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Brillenhandel Pro Optik: Expansion mit Traditionsoptikern im Kampf gegen Billigketten

Im Franchise mit inhabergeführten Geschäften will der Pro-Optik-Chef Micha Siebenhandl aggressives Wachstum – zulasten der aggressiven Ketten.
29.07.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Immer mehr Ketten verdrängen die inhabergeführten Fachgeschäfte. Pro Optik, selbst Kette, will dem Trend per Franchise und mit Fachberatung entgegentreten. Quelle: dpa
Brillengeschäft

Immer mehr Ketten verdrängen die inhabergeführten Fachgeschäfte. Pro Optik, selbst Kette, will dem Trend per Franchise und mit Fachberatung entgegentreten.

(Foto: dpa)

Düsseldorf In vielen Innenstädten ist es ein bekanntes Bild: Von den inhabergeführten Optikern ist nur einer übrig geblieben, häufig waren potenziellen Nachfolgern die Aussichten zu unsicher. Gleichzeitig werben gleich mehrere neue Ketten um die Brillenkunden: Mister Spex, Ace & Tate oder Eyes and More erobern die Fußgängerzonen.

Der „Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen“ kann diesen Eindruck mit Zahlen belegen. So ging im vergangenen Jahr die Zahl der Betriebe um 80 auf 11.550 zurück. Zugleich stieg der Anteil der großen zehn Ketten weiter. Allein Eyes and More machte zwölf neue Läden auf.

Micha Siebenhandl will dieser Entwicklung nicht mehr tatenlos zusehen. Der neue Chef von Pro Optik sagt den Wettbewerbern den Kampf an. „Private-Equity-Gesellschaften haben erkannt, dass in dieser Branche viel Geld zu verdienen ist, und haben den Markt mit Billigketten geflutet“, sagt Siebenhandl. Das habe die inhabergeführten Läden unter hohen Druck gesetzt.

Das werde Pro Optik jetzt kontern. Rund 250 neue Fachgeschäfte will das Unternehmen mit heute 145 Läden bis 2025 eröffnen. „Mit unserem geplanten Wachstum schießen wir gegen die billigen Filialketten“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt und ergänzt: „Das wird ein Verdrängungswettbewerb.“

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    Erreichen will er das aber nicht gegen die Traditionsoptiker, sondern mit ihnen. Denn der größte Teil der neuen Geschäfte soll im Franchisesystem zusammen mit inhabergeführten Unternehmen entstehen. „Wir wollen den Optikern helfen, die Kämpfe gegen die Ketten auf Augenhöhe und mit den richtigen Waffen zu führen“, erklärt Siebenhandl.

    Über Pro Optik bekommen sie bessere Einkaufskonditionen, Unterstützung beim Marketing und ein breites Sortiment mit bekannten Marken. „Wir haben immer weniger Traditionsoptiker“, klagt Siebenhandl. Die, die überleben, würden durch die neuen Ketten unter einen großen Preisdruck gesetzt. „Es ist eine große Herausforderung, dem Kunden die Qualität von Brillen zu erklären“, weiß er. Dabei soll sein Unternehmen helfen.

    Neue Ketten greifen an

    Dabei hat Pro Optik, immerhin die drittgrößte Optikerkette in Deutschland, selbst eine schwierige Zeit hinter sich. Die Gründer Peter Hoppert und Rainer Hildebrandt hatten im vergangenen Jahr das Unternehmen ebenfalls an einen Investor verkauft, Paragon Partners. Durch die Konzentration auf diese Verhandlungen wurde offenbar die strategische Planung etwas vernachlässigt. Der Umsatz stagnierte bei 125 Millionen Euro. Währenddessen zogen die Marktführer davon. Fielmann legt von 1,125 auf 1,190 Milliarden Euro Umsatz zu, Apollo Optik wuchs von 732 auf 772 Millionen Euro.

    Auch die neuen Angreifer sind nicht untätig. So hat Ace & Tate von seinem Miteigentümer Rinkelberg Capital gerade erst weitere 14,25 Millionen Euro für die Expansion bekommen. Damit soll noch in diesem Jahr die Zahl der Filialen in Europa um 30 Prozent auf dann 70 Geschäfte wachsen. Bilanzzahlen nennt das Unternehmen nicht. Es gibt aber das Ziel aus, in den nächsten zwei Jahren den Umsatz zu verdoppeln. Und CEO Mark de Lange teilte mit, dass die Kette 2019 immerhin in mehreren Monaten Gewinne geschrieben habe.

    Grafik

    Aggressiv wächst auch der Online-Brillenhändler Mister Spex. Und er hat nach eigenen Angaben 2018 schon einen operativen Gewinn gemacht – vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen. Die im „Bundesanzeiger“ veröffentlichten Zahlen weisen jedoch bei einem Umsatz von 103 Millionen Euro einen Jahresfehlbetrag von rund neun Millionen Euro aus, unter anderem weil das Unternehmen Zinsen von fast fünf Millionen Euro zahlen musste.

    Doch auch Mister Spex hat mittlerweile erkannt, dass Brillenverkauf ganz ohne Filialen nicht funktioniert, und setzt den Traditionsoptikern ganz direkt zu. Im vergangenen Jahr hat sich Gründer Dirk Grabner bei einer Finanzierungsrunde 65 Millionen Euro gesichert. Damit will er das eigene Filialnetz bis Ende dieses Jahres auf 40 Läden ausweiten.

    Dem will jetzt auch Pro Optik wieder eine Wachstumsgeschichte entgegensetzen. Im März holte Paragon Partners Siebenhandl als neuen Chef, der langjährige Erfahrungen im Topmanagement von Brillenherstellern mitbringt. Mit einer komplett neuen Führungscrew will er jetzt wieder angreifen. Aber eben mit einem Konzept, das nicht auf Verdrängung der alteingesessenen Läden setzt.

    Dabei sieht er großes Wachstumspotenzial im Markt, der im vergangenen Jahr ein Umsatzvolumen von 6,5 Milliarden Euro hatte. „Die Aussichten für den Markt sind grundsätzlich gut“, sagt er. „Immer mehr Menschen brauchen eine Brille, weil die Gesellschaft altert, aber auch viele früher fehlsichtig werden.“ Das belegen auch die Daten des Optikerverbands: So tragen mittlerweile 67 Prozent aller Deutschen ab 16 Jahre eine Brille. 1952 lag der Anteil erst bei 43 Prozent.

    Coronakrise bremst nur vorübergehend

    Die Folgen der Pandemie haben diese positive Entwicklung nur kurz unterbrochen. Zwar mussten auch die Optiker vorübergehend schließen und büßten viel Umsatz ein. Manch einer musste sich Sorgen um die Liquidität machen. Doch nicht zuletzt dank massiver Intervention der Verbände wurden sie rasch als systemrelevant eingestuft und konnten wieder Kundschaft empfangen.

    Jetzt hilft ihnen, dass die meisten Brillen keine Modeartikel sind, sondern medizinisch notwendig. „Wir holen jetzt auf, was wir im Shutdown nicht verkaufen konnten“, sagt der Pro-Optik-Chef. Doch: „Erst im September werden wir die Auswirkungen der Coronakrise auf die Branche wirklich sehen“, prognostiziert er.

    Was Siebenhandl aber zumindest vorläufig nicht sieht, sind große Geschäfte im Onlinehandel. „Wir sehen uns erst mal noch lange nur im stationären Geschäft“, sagt der Pro-Optik-Chef. „Denn solange wir nicht die gleiche Beratungsqualität im Onlinehandel garantieren können wie in der Filiale, werden wir dieses Geschäft nicht machen.“ Die Gefahr sei zu groß, dass man Kunden verliere, weil sie unzufrieden sind.

    Das sieht Marktführer Fielmann mittlerweile anders. Jahrelang hatte der Gründer Günther Fielmann sich dagegen gewehrt und gesagt, nur ein Optiker könne eine Brille anpassen. Doch seit sein Sohn Marc in die Geschäftsführung eingetreten ist, ist Digitalisierung das große Thema im Unternehmen.

    Gerade erst hat Fielmann in Hamburg einen Hightech-Store auf fünf Etagen eröffnet, der bei der Verknüpfung der Filiale mit dem Onlinegeschäft Maßstäbe setzen soll. Das Unternehmen arbeitet an einer Smartphone-App, die nicht nur Online-Sehtests ermöglichen soll, sondern auch eine millimetergenaue Anprobe.

    Auch das wäre dann ein Angriff eines Traditionsoptikers auf die Billigketten. Denn diesen technologischen Standard können so auch die neuen Start-ups nicht bieten.

    Mehr: Fielmann spart an vielem - außer der technologischen Zukunft.

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