser Wettbewerb an Kraft.

Das erklärt auch, warum sich die Ryanair-Spitze mit aller Macht gegen einen Manteltarifvertrag stemmt. Ein solcher würde die Arbeitsbedingungen über alle Länder und Airlines hinweg regeln und einen internen Wettbewerb erschweren.

Das fliegende Personal rechnet deshalb damit, dass es noch sehr lange dauern wird, bis man Ryanair Tarifverträge auch über die reinen Entgeltregeln abtrotzen kann. „Die werden sagen, dass man bei Ryanair gutes Geld verdienen kann, damit solle man zufrieden sein“, vermutet ein Pilot der Airline.

Tatsächlich kann ein Flugzeugführer bei Ryanair, wenn er seine erlaubte Stundenzahl pro Monat ausschöpft, 150.000 Euro und mehr im Jahr verdienen. Gleichwohl werden die Arbeitnehmervertreter ihren Kampf um bessere Arbeitsbedingungen nicht aufgeben.

„Wenn es demnächst vielleicht endlich verbindliche Entgeltverträge bei Ryanair geben sollte, wäre das natürlich ein Erfolg. Es kann aber nur der erste Schritt sein“, beschreibt ein Flugzeugführer die Stimmung.

Mit Argusaugen wird in deutschen Gewerkschaftskreisen deshalb die neue Airline auf Malta beobachtet. Sie soll alle deutschen Stationen von Ryanair übernehmen. Grundsätzlich müsse das kein Nachteil sein, heißt es bei Arbeitnehmervertretern. Denn auf Malta könnten die deutschen Piloten ihr Gehalt wie gefordert in Deutschland versteuern.

Auch bliebe die VC für die Flugzeugführer zuständig. Aber ein deutscher Flugbetrieb (AOC) wäre den Arbeitnehmervertretern lieber. Man traut Ryanair nicht wirklich und fürchtet, dass die Malta-Konstruktion am Ende doch dazu genutzt werden könnte, deutsches Arbeitsrecht auszuhebeln.

Mehr: Mit ihrem Umbau folgt die irische Billig-Fluggesellschaft bekannten Strategien. Dadurch ist ihr Geschäftsmodell in Gefahr, meint Handelsblatt-Reporter Jens Koenen.

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