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Börsengang Toni Petersson führt erfolgreich den Hafermilch-Pionier Oatly – und muss sich doch Kritik anhören

Seit 2012 führt der Schwede Toni Petersson Oatly. Vor allem die Beteiligung von Blackstone brachte ihm Kritik ein. Ein schlechtes Gewissen hat er aber nicht.
20.05.2021 - 15:39 Uhr Kommentieren
Oatly Chef Toni Petersson: Er steht hinter dem Investor Blackstone Quelle: Bloomberg
Toni Petersson

Der Oatly-Chef bereut nicht, den umstrittenen Investor Blackstone mit ins Boot geholt zu haben.

(Foto: Bloomberg)

Stockholm Für Toni Petersson ist in dieser Woche ein Traum in Erfüllung gegangen. Der von ihm geleitete Hafermilch-Produzent Oatly hat am Donnerstag den Gang an die New Yorker Börse gewagt.

Das Unternehmen aus Schweden sammelte stolze 1,4 Milliarden Dollar bei Investoren ein. Der Ausgabepreis der Oatly-Aktie lag mit 17 Dollar am oberen Ende der Preisspanne. Peterssons Unternehmen wird demnach mit zehn Milliarden Dollar bewertet.

Der 53-Jährige leitet den Hersteller von mittlerweile mehr als 40 Hafermilchprodukten bereits seit dem Jahr 2012. In dieser Zeit hat sich das einstige Start-up – 1994 von Wissenschaftlern der Universität im südschwedischen Lund gegründet – zu einem der größeren Spieler im Markt der Milchersatzprodukte entwickelt.

Der Weg dorthin war allerdings nicht immer einfach. Zunächst brachte Oatly mit provokanter Werbung die traditionelle Landwirtschaft gegen sich auf. In Schweden gab es in der Folge einen regelrechten „Milchkrieg“ zwischen Oatly und den großen Molkereikonzernen.

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    Im vergangenen Jahr dann brach dann ein Sturm gegen Oatly aus. Unter Peterssons Führung bezog der Hafermilchproduzent den umstrittenen Investor Blackstone mit ein. 400 Millionen Dollar hat die Investmentgesellschaft zusammen mit Prominenten wie der US-Moderatorin Ophrah Winfrey, dem Rapper Jay-Z und weiteren US-Stars in Oatly investiert.

    Besonders die Beteiligung von Blackstone mit rund acht Prozent führte in den sozialen Netzen zu einem Shitstorm. Die klassischen Wall-Street-Investoren passten nicht zum vermeintlichen Anti-Establishment-Image der Schweden, hieß es. Man habe seine Seele verkauft, schrieben enttäuschte Oatly-Kunden.

    „Nein“, rechtfertigte sich Petersson. „Um die Klimaziele zu erreichen und die Treibhausgase um 50 Prozent bis 2030 zu senken, sind große Investitionen erforderlich“, erklärte der Oatly-Chef dem Handelsblatt. Er ist davon überzeugt ist, dass die Kritik an der Beteiligung von Blackstone nicht fair ist. „Blackstone zeigt allen, dass die Investitionen der Zukunft grün sind.“

    Petersson habe deshalb kein schlechtes Gewissen. Auch nicht, obwohl Blackstone gleichzeitig in Kohlekraft und die Abholzung des Regenwalds investiert. „Wir stellten uns die Frage, wie wir am schnellsten unseren Beitrag zu einer Veränderung leisten können.“ Braune Investitionen müssten grün werden, und Blackstone habe einen ersten Schritt in diese Richtung unternommen.

    Oatly will den Klimaschutz ernst nehmen

    Doch es wurde bereits zuvor Kritik an Oatly laut. Schon vor vier Jahren hagelte es Proteste, nachdem der chinesische Staatskonzern China Resources rund 40 Prozent an Oatly übernommen hatte. Petersson lässt sich zwar nicht aus der Ruhe bringen, doch es nagt an ihm, dass er häufiger in die negativen Schlagzeilen gerät.

    Grafik

    Immer wieder betont er die Notwendigkeit, den Klimaschutz ernst zu nehmen. Die Entscheidung für Hafer- und gegen Kuhmilch könnte die negativen Auswirkungen auf das Klima „um 75 Prozent reduzieren“, sagt er.

    Aufgewachsen ist Toni Petersson in der Nähe von Göteborg. Der Sohn einer japanischen Mutter und eines schwedischen Vaters hat die ersten Lebensjahre noch im Heimatland seiner Mutter verbracht. „Ich wollte eigentlich ein Samurai werden, doch als auch mein Traum, ein Fußballprofi zu werden, platzte, gründete ich direkt nach dem Gymnasium zusammen mit einem Freund ein Musikstudio.“

    Doch da auch die Karriere als Popstar nicht richtig in Gang kam, landete er schließlich in der Gastronomie. Er gründete mit seinem Bruder in Malmö eine japanische Bar, ein Café und einen Getränkevertrieb. Es waren turbulente Zeiten für den Unternehmer.

    „Nach 14 Jahren merkten meine Frau und ich, dass wir eine Pause brauchten“, sagt Petersson. Die Unternehmen wurden verkauft, und zusammen mit seiner Frau und den Kindern zog er nach Costa Rica. „Dort erlebten wir hautnah die Konsequenzen des Klimawandels, wie Trockenheit und extreme Wetterlagen das Leben für die Menschen und Tiere beeinflusst.“

    Oatly führt im Milchkrieg gegen Arla

    Zurück in Schweden erhielt Peterson ein Angebot von Oatly. „Die Gründer wollten jemanden, der Oatly aus der Reformhausecke holte und zu einem Mainstreamprodukt machte“, sagt Petersson. Zunächst war er skeptisch, denn die Lebensmittelbranche war in seinen Augen „etwas sehr Langweiliges“. Schließlich sagte er aber zu.

    Langweilig dürfte ihm seitdem nicht geworden sein. Die Auseinandersetzung mit den traditionellen Milchproduzenten scheint ihm sogar Spaß zu machen. Der „Milchkrieg“ zwischen Oatly und den traditionellen schwedischen Molkereikonzernen wie beispielsweise Arla endete bislang mit einem Punktsieg für den Hafermilchproduzenten.

    Nachdem Arla in TV-Spots den unliebsamen Konkurrenten mit Produktnamen wie „Trölk“ – statt „Mjölk“ („Milch“) zu diskreditieren versuchte, reagierte Oatly postwendend und ließ sich „Trölk“ als Markennamen für künftige Produkte schützen. Ob Peterssons Oatly mit der unkonventionellen Art auch Erfolg an der New Yorker Börse haben wird, muss sich aber erst noch zeigen.

    Mehr: Haferdrinkproduzent Oatly peilt zehn Milliarden Dollar Börsenwert an.

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