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Brückeneinsturz in Genua Investoren strafen italienischen Brückenbetreiber Atlantia ab

Die Schuldfrage bei dem Brückeneinsturz in Genua ist noch nicht geklärt. Doch Investoren gehen bereits in Deckung. Die Gruppe Atlantia gerät massiv unter Druck.
16.08.2018 - 19:20 Uhr 1 Kommentar
Die Infrastrukturholding Atlantia mit Sitz in Rom kontrolliert rund 80 Prozent der Anteile von Autostrade per l’Italia. Quelle: dpa
Autobahnbrücke in Genua eingestürzt

Die Infrastrukturholding Atlantia mit Sitz in Rom kontrolliert rund 80 Prozent der Anteile von Autostrade per l’Italia.

(Foto: dpa)

Rom Gebetsmühlenartig wiederholen alle Vertreter der italienischen Regierung seit dem Einsturz der Autobahnbrücke in Genua am Dienstag, dass die Betreiber schuld an dem Unglück seien. Sie hätten keine Wartung durchgeführt, so Vizepremier Luigi Di Maio, Chef der Bewegung Fünf Sterne.

„Die Wahrheit ist, dass alle nur ans Geschäft denken“, sagte er am Donnerstag. „Es gibt noch Tote unter den Trümmern, Verletzte im Krankenhaus, Helfer im Dauereinsatz“, betonte er. „Und von der Gruppe Atlantia der Benettons kommen Äußerungen über den Restwert.“

Ganz so ist es nicht. Die Infrastrukturholding Atlantia mit Sitz in Rom kontrolliert rund 80 Prozent der Anteile von Autostrade per l’Italia, dem größten Betreiber von mautpflichtigen Autobahnen in Italien, der auch für die A10 zuständig ist, zu der die Brücke in Genua gehört. Das Textilunternehmen Benetton ist über seine Familienholding Edizione Srl zu 30 Prozent größter Anteilseigner von Atlantia.

Alle Wartungen seien vertragsgemäß durchgeführt worden, erklärte Atlantia gleich nach dem Unglück und widersprach der Regierung. „Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, um die Suche nach der Wahrheit und Verantwortlichkeit zu unterstützen“, heißt es in einer Mitteilung von Edizione Srl. Im Namen der Aktionäre spreche man den Familien der Opfer Beileid aus. Am Samstag findet in Genua ein Staatsbegräbnis statt.

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    Von der Familie Benetton äußerte sich auf Anfrage niemand. Doch die Mailänder Börse, die am Mittwoch wegen des Feiertags Ferragosto geschlossen war, strafte den Krieg der Worte ab. Atlantia wurde zeitweise vom Handel ausgesetzt und verlor gegen Ende des Börsentags rund 17 Prozent nach 23 Prozent am Morgen.

    Das kann Auswirkungen haben auf die Expansionspläne des Unternehmens, das 2016 einen Umsatz von 6,1 Milliarden Euro verzeichnete. Atlantia will künftig eng mit Hochtief kooperieren und wird ein Großaktionär des deutschen Baukonzerns.

    Der übernimmt gerade den spanischen Autobahnbetreiber Abertis. Im nächsten Schritt soll Atlantia einen großen Teil der Abertis-Aktien übernehmen, ein weiteres Paket soll an den Hochtief-Mehrheitsaktionär ACS gehen – eine komplizierte Konstruktion, auf die das Unglück von Genua Auswirkungen haben kann.

    Auch andere Autobahnbetreiber-Aktien betroffen

    Der Kursverfall in Mailand betraf auch die anderen Betreiber von mautpflichtigen Autobahnen: Autostrade Meridionali, Astm und Sias drehten ins Negative. Ein Grund ist die Diskussion um eine mögliche Verstaatlichung, die die Regierung vorantreibt. Ein weiterer sind mögliche Regressforderungen.

    Die Regierung droht, allen Betreibern die Lizenz zu entziehen. Atlantia wehrte sich mit scharfen Worten: Ankündigungen wie die der Regierung könnten direkte Auswirkungen auf die Aktionäre haben, heißt es in einer Mitteilung. Und falls dem Unternehmen die Lizenz entzogen würde, sei „in jedem Fall“ eine Entschädigung zu zahlen.

    Vizepremier Di Maio erklärte am Donnerstag, im Angesicht von Toten hätten Verträge keinen Wert. Analysten sehen das anders. Eine gerichtliche Auseinandersetzung könne sehr lange dauern, heißt es beim Mailänder Brokerhaus Intermonte.

    Die meisten Händler haben ihre Bewertungen der Atlantia-Aktie nach unten korrigiert; sie sind aber übereinstimmend skeptisch, dass der Lizenzvertrag, der schon zu Zeiten der Regierung Prodi unterzeichnet und vor drei Jahren um 50 Jahre verlängert wurde, überhaupt aufgelöst werden kann.

    „So etwas ist finanziell nicht realisierbar, denn der Staat müsste Milliarden an Atlantia zahlen“, schreibt Intermonte, das Recht auf Entschädigung sei tatsächlich festgeschrieben. Banca Akros meint, ein solches Szenario sei undenkbar. Ob die Regierung den Vertrag gelesen hat, ist nicht bekannt.

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    1 Kommentar zu "Brückeneinsturz in Genua: Investoren strafen italienischen Brückenbetreiber Atlantia ab"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Eine zusammengebrochene Autobahnbrücke als Nachweis für die Unfähigkeit der gegenwärtigen italienischen Regierung? Ja, das kann man so sehen! Man kann auch konstatieren: typisches Populistenverhalten!
      Hoffentlich wird diese Brücke zu einer vertieften Diskussion von ÖPP-Vorhaben in Deutschland führen. Denn sicher kann man von einem ausgehen: Verhandlungen zu ÖPP-Verträgen sind i.d.R. dadurch geprägt, dass auf der einen Seite Menschen mit einer klaren Zielvorstellung sitzen, welche im Gegensatz zu den Verhandlungspartnern ihre Projekte durchrechnen können. Viele ÖPP-Verträge leiden darunter, dass 1) die öffentliche Seite ein Projekt unbedingt wollte, weil es politisch "opportun" erschien, sie aber 2) die vertraglichen Zusagen nicht seriös durchgerechnet hat.
      Die Folge: die Projekte werden letztlich überteuert und der Steuerzahler muss dafür einstehen, dass unfähige Politiker und widerspruchs-ungeübte Verwaltungsmitarbeiter ohne Kostenbewußtsein solche Projekte abgeschlossen haben.

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