Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Billigstrom Flexstroms Wachstumspläne gescheitert

Mit Dumpingpreisen hat der Berliner Stromhändler Flexstrom mehr als 500.000 Kunden gewonnen. Jetzt liegt Flexstrom mit tausenden von Kunden im Clinch – und das Geld wird knapp.
24 Kommentare
Weniger Neukunden an der Steckdose: Das Wachstum beim Stromhändler Flexstrom ist zum Erliegen gekommen. Quelle: dpa

Weniger Neukunden an der Steckdose: Das Wachstum beim Stromhändler Flexstrom ist zum Erliegen gekommen.

(Foto: dpa)

Berlin Nach der fehlgeschlagenen Millionen-Anleihe plagen den Billigstromanbieter Flexstrom nun Finanzierungsprobleme. Nach Recherchen des Handelsblattes ist das Wachstum des Berliner Unternehmens zum Erliegen gekommen. Sowohl in seinem Stammgeschäft mit Billigstrom als auch mit der erst kürzlich erworbenen Strommarke „Optimal Grün“ gingen im ersten Halbjahr 2012 massiv Kunden verloren.

Nur durch die 50.000 neuen Kunden der frisch gegründeten und stark beworbenen Öko-Marke „Löwenzahn“ konnte die Kundenzahl in der Gruppe ungefähr gehalten werden. Sie stieg insgesamt von 562.000 auf 570.000. Ziel von Flexstrom war es aber, schon 2015 auf 1,2 Millionen Kunden zu kommen.

Die Angaben stammen aus dem Prospekt für die Anleihe, mit der Flexstrom in der vergangenen Woche am Finanzmarkt scheiterte. Flexstrom wollte 35 Millionen Euro einsammeln, musste das Vorhaben aber einstellen, nachdem Zahlungsrückstände bei diversen Netzbetreibern bekannt geworden waren. Flexstrom nannte zu hohe Rechnungen der Netzbetreiber, zum Beispiel Vattenfall, als Grund für die schleppende Zahlung. Dies wiederum dementierte Vattenfall heftig.

Zum Teil widerspricht sich das Unternehmen sogar selbst. In der jüngsten Börsenmitteilung von Ende Oktober behauptete Flexstrom zum Beispiel, die neue Öko-Marke „Optimal Grün“ stehe für „deutliches Kundenwachstum“. Wenige Tage später offenbarte der Anleihe-Prospekt für „Optimal Grün“ im ersten Halbjahr 2012 einen Kundenschwund von 35 Prozent.

In der Börsenmitteilung wird Vorstand Robert Mundt darüber hinaus mit den Worten zitiert, Flexstrom zeichne sich durch „ein hohes Kundenvertrauen“ aus. Tatsächlich aber liegt Flexstrom mit tausenden von Kunden im Clinch – rund ein Viertel aller 14.000 Beschwerden vor der Schlichtungsstelle Energie entfallen auf Flexstrom. Zum Vergleich: Großkonzerne wie RWE, Eon oder Vattenfall zählen teilweise weniger als zehn Beschwerden.

„Risiko, dass Geschäftsmodell nicht profitabel“

Klar ist, dass Flexstrom nur durch Wachstum überleben kann – denn Flexstrom setzt darauf, dass neue Kunden ihren Strom im Voraus zahlen und dem Unternehmen so Liquidität zuführen. Im Anleihe-Prospekt heißt es dazu: „Sobald das Wachstum des Umsatzes von Flexstrom nicht mehr allein durch den Zuwachs an Neukunden getrieben wird, besteht das Risiko, dass sich das bisherige Geschäftsmodell entgegen den aktuellen Erwartungen der Emittentin als nicht profitabel erweist und die Emittentin das Geschäftsmodell auch nicht erfolgreich anpassen kann. Dies hätte erheblich nachteilige Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage und könnte den weiteren Fortbestand von Flexstrom gefährden.“

Durch die gescheiterte Anleihe steuert Flexstrom auf einen Finanzierungsengpass zu. Zwar weist der Geschäftsbericht für das erste Halbjahr 2012 einen Jahresüberschuss von 5,9 Millionen Euro aus. Ein großer Teil davon aber stammt aus reinen Buchgewinnen – allein vier Millionen Euro davon durch eine höhere Bewertung von „Optimal Grün“, obwohl das Tochterunternehmen ein Drittel seiner Kunden verlor und nach wie vor defizitär arbeitet.

Laut Prospekt lag der betriebliche Cashflow in den ersten sechs Monaten bei minus 15,7 Millionen Euro. Nach einer Analyse der Wirtschaftsauskunft Creditreform lag das bereinigte Eigenkapital von Flexstrom 2011 bei minus 38 Millionen Euro, das bereinigte Fremdkapital bei 191 Millionen Euro.

Die Crux mit dem Billigstrom

 
  • juf
  • iw
Startseite

24 Kommentare zu "Billigstrom: Flexstroms Wachstumspläne gescheitert"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich empfehle euch alle Beschwerden noch einmal auf der offiziellen Facebook-Seite zu schreiben. Ihr könnt dort auch sehen, wievielen Betroffenen es wie euch geht.

  • Nachtrag: Jahresandabrechnung liegt mittlerweile vor ( nachdem ich sie mit Fristsetzung angemahnt habe ); 300 Euro Guthaben...auszuzahlen nach 6 Wochen - schon klar ne?
    Dafür kam heute die Quartalsabbuchung von 146,- Euro; die habe ich gleich zurückgehen lassen....darf ja gerne verrechnet werden...

  • Die meisten "Abbuchungen" bei Flexstrom, also die Jahreszahlung, lassen die sich schon seit geraumer Zeit per Überweisung tätigen. Dann kann man ncihts zurück holen. Wer aber trotzdem Abbuchung hat, kann auch nach 6 Wochen noch zurück holen. wissen nur viele nciht. einfach angeben, habe dies erst nach dem letzten kontoauszug gesehen. dass kan durchaus auch ein halbes Jahr zurück liegen, die abbuchung.

  • Hoffe bei diesem Abzocke Konzern gehen bald die Lichter aus. Wer sich so unverschähmt seinen Kunden gegenüber verhält, hat das schon lange verdient. Ich kann nur jedem raten evtl. Lastschriftabbuchungen noch versuchen zurückzugeben. Da hat man wenistens sein Geld in der Hand. Von Flexstrom gibt es garantiert nichts mehr zurück!

  • Lassen Sie Abbuchungen, wenn Sie noch keine 6 Wochen her sind, auch zurückgehen. Soll Flexstrom sich das Geld doch holen. Machen die aber nicht, weil Sie wissen, dass sie vor Gericht unterliegen werden.

    Seien Sie standhaft und lassen Sie sich nicht abzocken.

  • Ich hoffe, es haben nicht zu viele Neukunden im Voraus bezahlt. Wenn die Verhandlung morgen am LG Berlin (16 o 640/11)........

  • Wegen einer untergeschobenen Preiserhöhung hat die Schlichtungsstelle Energie (m)einen Fall eröffnet, keine Reaktion von Flexstrom.

    Immerhin gab es eine Kündigungsbestätigung, allerdings mit der Behauptung, dass die Endabrechnung erst erstellt werden kann, wenn der Netzbetreiber den Zählerstad bestätigt.
    Nachfrage beim Netzbetreiber: Völliger Unsinn!
    Nachfrage dazu bei Flexstrom: Keine Reaktion.

    Habe nun Kontozugriff untersagt und Zurückbuchung von Abschlägen angekündigt - Keine Reaktion...
    So verliere ich bei Konkurs "nur" 20 € statt 170 € - Nie wieder!

  • Warum lässt die Bundesregierung bei derart offensichtlichem Betrug die Bevölkerung mal wieder allein?
    Klar: Ein Krähe reißt einer anderen kein Auge aus! Das sollten die Bürger bei den kommenden Wahlen NICHT vergessen!!!

  • Das ganze Unternehmen ist eine große Seifenblase

  • ich war auch ein paar Jahre Kunde bei Flexstrom, habe jetzt aber den Vertrag gekündigt.
    Noch nie dümmere Buchhalter (falls sie überhaupt Buchhalter beschäftigen) als bei Flexstrom gesehen
    Ich kann nur warnen: FINGER WEG

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote