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Brotaufstrich im Test Warum du für guten Honig nicht mehr als 2,29 Euro ausgeben musst

Für Honig kannst du ein kleines Vermögen ausgeben – oder nur ein paar Euro. Ein neuer Test der Stiftung Warentest zeigt jetzt: Teuer muss nicht besser sein. Im Gegenteil.
  • Lisa Santos
01.02.2019 - 13:00 Uhr Kommentieren
Honig-Test
Orange-Autorin Lisa bei ihrem persönlichen Honig-Test

„Bei dem Preis kann man ja wohl nichts falsch machen, oder?“ (Foto: Lisa Santos / Orange by Handelsblatt)

Dieser Artikel ist am 01. Februar 2019 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Ich stehe vor dem Frühstücks-Regal im Rewe und fühle mich überfordert. Eigentlich wollte ich nur schnell ein Glas Honig kaufen. Doch inzwischen sind schon fünf Minuten vergangen und ich kann mich immer noch nicht entscheiden. Waldhonig. Akazienhonig. Rapshonig. Blütenhonig. Gebirgsblütenhonig. Gab es schon immer so viele Sorten?

Honig: Preis für 500 Gramm reicht von unter 3 Euro bis 9 Euro

Die ausschweifenden Aufschriften helfen mir auch nicht weiter. Auf fast jedem Glas steht so etwas wie „sonnenverwöhnt“, „aus unberührten Gebirgslandschaften“ oder „blumiger Geschmack“. Hinzu kommt, dass es jede Sorte von verschiedenen Marken gibt – und zu sehr unterschiedlichen Preisen.

Die Spanne reicht von deutlich unter drei Euro bis zu neun Euro für ein Glas mit 500 Gramm. Und jetzt? Fast schon verzweifelt schnappe ich mir schließlich den Bio-Akazienhonig, der mit 5,69 Euro für 350 Gramm (16,26 Euro pro Kilo) zu den teuersten Sorten zählt. Bei dem Preis kann man ja wohl nichts falsch machen, oder?

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    Kann man doch! Das zeigt der aktuelle Test der Stiftung Warentest. Die hat insgesamt 36 Honig-Produkte untersucht. Jeden vierten davon hat sie mit „mangelhaft“ bewertet, in manchen Sorten fanden die Tester sogar Reste von Pflanzenschutzmitteln. Kriterien waren unter anderem das Aussehen, der Geschmack und der Pollenanteil.

    Das überraschende Fazit der Stiftung Warentest: Der Preis sagt kaum etwas über die Qualität. Zu den Testsiegern gehören auch Produkte von Discountern wie Lidl oder Aldi. Bevor ich mir die Ergebnisse im Detail anschaue, entschließe ich mich für einen kleinen Selbstversuch.

    Honig vom Imker gegen Blütenhonig von Lidl: Welcher schmeckt besser?

    Dazu kaufe ich neben der teuren Sorte aus dem Rewe noch einen der billigsten Honige aus dem Test: den cremigen Blütenhonig von Lidl zum Preis von 2,29 Euro für 500 Gramm (4,58 Euro pro Kilo). Zuhause finde ich außerdem noch ein angebrochenes Honigglas, das meine Mutter bei einem lokalen Imker für 6,60 Euro (13,20 Euro pro Kilo) gekauft hat. Mein kleiner Küchentest kann starten.

    Da es verschiedene Honigsorten sind, kann man sie nicht direkt vergleichen – aber ich bin ja auch keine Wissenschaftlerin, sondern eine ganz normale Kundin. Ich achte vor allem auf den Geschmack und stelle fest: Der ist bei allen drei Sorten ordentlich.

    Honig-Test bei Stiftung Warentest: Aldi und Lidl sind Testsieger

    Ich biete meinem Bruder ein Stück Brot mit den Discounter-Aufstrich an und frage ihn, wie teuer er ihn einschätzen würde. Er hält ihn für Imkerhonig. Und auch ich muss zugeben, dass ich von dem billigen Lidl-Honig überrascht bin, ich hätte nicht gedacht, dass er mir so gut schmeckt. Ob er aber auch aus Experten-Sicht gut abschneidet, kann ich natürlich nicht beurteilen. Höchste Zeit also, die Ergebnisse der Stiftung Warentest genauer zu prüfen.

    Die Profi-Tester haben insgesamt 36 Produkte untersucht. Ich schaue mir zwei Sorten genauer an, die bei Kunden im Supermarkt besonders beliebt sind – Waldhonig und Mischblütenhonig. Folgende Sorten fallen mir dabei auf (Grafik):

    Honig im Test

    Auch mein teurer Bio-Akazienhonig von Rewe taucht im Test auf – mit der Note 2,4. Das Produkt enthalte so gut wie keine kritischen Stoffe und schneide auch sonst ziemlich gut ab, urteilen die Prüfer. Bei Farbe, Konsistenz, Geruch und Geschmack („sensorische Prüfung“), erzielt der Honig jedoch nur befriedigende Ergebnisse.

    Mein Lidl-Honig kommt in der Kategorie „kritische Stoffe“, etwas schlechter weg als der Bio- Akazienhonig, erhält aber trotzdem die Note 2,0. Damit ist er in der Gruppe der Mischblütenhonige sogar Testsieger. Und das vor dem fast doppelt so teuren Produkt von Langnese (Note 2,4) und anderen deutlich teureren Produkten, die sogar Siegel des Deutschen Imkerbundes tragen. Wie kann das sein? Und warum sind so viele Honig-Produkte „mangelhaft“?

    Imker bestätigt Honig-Test: „Preis ist kein Garant für Qualität“

    Die Tester bemängeln bei den Produkten mit schlechten Ergebnissen vor allem einen „nichttypischen“ Geschmack, Schäden durch zu warme Verarbeitung, Transport oder Lagerung oder einen zu geringen Pollenanteil. Bei Akazienhonig beispielsweise müssen mindestens 20 Prozent der Pollen von einer Pflanzenart namens „Scheinakazie“ kommen.

    Außerdem zieht die Stiftung Warentest Punkte ab, wenn die Etiketten fehlerhafte oder zu wenige Infos tragen. Zum Beispiel dann, wenn der wichtige Warnhinweis fehlte, dass Honig nichts für Säuglinge ist. Aber was macht nun wirklich guten Honig aus?

    Das frage ich Christian Schlott. Er ist Imker in Mannheim und muss wissen, wie man bei dem ganzen Honig-Dschungel den Durchblick behält. Honig-Liebhabern rät Schlott, zu einem regionalen Imker zu gehen. Dort findet man reine Sorten und keine zusammen gekippten Mischungen (zu erkennen an dem Aufdruck „Honig aus EU und nicht EU-Ländern“).

    Diese Qualität hat allerdings auch ihren Preis. So müsse ein Berufsimker mindestens sechs bis acht Euro für ein 500 Gramm-Glas verlangen, um noch wirtschaftlich arbeiten zu können. Der Experte bestätigt aber auch das Ergebnis der Stiftung Warentest: „Der Preis ist kein Garant für Qualität.“ Mit anderen Worten: Es spricht nichts dagegen, Honig im Supermarkt zu kaufen. Allerdings sollte man sich vorher gut informieren und aufmerksam das Etikett lesen.

    Allein die Tatsache, dass ein Produkt gemischt ist („Honig aus EU und nicht EU-Ländern“), spricht übrigens nicht für schlechte Qualität. Die Sieger bei Stiftung Warentest sind sogar allesamt Mischprodukte. Allerdings nimmst du dabei in Kauf, dass dein Honig im Lkw quer durch Europa unterwegs war – was schlecht für die Umwelt ist.

    Mein persönliches Fazit fällt daher gemischt aus: Ich beschließe, mich künftig genauer zu informieren, bevor ich Honig kaufe und lese die Etiketten kritischer. Oder ich kaufe einfach Marmelade, die esse ich sowieso lieber.

    Mehr: Vegane Burger im Test: Welcher ist der beste?

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