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Nutella-Gläser

Unsere Autorin hat sieben Alternativen für Gaumen und Gewissen getestet.

(Foto: dpa)

Brotaufstrich 7 Nutella-Alternativen im Test: Gibt es gesunde Nuss-Nougat-Creme?

Nutella steht häufig in der Kritik. Unsere Autorin hat gute Alternativen für Gaumen und Gewissen gesucht. Hier kommen sieben Gläser voller Fett und Zucker.
21.06.2018 - 16:14 Uhr Kommentieren

Dieser Artikel ist am 21. Juni 2018 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

„Du bist so eklig“, sagt mein Freund zu mir als ich mir auf die Butterschicht noch eine Portion Nutella schmiere. „Und du hast keine Ahnung“, necke ich zurück und beiße genüsslich ins Brötchen. Auch, wenn es mir schmeckt, habe ich danach jedes Mal ein schlechtes Gewissen. Nutella macht doch dick und ganz fair arbeitet der Hersteller Ferrero auch nicht, oder? Ich will’s wissen: Gibt es eine gesunde Alternative zu meiner Schoko-Creme?

Nutella-Alternativen: Sieben Testkäufe im Supermarkt

Montag Nachmittag, die Reise beginnt. Ich bin auf der Suche nach einer Nuss-Nougat-Creme, die besser für Geschmack und Gewissen ist als Nutella. Schließlich kämpft der Hersteller Ferrero seit Jahren mit Vorwürfen, bekam zuletzt von Öko-Test sogar die „rote Karte“, weil sich in Nutella eine „stark erhöhte“ Menge an Mineralölen befände.

Wenn sich Mineralöle im Körper anreichern, könnten sie Organe schädigen und den Hormonhaushalt durcheinanderbringen, warnt die Verbraucherzentrale. Selbst ein Krebsrisiko sei nicht auszuschließen. Leider sind schlechte Bewertungen bei Nuss-Nougat-Cremes laut Öko-Test eher die Regel als die Ausnahme. Insgesamt fielen bei dem Test 14 von 20 untersuchten Brot-Aufstrichen durch.

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    Nutella im Test

    Ferrero setzte im Dezember noch einen drauf. Der Konzern änderte das Rezept. Seither enthält die Schokocreme noch mehr Zucker als vorher. Satte 56,3 Prozent sind nun in einem Glas enthalten. Das geht doch mit Sicherheit gesünder, hoffe ich. Auf meiner Reise durch die Regale von Rewe, dm, Edeka und eines Bio-Supermarkts finde ich sieben Alternativen:

    • Rewe Bio Nuss-Nougat Creme
    • Nocciolata Nuss Nougat-Aufstrich
    • Witor’s La Nocciola
    • La Vida vegan
    • dm Bio Nuss-Nougat vegan
    • Alnatura Nuss-Nougat Cacao Noisettes
    • Rapunzel Tiger Creme

    Sie alle versprechen auf den ersten Blick, gesünder zu sein. Aber stimmt das auch?

    Kategorie 1: Gesundheit

    Nutella ist voller Fett und Zucker. Und die Alternativen?

    Als ich die Aufstriche zuhause auspacke und mir die Nährwerte anschaue, bin ich enttäuscht. Bis auf die Tiger Creme von Rapunzel aus dem Bio-Markt enthalten alle Sorten nahezu 50% Zucker. Damit sind sie echte Süßigkeiten. Der Kakaogehalt liegt dagegen ist bei allen Marken unter zehn Prozent. Auch, wenn sie so aussehen: Schoko-Cremes sind das nun wirklich nicht.

    Tiger Creme im Test

    Hinzukommt der hohe Fettanteil in allen Cremes. Würde man die einzelnen Zutaten getrennt aufeinander schichten, wäre in fünf von sieben Fällen mehr als ein Drittel des Glases mit Fett gefüllt. Spitzenreiter in Sachen Fettanteil ist hier ausgerechnet die Tiger Creme, die mit dem vergleichsweise niedrigem Zuckeranteil noch glänzen konnte. Nutella enthält mit am wenigsten Fett.

    Alnatura Creme im Test

    Allerdings: Fett ist nicht gleich Fett. Es kommt auf den Anteil gesättigter und ungesättigter Fettsäuren an. Vereinfacht kann man sagen: Ungesättigte Fettsäuren sind gesünder, denn sie liefern dem Körper Bestandteile, die er nicht selbst herstellen kann.

    dm Nuss-Nougat-Creme Test

    Leider schneidet die Tiger Creme auch hier nicht besser ab. Während alle anderen Cremes maximal 20 Prozent des Fetts als gesättigte Fettsäuren enthalten, sind es bei der Tiger Creme 25 Prozent. Noch schlechter ist der Wert nur bei Nutella: Darin sind mehr als ein Drittel der Fette gesättigte Fettsäuren. Eine Diät solltest du mit keiner der getesteten Cremes machen, alle haben mehr als 530 Kalorien pro 100 Gramm. Das ist ungefähr doppelt so viel wie bei Pizza.

    Kategorie 2: Umwelt und Fairness

    Nutella trägt kein Bio-Siegel. Und die Alternativen?

    Die Aufstriche bestehen durchschnittlich zu einem Sechstel aus Haselnüssen. Die gelten als einigermaßen gesund, aber unter welchen Bedingungen werden sie angebaut? Immerhin sechs meiner sieben Cremes (alle außer Witor’s La Nocciola) verfügen über das grüne blattförmige EU-Biosiegel. Das bedeutet, dass weder chemische Pflanzenschutz- und Düngemittel noch Gentechnik zum Einsatz kam und im fertigen Produkt höchstens 49 statt 316 Zusatzstoffe erlaubt sind.

    Rewe Nuss-Nougat-Creme Test

    Allerdings sagt dieses Zertifikat nichts über die Arbeitsbedingungen beim Anbau aus. Gerade beim Haselnussanbau sollen immer wieder Kinder die schweißtreibende Ernte übernehmen. Es sei denn, die Produkte stammen aus fairem Handel. Das bekannteste Siegel, um das zu gewährleisten, ist das blau-grüne Fairtrade-Logo. Produkte, die über dieses Siegel verfügen (hier: Rewe Bio Nuss-Nougat-Creme und La Vida Vegan), versprechen unter anderem folgende Standards:

    • Organisation in demokratischen Gemeinschaften
    • Geregelte Arbeitsbedingungen
    • Verbot von Kinderarbeit
    • Diskriminierungsverbot
    • Bezahlung des Fairtrade-Mindestpreises

    Rapunzel stellt seine Tiger Creme ebenfalls unter fairen Bedingungen her. Um das zu kennzeichnen hat die Firma allerdings ihr eigenes Logo: „Hand in Hand“. Damit verspricht das Unternehmen ebenfalls ein Verbot von Kinderarbeit sowie menschenwürdige, gesunde und sichere Arbeitsbedingungen. Auf dem Etikett der Creme macht Rapunzel deutlich, dass Kakao, Zucker und Palmöl aus fairem Handel stammen.

    Nocciolata Nuss-Nougat-Creme Test

    Schließlich finde ich noch ein weiteres Logo. Diesmal auf Witor’s La Nocciola. „UTZ certified“ findet sich an mehreren Stellen auf dem Glas. Im Vordergrund stehen auch hier das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit sowie gerechte Arbeitsbedingungen. Der Kunde soll außerdem anhand eines Codes verfolgen können, woher die Zutaten stammen. Leider bezieht sich das Zertifikat der Witor’s Creme nur auf den Kakao.

    Bei Nutella finden sich hingegen keinerlei Zertifikate auf der Verpackung. Man sucht vergebens sowohl nach einer Bio- als auch nach einer Fair Trade-Kennzeichnung. Dafür betont Ferrero auf der Internetseite, dass das Unternehmen auf gerechte Arbeitsbedingungen und das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit achte.

    Kategorie 3: Palmöl

    Nutella enthält Palmöl. Und die Alternativen?

    Und dann wäre da noch ein Kritikpunkt vieler Naturschützer: Palmöl. Das Fett aus der Frucht der Ölpalme ist in fast allen Nuss-Nougat-Cremes enthalten. Es ist vor allem deshalb so beliebt, weil es bei Zimmertemperatur fest ist (sich damit leicht transportieren lässt) und nach der Verarbeitung geschmacksneutral. Doch Palmöl hat einen schlechten Ruf. „Oft muss Regenwald abgeholzt werden, um Platz für die Monokulturen der Ölpalme zu schaffen“, sagt ein Sprecher der Verbraucherzentrale auf Anfrage.

    Dennoch sei es wichtig zu bedenken, dass auch Organisationen wie Greenpeace oder WWF Palmöl nicht grundsätzlich ablehnen: „Gegenüber anderen Ölen hat Palmöl auch durchaus Vorteile.“ Vor allem seien Ölpalmen sehr ergiebig. Würde man stattdessen komplett auf Rapsöl, Sonnenblumenöl oder Sojaöl achten, müsste man viel größere Felder frei machen. So würde das Problem nur verlagert. Deshalb erklärt Armin Valet: „Es geht eher darum, wie der Anbau betrieben wird: Wird nachhaltig angebaut oder wird Brandrodung betrieben und Regenwald abgeholzt?“

    Witor's Nuss-Nougat-Creme Test

    Wenngleich Palmöl im Internet auch gern als gesundheitsschädlich verschrien ist, gibt die Verbraucherzentrale Hamburg hier Entwarnung. Wir können also bedenkenlos Palmöl konsumieren – solange wir auf die Herkunft achten. Rapunzel wirbt als einzige Creme explizit mit fairem Bio-Palmöl. Nutella ist zudem Mitglied im „Round Table on Sustainable Palm Oil“ (RSPO) und verspricht damit ebenfalls eine nachhaltige Produktion des Rohstoffes. Die Ferrero-Marke scheint es nur nicht für nötig zu halten, das auf ihren Gläsern zu kennzeichnen.

    Kategorie 4: Geschmack

    Nutella-Alternativen: Alle schmecken anders

    Doch sind wir ehrlich: Am Ende entscheidet immer noch der Geschmack. Ich schmiere mir acht kleine Schnittchen. Sieben davon bestreiche ich mit den Alternativen, eine mit Nutella. Dann probiere ich.

    Besonders in die palmölfreien Produkte Witor’s La Nocciola, Nocciolata und La Vida Vegan habe ich große Hoffnungen gesetzt. Leider enttäuschten mich ausgerechnet diese. La Vida Vegan ließ mich zusammenzucken. Der plastische Nachgeschmack wollte auch nach einem Glas Wasser nicht aus meinem Mund weichen. Nocciolata schmeckte durch und durch nach dem Sonnenblumenöl, was offenbar statt des Palmöles verwendet wird. Die Creme von Witor’s hatte etwas sehr künstliches.

    La Vida Creme Test

    Positiv überrascht war ich dagegen von den günstigeren Varianten aus Rewe, dm und von Alnatura. Zwar haben die mich nicht vom Hocker gehauen, waren aber durchaus genießbar. Während die Version von Alnatura sehr unaufdringlich schmeckte, bestach das Pendant von Rewe durch den starken Nuss-Geschmack. Unerklärlich eigentlich bei nur 15% Haselnüssen. Vielleicht macht der vergleichsweise hohe Kakaoanteil den Geschmack einfach intensiver.

    Mein absoluter Favorit war die Tiger Creme. Ich mag den natürlichen und leicht salzigen Geschmack. Tatsächlich ist im Schnitt pro 100 Gramm ein Milligramm mehr Salz enthalten als in den restlichen Cremes. Mit dem vertrauten Geschmack von Nutella kann meiner Meinung nach aber keine Creme mithalten. Bleibt nur noch eine Alternative: selber machen.

    Nutella-Alternative: Selbst gemacht ist noch am besten

    Man kann Nuss-Nougat-Cremes auch ganz leicht zuhause herstellen. Der Vorteil: Man weiß, was drin ist und – im besten Fall – wo es herkommt. Dazu braucht man allerdings einen leistungsstarken (!) Mixer, der Haselnüsse pürieren kann. Für ein großes Glas voll Brotaufstrich braucht man:

    • 400g Haselnüsse
    • 7 EL geschmolzenes Kokosöl
    • 5 EL Kakaopulver
    • 1/2 TL Bourbon-Vanillepulver
    • 8 EL Agavendicksaft
    • 1 Prise Salz

    Haselnüsse bei 170 Grad Ober – und Unterhitze für circa zehn Minuten rösten. Im Anschluss die gerösteten Haselnüsse portionsweise vom Blech nehmen und in den Handflächen reiben, sodass sich die braunen Schalen weitgehend ablösen. Jetzt die Nüsse in den Mixer geben und solange zerkleinern, bis eine cremige Paste übrig bleibt. Das erfordert Geduld!

    Ist das erledigt, müssen bloß noch die anderen Zutaten hinzugegeben und vermengt werden. Wer beim Einkauf auf die Herkunft der Zutaten achtet, kann sich so ein faires Bio-Nutella zaubern und ganz einfach selbst steuern, wie viel Zucker er in die Creme gibt.

    Am Ende steht eins fest: Keine der Nuss-Nougat-Cremes ist wesentlich gesünder oder schmeckt auch nur annähernd wie das Original. Alle sind etwas teurer. Allein die Tiger Creme von Rapunzel zeichnet sich durch ihre Herkunft aus: bio und fair! Traurigerweise sind ausgerechnet die drei Aufstriche, die ohne Palmöl auskommen (Nocciolata, La Nocciola, La Vida Vegan) im Geschmackstest durchgefallen.

    Was bleibt, sind acht volle Gläser Schokocreme, die ich nun verschenken werde, und ein komischer Nachgeschmack.

    Mehr: Honig – süßer Nutella-Ersatz mit Konsum-Tücken

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