Billigflieger Ryanair legt Tarifstreit in Irland bei – doch die Streikgefahr ist nicht gebannt

In Irland steht eine erste Einigung mit den Piloten. Welche Signalwirkung das für die vielen anderen Tarifkonflikte hat, ist offen.
Update: 23.08.2018 - 12:04 Uhr Kommentieren
Ryanair einigt sich im Tarifstreit mit irischen Piloten Quelle: Reuters
Ryanair

Etwa 55.000 Passagiere waren von dem Pilotenstreik bei Ryanair betroffen.

(Foto: Reuters)

FrankfurtUm 9.12 Uhr am Morgen twitterte Peter Bellew, Chief Operating Officer der Billigairline Ryanair die freudige Nachricht. „Einigung zwischen Forsa und Ryanair im Piloten-Tarifstreit“. 22 Stunden hätten die Verhandlungen über Streitpunkte wie Urlaub, die Stationierung der Flugzeugführer und deren Karrierechancen gedauert, teilte die Gewerkschaft Forsa kurze Zeit später mit.

Begonnen hatten die Gespräche im Schlichtungsverfahren am Mittwochmorgen. Was genau nun vereinbart wurde, ist nicht bekannt. Beide Seiten vereinbarten Stillschweigen. Erst solle der Kompromiss den Piloten zur Abstimmung vorgelegt werden, hieß es.

Die Passagiere werden die Nachricht mit Erleichterung vernehmen, auch wenn die Einigung in Irland nur ein erster Schritt ist. In vielen anderen Ländern liegt das Airline-Management noch mit dem fliegenden Personal, also mit Piloten und Flugbegleitern, im Clinch, darunter auch in Deutschland. Alleine im Juli fielen wegen mehrerer Arbeitskämpfe mehr als 1000 Flüge mit über 200.000 betroffenen Passagieren aus.

Zwar konnte die Airline dennoch im Juli mehr Tickets als im Jahr zuvor zu verkaufen. Aber langsam werden die Arbeitskämpfe zu einem Problem. So zeigt eine Umfrage des britischen Meinungsforschungsinstituts Yougov, dass das Image von Ryanair zunehmend unter dem Streit leidet. Damit könnte auch die Bereitschaft der Kunden, dennoch ein Ticket bei der Airline zu kaufen, kippen, warnen die Marktforscher.

Inwieweit die Einigung in Irland nun ein Signal auch für Gewerkschaften in anderen Ländern ist, ist schwer zu beantworten, solange keine Details bekannt sind. Janis Schmitt, Sprecher der VC, sagte dem Handelsblatt, er werte den Abschluss in Irland grundsätzlich als ein gutes Zeichen. „Er zeigt, dass Ryanair doch verhandlungsbereit ist.“

Allerdings müssten vor einer abschließenden Bewertung zunächst die Details des Abkommens in Irland analysiert werden. „Wir sind mit den Kollegen dort im Austausch.“

Zuletzt hatte die VC den fehlenden Willen von Ryanair beklagt, sich zu bewegen. Ryanair habe „zu keinem Zeitpunkt“ erkennen lassen, bei welchen Verhandlungspunkten Spielraum bestehe, um eine Lösung zu finden, so die VC. „Für die nun eingetretene Eskalation trägt alleine Ryanair die Verantwortung", hatte VC-Präsident Martin Locher noch am 9. August kritisiert.

Die VC fordert Verbesserungen bei den Vergütungs- und Arbeitsbedingungen. Nicht zuletzt die Praxis, Piloten über eine Art Ich-AG anzustellen, bei der die Flugzeugführer viele Risiken etwa im Krankheitsfall tragen, ist der Gewerkschaft ein Dorn im Auge.

Experten wie Daniel Roeska von Bernstein Research gehen davon aus, dass der Tarifstreit insgesamt noch viele Monate dauern wird. Ein Grund ist die Tatsache, dass Gewerkschaften nur für das Land einen Tarifvertrag abschließen dürfen, in dem sie tätig sind. Tarifverhandlungen auf europäischer Ebene sind arbeitsrechtlich nicht vorgesehen und auch nicht erlaubt. Also muss Ryanair in jedem Land einzeln verhandeln und dort mit unterschiedlichen Gewerkschaften für Piloten und Kabinenpersonal.

Zum Teil fühlen sich sogar zwei Gewerkschaften für eine Berufsgruppe zuständig. So hat Ryanair für die deutschen Flugbegleiter Gespräche mit Verdi begonnen, aber auch die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verlangt Gespräche. Für eine Airline, die bislang jegliche Tarifverhandlungen abgelehnt und dafür auf Management-Seite auch kein entsprechendes Personal aufgebaut hat, ist das eine gewaltige Herausforderung.

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