Billigflieger Hochverschuldete Airline Norwegian schreibt überraschend schwarze Zahlen

Die Airline verzeichnet einen Gewinn im zweiten Quartal – zur Überraschung der Analysten. Doch die schwarzen Zahlen stammen nicht aus dem Kerngeschäft.
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Airline Norwegian schreibt überraschend schwarze Zahlen Quelle: Reuters
Bjorn Kjos

Der CEO von Norwegian Air präsentierte heute schwarze Zahlen für das zweite Quartal – zur Überraschung der Analysten.

(Foto: Reuters)

StockholmViele Gründe zur Freude hatte Bjørn Kjos in den vergangenen Monaten nicht gehabt. Doch am Donnerstag konnte der Chef der norwegischen Billig-Airline Norwegian endlich wieder einmal lachen. Sein Unternehmen flog im zweiten Quartal dieses Jahres überraschend in die schwarzen Zahlen. Statt eines von Analysten erwarteten Verlusts präsentierte Kjos in Oslo einen Vorsteuergewinn von 369,6 Millionen Kronen (39,1 Millionen Euro).

Im Vorjahr machte die Airline noch einen Verlust von 698 Millionen Kronen. Der Umsatz stieg auf 10,2 Milliarden Kronen. Im Vorjahresquartal betrug er noch 7,8 Milliarden Kronen.

„Obwohl wir uns auf dem Gipfel unserer Expansionsphase befinden, konnten wir einen Überschuss erwirtschaften und unsere Kosten senken“, erklärte Kjos. Zur ganzen Wahrheit gehört allerdings auch, dass der Norwegian-Überschuss teilweise aus Einnahmen aus Finanzgeschäften stammt.

Dennoch ist der Quartalsgewinn für die hochverschuldete Airline und ihren Gründer und Hauptaktionär Kjos ein kleiner Grund zur Freude. Denn in den vergangenen Monaten waren immer mehr Zweifel am Billigflug-Konzept der Norweger aufgekommen.

Kjos hatte sein in Europa erfolgreiches Konzept vor vier Jahren auch auf die Langstrecke ausgeweitet. Doch das, was auf der Kurzstrecke funktioniert, bereitet ihm auf der Langstrecke mehr und mehr Sorgen.

Doppelte Crews, längere Ladezeiten und eine generell kompliziertere Logistik bei Langstreckenflügen kosten einfach mehr. Zudem missfällt den Aktionären die hohe Verschuldung von Norwegian.

Um die schnelle Expansion in Europa und in Übersee voranzutreiben, bestellte Kjos in den vergangenen Jahren immer wieder neue Flugzeuge. Doch die knapp 150, überwiegend neue und mit 14 Dreamlinern von Boeing Flugzeuge für die Langstrecke, haben die Verschuldung in die Höhe getrieben. Und bis Ende kommenden Jahres soll die Norwegian-Flotte mit der typisch roten Frontpartie auf 193 Maschinen anwachsen.

Im April dieses Jahres überraschte die British Airways-Tochter IAG die Branche und die Norwegian-Aktionäre mit einem Übernahmeangebot. Die Norwegian-Aktie schoss in die Höhe, denn ein Verkauf von Norwegian an IAG würde die angestrengte finanzielle Lage von Norwegian lösen, meinten deshalb die meisten Analysten.

Doch Bjørn Kjos, der mit 27 Prozent an Norwegian beteiligt ist, blieb hart. Ein Verkauf komme für ihn nicht in Frage, erklärte er mehrfach. Mittlerweile ist das Interesse von IAG, die bereits einen rund fünfprozentigen Anteil an Norwegian hält, wieder abgekühlt. IAG-Chef Willie Walsh räumte im vergangenen Monat ein, dass er Kjos von einer Übernahme nicht hat überzeugen können.

Bis heute hat sich an Kjos abweisender Haltung – zumindest offiziell – nichts geändert. Der Norwegian-Chef will die 1993 gegründete Fluggesellschaft nicht verkaufen. Dass der Norwegian-Boss möglicherweise pokert, ist nicht ausgeschlossen. Denn kurz nach dem Quasi-Ausstieg von IAG erklärte er, dass auch Ryanair Interesse an seinem Unternehmen gezeigt habe. Die Norwegian-Aktie machte erneut einen kräftigen Satz nach oben.

Das änderte sich erst als Ryanair aus Irland mitteilen ließ, dass man den Norwegern nie ein Angebot unterbreitet habe. Ryanair-Chef Michael O’Leary bezeichnete die Äußerungen von Kjos einen „desperaten Versuch“, ein Interesse zu konstruieren.

Analysten in der norwegischen Hauptstadt halten das nicht für ausgeschlossen und glauben, dass Kjos durchaus bereit sein kann, das von ihm gegründete Unternehmen zu verkaufen. Das angebliche Interesse von Ryanair an Norwegian könnte eine Taktik des ehemaligen Kampfpiloten sein, den Preis für seine Airline hochzutreiben.

Neben IAG hat auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr vor einem Monat bestätigt, dass es Gespräche mit den Norwegern gegeben habe. Analysten halten allerdings einen Lufthansa-Einstieg bei Norwegian nicht für wahrscheinlich. Die unterschiedlichen Flugzeugtypen, die beide Airlines verwenden, machen Synergien schwierig. Außerdem hat die Lufthansa eigene Baustellen mit der Integration von Teilen der Air Berlin.

Auch wenn die möglichen Übernahmepläne bei der Vorlage der Quartalszahlen keine Rolle spielten, konnte sich Kjos die Nennung des Interesses von Mitbewerbern nicht verkneifen. „Wir wären nicht so interessant für andere Gesellschaften, wenn wir nicht auf dem richtigen Weg mit einer richtigen Strategie wären“, sagte er. Die Aktionäre hatten auf jeden Fall Grund zur Freude, die Norwegian-Aktie stieg um rund vier Prozent.

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