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BVE-Untersuchung Chaotischer Brexit würde deutsche Ernährungsindustrie eine Million Euro pro Tag kosten

Ein ungeregelter EU-Austritt Großbritanniens träfe die deutsche Ernährungsbranche laut einer Studie besonders stark. Doch einzelne Hersteller könnten vom Brexit profitieren.
31.01.2020 - 12:36 Uhr Kommentieren
Bahlsen, Lambertz & Co.: Deutsche Ernährungsindustrie als Verlierer eines harten Brexits Quelle: imago images / Manfred Segerer
Leibniz-Butterkeks

Bahlsen schreibt in Großbritannien derzeit rote Zahlen.

(Foto: imago images / Manfred Segerer)

Düsseldorf In Deutschland gibt es eine Branche, die einen ungeregelten Brexit besonders fürchten dürfte: die Ernährungsindustrie. Immerhin ist das Königreich ihr viertgrößter Exportmarkt. Sollte kein Austritts- oder Handelsabkommen mit der EU zustande kommen, kommen auf die deutsche Branche Kosten in Höhe von einer Million Euro pro Tag zu, wie die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) nun ermittelt hat.

Jährlich müssen die deutschen Ernährungsfirmen demnach mit einer Zolllast von etwa 382,5 Millionen Euro rechnen. Damit wäre das Segment stärker belastet als die deutsche Gesamtwirtschaft. Laut Ifo-Institut lägen die durchschnittlichen Kosten pro Branche bei rund 360 Millionen Euro im Jahr.

Zu den Herstellern, die ein harter Brexit besonders träfe, zählt die Lambertz-Gruppe aus Aachen. Vor dem Stichtag hätten große Handelsketten auf der Insel bereits Gebäck auf Vorrat geordert, denn britische Zölle werden in Zukunft auch die Printen und Kekse von Lambertz verteuern. „Ich befürchte Umsatzeinbußen von zehn bis 20 Prozent“, sagte Hermann Bühlbecker, Alleininhaber der Lambertz-Gruppe mit zuletzt 626 Millionen Euro Gesamtumsatz.

Auch Werner M. Bahlsen vom gleichnamigen Gebäckhersteller findet den Brexit „alles andere als witzig“. Derzeit schreibt das Unternehmen in Großbritannien rote Zahlen. „Großbritannien ist für uns ein spannender Wachstumsmarkt, in den wir gezielt investieren. Wir wären dumm, wenn wir jetzt den Stecker ziehen würden“, sagte Bahlsen kürzlich dem Handelsblatt.

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    Auch für deutsche Molkereiprodukte ist Großbritannien eines der wichtigsten Absatzländer, vor allem für Käse und Butter. Deshalb ist die Tragweite – vor allem eines harten EU-Austritt Großbritanniens – für die Hersteller groß.

    Laut Peter Stahl, Vorsitzender des Milchindustrie-Verbands, könnte ein harter Brexit auch Folgen für den deutschen Markt haben. Es könnte sein, dass Butter, Milch oder Joghurt in deutschen Supermärkten billiger werden. Denn falls weniger Milchprodukte auf die Insel geliefert werden, steigt das Angebot hierzulande: Folglich sinken die Preise.

    Der „Brexit-Effekt“

    Ein solcher „Brexit-Effekt“ wäre etwa dreimal so groß wäre wie der „Russland-Effekt“, schätzt Schmal. Im Zuge der EU-Sanktionen durch die Krim-Krise verhängte Russland 2014 ein Einfuhr-Embargo gegen Lebensmittel aus westlichen Ländern. „Viele Molkereien, die damals für den russischen Markt produziert hatten, mussten sich von heute auf morgen andere Abnehmer suchen“, erinnert sich Schmal.

    Deutsche Bauern habe das damals zwei bis vier Cent pro Liter Milch gekostet. Denn sie mussten ihre Milch in anderen Ländern verkaufen, in denen die Märkte teils schon gesättigt waren. Im Vorteil sind deutsche Molkereien, die in Großbritannien mit eigenen Molkereien vertreten sind.

    Die Auswirkungen eines ungeregelten Brexits wären laut BVE für die Fleischindustrie enorm. Wursthersteller Reinert, der jüngst mit Wettbewerber Kemper zu The Family Butchers fusionierte, ist seit 30 Jahren auf der Insel aktiv. „Wir sind mit Abstand der größte deutsche Wurstexporteur nach Großbritannien“, sagt Hans-Ewald Reinert, Co-Chef des neuen Wurstriesen. „Das Hin und Her mit dem Brexit in den letzten drei Jahren ist irre. Wir haben alle Szenarien durchgespielt und sind vorbereitet.“

    Sein Kollege Wolfgang Kühnl unterstreicht: „Die Briten können sich mit Schweinefleisch und Wurst nicht selbst versorgen, sie müssen importieren.“ The Family Butchers mit Sitz in Versmold hoffen sogar, vom Brexit profitieren zu können. „Viele kleine deutsche Wursthersteller dürften den britischen Markt verlassen, weil sich das nicht mehr lohnt für sie“, sagt Wurstfabrikant Reinert. „In die Lücke können wir stoßen und sogar wachsen.“

    Mehr: Das Bahlsen-Ehepaar spricht im Interview mit dem Handelsblatt über den schwierigen Generationswechsel, die Shitstorms um ihre Tochter Verena und die zuletzt schlechten Zahlen.

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