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Billigtaxi Bahn-Tochter Clever Shuttle kapituliert vor Behörden und VW

Das Billigtaxi stellt seinen Betrieb in Hamburg, Frankfurt und Stuttgart ohne Vorankündigung ein. Grund seien Probleme mit dem Personenbeförderungsgesetz und mangelnde Wirtschaftlichkeit.
Update: 14.10.2019 - 13:36 Uhr 1 Kommentar
Die Bahn-Tochter bündelt die Beförderungswünsche seiner Kunden zu gemeinsamen Fahrten, die sich in Sekundenschnelle per Algorithmus errechnen. Quelle: imago/Action Pictures
Clever-Shuttle-Fahrzeuge

Die Bahn-Tochter bündelt die Beförderungswünsche seiner Kunden zu gemeinsamen Fahrten, die sich in Sekundenschnelle per Algorithmus errechnen.

(Foto: imago/Action Pictures)

Hamburg Die Bahn-Tochter Clever Shuttle zieht sich aus drei deutschen Städten zurück: Das geteilte Taxi fährt ab sofort nicht mehr durch Hamburg, Frankfurt und Stuttgart. 330 Fahrer verlieren ihren Job, sollen aber eine Umschulung angeboten bekommen, um bei der Bahn zu arbeiten. Die Mitarbeiter seien am Montagmorgen informiert worden, sagte ein Sprecher.

Die Entscheidung kam überraschend: Noch am Wochenende fuhren die weiß-grünen Wasserstoff- und E-Autos durch die Städte. In der App sind aktuell die betroffenen Städte noch buchbar, erst am Ende des Buchungsvorgangs gibt es einen Hinweis, der Dienst sei „seit heute“ eingestellt.

Der Clever Shuttle-Sprecher führte die Einstellung in Stuttgart und Frankfurt auf Probleme mit dem Personenbeförderungsgesetz zurück. So sei der Dienst in Frankfurt von den Behörden nie formal genehmigt worden, sondern nur geduldet gewesen. Zudem sei der Service in beiden Städten nicht wirtschaftlich zu betreiben gewesen. Clever Shuttle ist nun nur noch in Berlin, München, Leipzig, Dresden und Kiel verfügbar.

Anders ist die Lage in Hamburg: Die Stadt hat in den vergangenen beiden Jahren großzügig etliche Modellprojekte genehmigt. Auch Clever Shuttle hatte seit 2017 eine Erlaubnis, zunächst für 20 Fahrzeuge, später für mehr. Allerdings startete im vergangenen April eine starke Konkurrenz: Volkswagen erprobt seinen ähnlich konzipierten Shuttle-Dienst Moia im großen Stil in Hamburg mit bis zu 500 E-Kleinbussen. Dabei setzt Volkswagen anders als Clever Shuttle eigens entwickelte, recht auffällige Fahrzeuge ein.

Preislich lag je nach Strecke mal der eine, mal der andere Anbieter vorn. Gegen den deutlich größeren Lokalkonkurrenten kam Clever Shuttle jedoch offenbar nicht an – zumal auch FreeNow (MyTaxi) in Hamburg ein Pilotprojekt für Ridesharing startete und der US-Fahrdienst Uber in die Stadt kam. Die Konkurrenz sei teils mit „Dumpingpreisen“ unterwegs gewesen, sagte ein Clever-Shuttle-Sprecher. Moia wies die Vermutung zurück: „Wir sehen den Vorwurf des Preisdumpings eher in Richtung der Plattformdienste, die ihre Fahrgäste nicht geteilt, sondern exklusiv befördern“, sagte ein Sprecher der Volkswagen-Tochter auf Anfrage. Vielmehr bedaure Moia das Ausscheiden des Wettbewerbers in Hamburg. „Dieser Schritt muss ein Weckruf an die Politik sein, endlich rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um sinnvolle und entlastende Mobilitätsdienste wie das Ridepooling dauerhaft zu ermöglichen“, sagte der Sprecher mit Blick auf die anstehende Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes. Es dürfe nicht allein darum gehen, bestehende Verkehrsträger vor Wettbewerb zu schützen. Eine zu weitreichende Liberalisierung wie in den USA sei jedoch ebenfalls falsch.

Clever Shuttle und Moia bieten Fahrten per App-Bestellung an. Dabei müssen die Fahrgäste damit rechnen, dass die Fahrzeuge einen Umweg fahren, um zwischendurch andere Fahrgäste ein- oder aussteigen zu lassen. Im Gegenzug ist eine Fahrt deutlich günstiger als im Taxi. Auch Taxiverbände warnten bereits, die neuen Angebote kosteten Taxifahrer den Job. Allerdings bieten die neuen Fahrdienste den Mitarbeitern feste Arbeitsverträge mit geregelten Arbeitszeiten und Löhnen.

Für die betroffenen Clever-Shuttle-Mitarbeiter zahlt sich das nun aus: Anders etwa als beim plötzlichen Rückzug des britischen Essenslieferdienstes Deliveroo vom deutschen Markt stehen die Fahrer nicht direkt auf der Straße. Die Bahn suche derzeit dringend Mitarbeiter, sagte ein Clever-Shuttle-Sprecher. Daher sei ein Übergang etwa als Busfahrer wahrscheinlich; noch sei aber unklar, wie viele Mitarbeiter das Angebot annehmen wollten.

Die Bahn hatte die Mehrheit an dem 2014 gegründeten Start-up vor einem Jahr übernommen, war aber auch schon zuvor beteiligt. Ebenfalls zur Bahn gehört der Shuttle Ioki, der auch in Hamburg derzeit ausgebaut wird. Anders als Clever Shuttle beschränkt er sich auf kleine Stadtgebiete und ist Teil des ÖPNV.

Mehr: Die Autohersteller kommen mit ihren Shuttle-Angeboten voran. VW siegt vor Gericht, BMW und Daimler starten Free Now. Der Konkurrent sitzt in den USA.

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1 Kommentar zu "Billigtaxi: Bahn-Tochter Clever Shuttle kapituliert vor Behörden und VW"

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  • CleverShuttle hat mit dem Geld der Deutschen Bahn Fahrdienste zu Dumpingpreisen angeboten. Die Fahrten kosteten in Hamburg 1/4 bis 1/3 des Taxipreises. Dieser Dumping wurde als Innovation verkauft. Die Taxifahrer wurden zu ewig Gestrigen erklärt. Außerdem verkündete man urbi et orbi, dass Risdesharing (Teilen einer Fahrt) die Zukunft ist und man damit mit 1/3 des Taxipreises Gewinne machen kann. Die Umwelt Wollte man im gleichen Atemzug retten und den Verkehr entlasten.

    Nun zeigte sich, dass das alles eine Illusion war und der verlangte Preis nur deswegen möglich war, weil der Besitzer die Deutsche Bahn die Verluste ausgeglichen hat. Es klingt aberwitzig, wenn der Sprecher von CS sagt, die Konkurrenz sei teilweise mit Dumping unterwegs gewesen. Gemeint ist MOIA, eine VW Tochter, welche am VW Tropf hängt und genauso mit einem 1/4 bis 1/3 des Taxipreises unterwegs ist. Nur es ist, dass es dieser Konkurrenz in Stuttgart und Frankfurt nicht gibt, aber trotzdem CS da verschwindet.

    Es bleibt die Hoffnung, dass man aus diesem Ereignis in der Politik eine Lehre ziehen wird und diese lautet: Individuelle entgeltliche Personenbeförderung ist unter dem Taxipreis nicht wirtschaftlich zu machen. Wer dieses behauptet, der hat wenig Ahnung oder er verfolgt andere Interessen. Dieses gilt auch für Dienste wie Uber oder Free Now, welche mit Dumping und Unterwanderung der Sozialstandards den Kunden suggerieren, dass individuelle Beförderung (dazu gehört auch Ridesharing) unter dem Taxipreis möglich ist.

    Wie sich Ridesharing auf den Verkehr auswirkt, kann man auf www.dieKlage.de in der Rubrik „Pooling“ nachlesen.

    Grüße aus hamburg