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Bundeskartellamt Markenverband kritisiert Erlaubnis für Lekkerland-Übernahme

Das Bundeskartellamt hat Rewe die Genehmigung für den Kauf des Großhändlers erteilt. Doch noch kann die Übernahme nicht vollzogen werden.
Update: 09.10.2019 - 13:20 Uhr Kommentieren
Die Kölner hatten 2018 mit über 360.000 Mitarbeitern in 22 europäischen Ländern einen Umsatz von über 61 Milliarden Euro erzielt. Quelle: dpa
Rewe-Supermarkt

Die Kölner hatten 2018 mit über 360.000 Mitarbeitern in 22 europäischen Ländern einen Umsatz von über 61 Milliarden Euro erzielt.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Rewe hat einen weiteren wichtigen Schritt zur Übernahme des Großhändlers Lekkerland genommen. Das Bundeskartellamt hat die Fusion jetzt ohne Auflagen in der sogenannten Erste-Phase-Prüfung freigegeben. Damit können weder Wettbewerber noch Zulieferer gegen die Genehmigung klagen.

„Im Bereich Großhandel mit Lebensmitteln kommen Rewe und Lekkerland auch gemeinsam nur auf unbedenkliche Marktanteile von unter 10 Prozent“, begründete Kartellamtspräsident Andreas Mundt die rasche Genehmigung des Deals. Zwar seien sie im Segment der Belieferung von Tankstellen und Kiosken der mit Abstand stärkste Anbieter. „Allerdings beschränkt die starke Nachfragemacht der großen Mineralölgesellschaften die Handlungs- und Preissetzungsspielräume“, so Mundt.

Experten und Lieferanten schätzen den Deal jedoch sehr viel problematischer ein als das Kartellamt. „Die Übernahme von Lekkerland betrifft zwar nicht den Einzelhandel, sondern den Großhandel, aber sie würde die Nachfragemacht von Rewe gegenüber den Herstellern stärken", hatte Jens Steger, Kartellrechtler der internationalen Wirtschaftskanzlei Simmons & Simmons im Vorfeld der Genehmigung gesagt.

Deswegen macht sich gerade der Markenverband, der die Konsumgüterhersteller vertritt, große Sorgen. „Die Entscheidung des Bundeskartellamtes ist aus Sicht des Markenverbandes bedauerlich“, sagte Andreas Gayk, Leiter Wettbewerbs- und Vertriebspolitik des Verbands auf Anfrage des Handelsblatts. Es werde damit ein widersprüchliches Signal gesendet: Während im digitalen Bereich die Entstehung und Wirkung von Marktmacht der großen Plattformen immer kritischer beäugt werde, scheine der zuletzt klare Blick auf die stationären Handelsplattformen wieder getrübt. „Die Verstärkung ihrer Macht wird mit der heutigen Entscheidung akzeptiert“, sagt Gayk.

Genehmigung in Österreich steht noch aus

Vor Kurzem noch hatte das Kartellamt die Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch Edeka untersagt, und das mit der Marktmacht der großen Händler begründet. In der Zwischenzeit hat jedoch der Vorsitz in der zuständigen Beschlussabteilung des Bundeskartellamts gewechselt. Vorsitzender ist jetzt Felix Engelsing, der offenbar eine weniger kritische Sichtweise auf die Konzentration in der Branche hat als seine Vorgängerin Birgit Krüger.

Damit hat sich die Strategie von Rewe ausgezahlt. Denn eigentlich hätte die Europäische Kommission die Übernahmen prüfen müssen. Auf Antrag von Rewe jedoch hatte die Kommission im Juli die Prüfung an das Bundeskartellamt verwiesen. Das hatte vor seiner Entscheidung rund 120 Wettbewerber, Lieferanten und Kunden befragt.

„Für beide Unternehmen, die Rewe Group und Lekkerland, ist die Freigabe des Zusammenschlusses durch das Bundeskartellamt eine positive Nachricht“, sagte ein Rewe-Sprecher. Lekkerland gewinne unter dem Dach der Rewe Group „sehr gute Zukunftsperspektiven“. Zugleich werde Rewe künftig Großhändler im Bereich „Convenience“.

Rewe und Lekkerland können den Zusammenschluss jedoch noch nicht vollziehen, da die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde das Vorhaben noch nicht genehmigt hat. Dort ist die Marktmacht von Rewe noch größer als in Deutschland.

Nach Prognosen des österreichischen Markenverbands kämen die beiden Unternehmen zusammen im Convenience-Bereich auf einen Marktanteil von 75 Prozent. Für andere Länder, insbesondere Spanien, Portugal und die Benelux-Staaten, hatte die EU-Kommission den Erwerb von Lekkerland durch Rewe bereits am 7. August 2019 frei gegeben.

Rewe plant, einen neuen strategischen Geschäftsbereich zu gründen, in den Lekkerland integriert werden soll. In diesen Bereich wird Rewe auch sein Geschäft mit der Belieferung von Tankstellen einbringen.

Rewe setzt auf diesen Bereich große Hoffnungen. „Die Unterwegsversorgung und der Außerhaus-Verzehr gehören zu den stärksten Trends unserer Branche und werden zukünftig eine noch wichtigere Rolle spielen“, hatte Rewe-Chef Lionel Souque bei der Ankündigung der geplanten Übernahme im Mai dieses Jahres gesagt.

Doch bisher tut sich Rewe in diesem Segment sehr schwer. Nachdem sich Probleme in der Umsetzung zeigten, war die weitere Expansion der „Rewe to go“-Shops an den Aral-Tankstellen vorübergehend ausgesetzt worden.

Das Konzept soll jetzt mit Hilfe der Expertise von Lekkerland grundsätzlich überarbeitet werden. Rewe-Chef Lionel Souque lobte bereits die „spezialisierte Logistik“ und die „umfassende Großhandels- und Convenience-Expertise von Lekkerland“.

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