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Boeing Selbst wenn die 737 Max wieder abhebt – sie braucht einen Nachfolger

Noch ist unklar, wie lange der Produktionsstopp des Unglücksfliegers anhalten wird. Es gibt Hinweise, dass Boeing bereits einen neuen Jet entwickelt.
17.12.2019 - 17:06 Uhr Kommentieren
Boeing hat die Produktion vorläufig eingestellt. Quelle: Boeing
737-Max-Maschine

Boeing hat die Produktion vorläufig eingestellt.

(Foto: Boeing)

Frankfurt Die Investoren haben ihr Votum abgegeben. Gut ein Viertel hat die Aktie des US-Luftfahrtkonzerns Boeing seit März bereits eingebüßt. Es ist ein Misstrauensvotum gegen das amtierende Management. Nach den Abstürzen zweier Boeing 737 Max mit fast 350 Toten und dem Monate andauernden Flugverbot für den Jet traut man der Boeing-Spitze offensichtlich nicht zu, das Unternehmen durch die schwere Krise zu führen.

Die Ankündigung, die Produktion des Unglücksfliegers ab Januar vorübergehend zu stoppen, hat das Vertrauen weiter beschädigt. Vor allem aber befeuert es die Frage, ob das Flugzeug jemals wieder abhebt.

Seit Monaten arbeitet Boeing an einem Softwareupdate. Es soll das MCAS-System besser ausbalancieren, das einen Strömungsabriss verhindern soll. Die 737 Max ist eine überarbeitete Version der bisherigen 737. Um die Effizienz zu steigern, hat sie sehr schwere und große Triebwerke bekommen. Die mussten aus Platzgründen weiter vorne und näher zum Rumpf hin befestigt werden.

Das hat die Aerodynamik verändert. Die Maschine neigt zu einem zu steilen Aufstieg. Das MCAS steht in Verdacht, bei den Abstürzen wegen fehlerhafter Sensordaten zu stark in die Flugsteuerung eingegriffen zu haben. Das Update soll das beheben.

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    Nach dem Produktionsstopp stellen sich Experten allerdings die Frage, ob die Probleme der Max nicht gravierender sind als bisher bekannt. „Ich glaube, es ist Boeing klar geworden, dass alleine eine Softwarelösung nicht ausreicht. Es sind auch Änderungen an der Hardware nötig“, sagt Michael Santo, Vorstand des auf Luftfahrt spezialisierten Beratungsunternehmens h&z aus München. Der Produktionsstopp sei deshalb richtig, denn es sei nicht sinnvoll, einen Jet auf Halde zu bauen und dann mehrere Hundert davon hinterher aufwendig umzurüsten.

    Mängel bei der Schulung

    Santo ist zwar davon überzeugt, dass die Max wieder abheben wird. Das Flugzeug sei zu managen, wenn die Piloten umfassend geschult würden. Ohne gute Schulung sei das in Krisensituationen allerdings schwer. „Das ist der größte Vorwurf, den man Boeing machen muss: Das Unternehmen hat die Piloten nicht ausreichend auf das neue Modell vorbereitet.“

    Gleichzeitig glaubt der Experte aber, dass die Max nur noch eine Übergangslösung sein wird. Man könne an der Aerodynamik etwas ändern. „Aber es kann dann durchaus nicht mehr das Flugzeug sein, das man den Airlines versprochen hat – etwa in Bezug auf die Einsatzmöglichkeiten oder auch die Effizienz.“

    Für Santo steht deshalb fest: „Boeing muss einen Nachfolger entwickeln.“ Die Max sei mit einem Makel behaftet. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Jet jemals in den Stückzahlen im Einsatz sein wird wie ursprünglich geplant oder die Vorgängerversionen.“

    Tatsächlich gibt es seit einiger Zeit Hinweise, dass Boeing an einem neuen Kurz- und Mittelstreckenjet arbeitet. Das dauert aber mindestens sechs bis sieben Jahre. Bis dahin brauchen die Airlines eine Alternative zur A320-Familie des Rivalen Airbus. Ein mehrjähriges Monopol in diesem Marktbereich kann sich in der Branche keiner vorstellen.

    Also muss die Max einsatzbereit gemacht werden – wenn auch unter Schmerzen. Noch betonen die Airlines, die Auswirkungen der ausgesetzten Fertigung seien gering, da derzeit eh keine Jets ausgeliefert würden.

    Es werde nicht zu Flugausfällen kommen, heißt es etwa bei Tuifly, die seit fast einem Jahr auf die ersten Max wartet. Bei der Lufthansa-Beteiligung Sunexpress verweist man auf „alternative Szenarien“. Die Kunden würden an ihre Zielorte gebracht.

    Doch solche Aussagen hängen nicht zuletzt davon ab, wie lange der Produktionsstopp dauern wird. Boeing selbst äußert sich dazu nicht. Man will die Entscheidung der US-Aufsichtsbehörde FAA überlassen. Das dürfte auch eine Reaktion auf die wachsende Kritik der FAA an der Kommunikation von Boeing sein.

    Das Unternehmen hatte in den zurückliegenden Wochen und Monaten mehrfach Zuversicht verbreitet, was die Wiederzulassung des Flugzeugs betrifft. Das kam bei der FAA nicht gut an. Die Aufsicht steht selbst unter Beschuss, weil sie bei der Erstzulassung der Max viel zu eng mit Boeing zusammengearbeitet haben soll. Umso mehr muss die FAA nun ihre Unabhängigkeit von Boeing unter Beweis stellen.

    So hatte FAA-Chef Steve Dickson vor wenigen Tagen die Konzernspitze öffentlich zurechtgewiesen. Die verfolge bei der Max einen „unrealistischen“ Zeitplan. Auch verwahrte er sich gegen Äußerungen von Boeing, die den Druck auf die FAA erhöhen würden.

    Druck auf FAA wächst

    Doch der ist nun durch den Fertigungsstopp eher noch gewachsen. Die Max steht für einen großen Teil der zivilen Flugzeugfertigung von Boeing. Alleine im Werk Renton, in dem die Max gebaut wird, arbeiten 12.000 Menschen.

    Die würden ihren Job trotz des Stopps behalten, betont Boeing. Das sei die einzig gute Nachricht, erklärte Rick Larsen, der den Bundesstaat Washington im US-Repräsentantenhaus vertritt. Gleichzeitig sei die Produktionspause aber ein schwerer Schlag für die Wirtschaft in der Region.

    Gemeint sind damit nicht zuletzt die vielen Zulieferer von Teilen für die Max. Lieferanten könnten ohne staatliche Hilfen innerhalb von drei Monaten in die Insolvenz rutschen, warnt Berater Santo. Alleine die nun notwendige bilanzielle Abwertung der Bestände bei den Zulieferern sei signifikant. Auch drohe ein Stellenabbau in größerem Umfang.

    Bleibt es jedoch bei einer Produktionspause von maximal drei Monaten, sei die Wiederaufnahme der Fertigung für die Partnerfirmen noch machbar, so Santo. Nach mehr als sechs Monaten sei das dann aber schon mit dem Start eines Neuprogramms gleichzusetzen – inklusive der Auswahl, Qualifizierung und Zulassung neuer Lieferanten, warnt der Experte.

    Sogar bis nach Europa waren die Auswirkungen des Produktionsstopps am Dienstag zu spüren. Die Aktien der beiden Zulieferbetriebe Safran und Senior gaben zum Teil deutlich nach.

    Angesichts der großen Bedeutung von Boeing für die US-Wirtschaft gehen viele in der Branche davon aus, dass die Wiederzulassung der Max spätestens im kommenden Frühjahr realistisch ist. Die FAA bleibt bei dieser Frage zugeknöpft. Man habe keinen Zeitplan, Sicherheit sei die oberste Priorität, wird betont.

    Auch bei Boeing dürfte man auf ein schnelles Ende der Produktionspause hoffen. Je länger die Fertigung ruht, desto teurer wird es. Analysten tun sich aktuell noch recht schwer damit, die finanziellen Folgen abzuschätzen. Die Experten von Bernstein Research glauben aber, dass die Kosten geringer sein werden als der Verlust, den Boeing am Montag bei der Marktkapitalisierung hinnehmen musste: Das waren sieben Milliarden Dollar.

    Mehr: Der Produktionsstopp der 737 Max ist für Boeing ein Albtraum, meint Handelsblatt-Korrespondentin Katharina Kort.

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