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BirkenstockSandalenhersteller bereitet Börsengang in USA vor

Die neuen Eigner trimmten die Schuhfirma auf Rendite – bald wollen sie offenbar Kasse machen. Birkenstock ist inzwischen so hipp, dass dafür nur ein Standort in Frage kommt.Arno Schütze, Florian Kolf 07.07.2023 - 12:25 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Birkenstock war 2021 mehrheitlich an den Investor L Catterton und den Milliardär Bernard Arnault verkauft worden.

Foto: dpa

Frankfurt, Düsseldorf. Die für ihre Gesundheitssandalen bekannte Firma Birkenstock hat Finanzkreisen zufolge Vorbereitungen für einen Börsengang in den USA gestartet. Eigentümer L Catterton, eine französisch-amerikanische Beteiligungsgesellschaft, hat laut mit der Transaktion vertrauten Personen Investmentbanken mit der Organisation des Deals beauftragt. Dazu gehören JP Morgan und Goldman Sachs. Das Unternehmen könnte mit rund sechs Milliarden Dollar bewertet werden.

Das Börsendebüt könnte, sofern es die Kapitalmärkte hergeben, bereits nach der Sommerpause oder im kommenden Jahr stattfinden. L Catterton, Birkenstock und die Banken lehnten Stellungnahmen ab oder waren zunächst nicht erreichbar.

L Catterton entstand 2016 durch den Zusammenschluss des US-Investmenthauses Catterton mit dem Private-Equity-Geschäft von LVMH und dessen milliardenschwerem Gründer Bernard Arnault. 2021 übernahm L Catterton einen Mehrheitsanteil an Birkenstock, wobei das Unternehmen mit 4,9 Milliarden Dollar bewertet wurde. Die Brüder Christian und Alex Birkenstock blieben an der Firma beteiligt.

Nach dem Einstieg von L Catterton hat Birkenstock eine Vertriebsoffensive gestartet – vor allem in Richtung USA und Asien. 2022 steigerte Birkenstock seinen Umsatz auf 1,24 Milliarden Euro, während das Betriebsergebnis (bereinigtes Ebitda) auf 435 Millionen Euro zulegte.

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Im Februar hatte Birkenstock Erik Massmann zum neuen Finanzchef bestellt, dem nun die Aufgabe zufällt, möglichen Investoren Birkenstock als gutes Investment anzupreisen.

Für die USA als Börsenstandort spricht, dass dort einige andere stark wachsende, disruptive Konsumentenmarken notiert sind und Birkenstock dadurch auf eine höhere Bewertung hoffen kann. Zudem sei dem Eigentümer L Catterton ein Listing von Portfoliounternehmen in seinem Heimatmarkt lieber, sagten mit der Transaktion vertraute Personen.

Birkenstock: Investitionen von 100 Millionen Euro

Beim Einstieg von L Catterton war bei dem fast 250 Jahre alten Unternehmen aus Linz am Rhein von geplanten Investitionen von 100 Millionen Euro die Rede gewesen, die etwa in die Modernisierung der Birkenstock-Fabrik im ostsächsischen Görlitz fließen sollten, wo die besonders stark nachgefragten Kork-Latex-Sandalen hergestellt werden.

Vergangenen Sommer kündigte die Firma ein neues Werk in Pasewalk an, in das insgesamt 120 Millionen Euro investiert werden sollen – die größte Einzelinvestition der Unternehmensgeschichte. Die Produktion soll im dritten Quartal starten. Mittelfristig sollen dort 1000 Menschen arbeiten. Global beschäftigt Birkenstock derzeit 5500 Mitarbeiter.

Der Investor L Catterton ist stark im Konsumgüterbereich investiert, managt Assets in Höhe von 30 Milliarden Dollar. Zum Portfolio der aktuellen Investments gehören etwa die Modemarken Etro und Ganni aus Italien und Dänemark oder die australische Outdoormarke 2XU. Zudem hält L Catterton kleinere Anteile an Start-ups wie den deutschen Amazon Resellern Razor und SellerX, dem Tourismusportal Getyourguide, dem Fleischersatzhersteller Planted oder der Gebrauchtwarenbörse Cazoo.

Der Investor behält bei Übernahmen die Alteigentümer gern mit im Haus. Der LVMH-Chef Arnault hatte bei dem Birkenstock-Deal vor zwei Jahren von einer „ikonischen Marke“ gesprochen, der die neuen Geldgeber helfen wollten, „ihr großes Wachstumspotenzial voll auszuschöpfen“.

Prominente wie Kristin Steward und Kendall Jenner tragen Birkenstock

Diese Strategie scheint aufzugehen. Gerade in den USA erlebt die Traditionsmarke in jüngster Zeit einen richtigen Aufschwung. Immer mehr Influencer und Prominente wie Kristin Steward und Kendall Jenner tragen Birkenstock und haben damit einen regelrechten Hype ausgelöst.

Sogar unauffällige Traditionsmodelle wie die Boston Clogs, die neu mittlerweile 150 Euro kosten, haben sich zu Bestsellern entwickelt und sind weitgehend ausverkauft. Das Modell gibt es seit 1979 in unverändertem Design. Auf Resale-Seiten wurden Boston Clogs zeitweise für rund 350 US-Dollar gehandelt.

Das Unternehmen schaffte es auch, seine Produktpalette erfolgreich auszuweiten. So führte es unter der Marke Birkenstock zunächst Ballerinas ein und in diesem Jahr auch Sneaker. Charakteristisch ist dabei jeweils das anatomisch geformte Korkfußbett.

Die Marke Birkenstock gibt es seit 1774. Das Unternehmen unterhält 16 Standorte, davon vier für die Produktion, allesamt in Deutschland. Neben Sandalen und Schuhen stellt Birkenstock seit vier Jahren auch Betten und Kosmetikprodukte her und bezeichnet sich seither selbst als „globale Lifestyle-Marke“.

Im Juni dieses Jahres feierte die Firma den 150. Jahrestag der Geburt von Konrad Birkenstock, der Anfang des 20. Jahrhunderts das anatomisch geformte Fußbett entwickelt hatte, das er bereits damals als „Gesundheits-Schuhwerk“ patentieren ließ.

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Die Firma gehörte in sechster Generation den Brüdern Alexander und Christian Birkenstock, ehe die Beteiligungsgesellschaft L Catterton und die Familienholding von LVMH-CEO Bernard Arnault, Financière Agache, die Mehrheit übernahmen. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg über die IPO-Vorbereitungen berichtet.

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