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Billigfluglinie Sommerflaute bei Ryanair – Gewinn bricht ein

Der irische Billigflieger verbucht einen deutlichen Gewinnrückgang. Nicht nur Ryanair, sondern die gesamte Branche macht harte Zeiten durch.
Update: 29.07.2019 - 17:35 Uhr Kommentieren
Ryanair: Auf Brexit und Preiskampf folgt der Gewinneinbruch  Quelle: AFP
Michael O'Leary

Der Ryanair-Chef hatte die Prognose bereits nicht zu hoch angesetzt.

(Foto: AFP)

London Darf’s noch a’ bissl’ mehr sein? Mit diesem Spruch versuchen nicht nur geschickte Verkäufer im Einzelhandel ihren Kunden etwas mehr Geld abzuluchsen. Auch Ryanair verfährt nach diesem altbewährten Motto. Für bessere Sitze, ein bequemeres Check-in oder ein größeres Gepäckstück müssen Kunden extra zahlen. Der Durchschnittspreis für ein gewöhnliches Ryanair-Ticket lag zuletzt bei 36 Euro.

Doch die Zusatzeinnahmen, dank der Ryanair im Schnitt 55 Euro pro Passagier kassiert, trugen nun auch dazu bei, dass die aktuellen Zahlen des irischen Billigfliegers nicht so schlecht ausfielen wie von vielen Börsianern befürchtet.

Dennoch sah das Ergebnis von Ryanair im ersten Geschäftsquartal auf den ersten Blick bedenklich aus: In den Monaten April bis Juni verdiente Ryanair 243 Millionen Euro und damit 21 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Umsatz stieg zugleich um elf Prozent auf 2,3 Milliarden Euro, die Zahl der Passagiere um ebenfalls elf Prozent auf 42 Millionen.

Immerhin hat es Ryanair durch das erste Quartal geschafft, ohne seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr noch einmal zu reduzieren, kommentierte Analyst Damian Brewer von RBC Capital die Zahlen. Er hat nach wie vor eine positive Meinung zu den in Dublin notierten Aktien und hat diese mit „outperform“ eingestuft.

Auch Aktienexperte George Salmon von Hargreaves Lansdown ist nicht entsetzt: „Der Gewinn sinkt zwar, aber das ist angesichts des Gegenwinds fast unvermeidlich.“

Die gesamte Branche macht derzeit schwierige Zeiten durch: Die Kosten steigen, und die Einnahmen durch den Verkauf von Tickets sinken. Anfang des Jahres hatte Ryanair-Chef Michael O’Leary bereits gewarnt, dass dieses Geschäftsjahr schwieriger werden würde.

Auch die deutsche Lufthansa – die am Dienstag Quartalszahlen vorlegt – hatte kürzlich eine Gewinnwarnung ausgesprochen. Norwegian musste Anfang des Monats einen Gewinnrückgang um mehr als 70 Prozent verkünden.

„Billig gewinnt“

Das größte Problem, das alle Airlines haben, ist eins, das der Ryanair-Chef mitverursacht hat: „Billig gewinnt“, ist dessen Motto, seit er 1994 an die Spitze der irischen Gesellschaft kam. Die Strategie, Flugtickets immer billiger anzubieten, setzt die ganze Branche unter Druck. Dazu sind in den vergangenen Jahren immer mehr neue Gesellschaften auf den Markt gekommen.

Das Angebot an Flugtickets ist mittlerweile so groß, dass sich die Airlines mit Angeboten unterbieten – und die Margen, welche die Gesellschaften einstreichen, sinken. Viele Airlines überleben diesen Preiskampf nicht. Zumal nicht nur die Margen sinken, sondern zugleich die Kosten steigen: Der Ölpreis ist in den letzten sechs Monaten um über 20 Prozent angestiegen, Piloten und Kabinenpersonal fordern mehr Geld.

Vor allem Ryanair musste auf Forderungen der Mitarbeiter eingehen, um nicht wieder einen so katastrophalen Sommer wie vor zwei Jahren zu erleben, als Tausende Flüge aus Mangel an Personal gestrichen werden mussten. Nachdem sich im ersten Quartal die Kosten für Treibstoff um 24 Prozent und die Personalkosten um 21 Prozent erhöhten, reduzierte sich die Vorsteuermarge auf 11,4 Prozent von 16,6 Prozent.

„Wir sind immer noch die Gesellschaft mit den niedrigsten Kosten und schlagen unsere Konkurrenten um Längen“, zeigte sich Ryanair-Chef O’Leary bei einer Videoschalte zur Bekanntgabe der Zahlen kampfeslustig. „Und wir sind der Meinung, dass wir das auch in Zukunft tun werden“, beteuerte er.

„Wir sehen niedrigere Ticketpreise und höhere Energiepreise, das schlägt sich in unseren Ergebnissen nieder, aber auch in denen all unserer Wettbewerber“, sagte O’Leary. Das dürfte aus seiner Sicht dazu führen, dass im zweiten Halbjahr weitere Airlines vom Markt verschwinden oder verkauft werden.

Ryanair plant für das laufende Geschäftsjahr mit einem Gewinn zwischen 750 bis 950 Millionen Euro, also maximal so viel wie im vorangegangenen Geschäftsjahr. An dieser Prognose hielt O’Leary am Montag fest – allerdings mit der Warnung, dass man noch nicht gut abschätzen könne, wie sich die Preise im zweiten Halbjahr entwickeln und welche Probleme der bevorstehende Brexit verursachen werde.

Brexit dämpft Konsumfreude der Briten

Zwar baut die Branche darauf, dass nach einem EU-Ausstieg der Briten Übergangsregeln dafür sorgen werden, dass der Flugverkehr über den Kanal weiter reibungslos verläuft. Aber trotzdem dämpfe der Brexit die Zuversicht und die Konsumfreude vor allem der britischen Kunden, sagte O’Leary.

Außerdem laufe das Geschäft in Deutschland nicht so gut, wo Lufthansa Air Berlin übernehmen durfte und dadurch „überschüssige Tickets unter dem Selbstkostenpreis verkauft“, kritisierte er.

Dazu kommen für Ryanair die Probleme mit den bestellten Mittelstreckenjets 737 Max von Boeing. Seit dem Absturz zweier Flugzeuge dürfen die Maschinen dieses Typs weltweit nicht abheben. Wann das Flugverbot aufgehoben wird, ist nicht bekannt. Ryanair hatte 210 Maschinen bestellt, die in den kommenden Jahren geliefert werden sollten.

Dank der neuen Flugzeuge wollte Ryanair mehr Passagiere zu geringeren Kosten transportieren. Nun rechnet das Management in Dublin aber frühestens im Januar oder Februar mit der Lieferung der ersten Maschinen – ein weiterer Rückschlag.

Vor einigen Wochen hatte Ryanair deswegen die Wachstumspläne zusammengestrichen: Die Zahl der Fluggäste soll im kommenden Geschäftsjahr bis Ende März 2021 zwar auf rund 157 Millionen steigen, zuvor war man aber noch von 162 Millionen ausgegangen. Im laufenden Geschäftsjahr 2020 rechnet das Unternehmen mit sieben Prozent mehr Passagieren, also 152 Millionen. Auch das ist etwas weniger als zuletzt geplant.

Mehr: Eurowings will mit kleinerer Flotte und dem Verzicht auf Langstreckenflüge wieder profitabel werden. Doch mancher im Konzern zweifelt am Schrumpfkurs.

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