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Carsharing und Elektroroller Madrid will zur Elektro-Hauptstadt werden

Die spanische Hauptstadt Madrid gilt als Testfeld für innovative Mobilität. Doch nun stellt ein Regierungswechsel das bisher Erreichte infrage.
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Die deutschen Carsharing-Unternehmen setzen in der spanischen Hauptstadt auf Elektroautos.
Car2go in Madrid

Die deutschen Carsharing-Unternehmen setzen in der spanischen Hauptstadt auf Elektroautos.

Madrid Es gibt kaum etwas, das Alex Rodriguez nicht mit seinem E-Scooter macht. Der 26-jährige Madrilene hängt sogar seine Einkaufstüten an den kleinen Lenker und surft damit durch die Stadt nachhause. Trifft er sich mit Freunden, faltet er den Roller zusammen und stellt ihn neben sich an der Bar ab. „In Madrid fahre ich damit überall hin“, sagt er.

Gerade allerdings geht er seinem Gefährten fremd: Runde um Runde gleitet er auf neuen Modellen über die kleine Messe für Elektro-Fahrzeuge, die jeden Sommer im Zentrum von Madrid stattfindet. Dort ist Rodriguez auch das erste Mal auf E-Scooter gestoßen – und hat gleich einen gekauft.

Die Messe ist eine von zahlreichen Initiativen, mit denen die spanische Hauptstadt ihre Bewohner an elektrische Fahrzeuge heranführen machen will. An der Plaza Colón lassen sich ein Wochenende lang faltbare Elektro-Motorräder ebenso bewundern wie die neueste Ladetechnik, E-Autos oder elektrische Motocross-Scooter. Besucher können ein- oder aufsteigen und mit den E-Mobilen durch die Innenstadt kurven.

Das Madrider Rathaus lässt sich einiges einfallen, um die klimaschädlichen Verbrennungsmotoren auf seinen Straßen zu reduzieren. „Madrid hat das weltweit größte Angebot von Sharing-Diensten für elektrisch betriebene Autos, Fahrräder, Motorräder und Tretroller“, sagt Sandra Phillips, Chefin der Beratung für Shared Mobility, Movmi.

Nutzer lokalisieren verfügbare Fahrzeuge mit einer App auf ihrem Handy, fahren damit zu ihrem Ziel und zahlen bargeldlos, sobald sie die Gefährte wieder abstellen. Ihnen stehen in Madrid 2.700 Autos, rund 6.000 E-Motorräder, 2.500 elektrische Fahrräder und knapp 10.000 E-Scooter zur Verfügung.

Kampf gegen die Luftverschmutzung

Das große Angebot ist aus der Notwendigkeit geboren, der krassen Luftverschmutzung in der Stadt Herr zu werden. Madrid überschreitet seit fast zehn Jahren die Grenzwerte der EU, die der Stadt deshalb bereits mit einer Klage drohte. Die Bürgermeisterin hat das Sharing-Modell gefördert, mehr Rad- und Fußgängerwege gebaut und in ihrem Parade-Projekt „Madrid Central“ den Verkehr im Innenstadtkern auf emissionsarme oder -freie Fahrzeuge beschränkt.

Sie hat damit die EU zufriedengestellt, die Spanien deshalb nicht wegen ausbleibender Maßnahmen zur Reduzierung der Luftverschmutzung verklagt hat – anders als Deutschland und fünf weitere Länder.  Der europäische Verband für Elektromobilität (AVERE) hat die spanische Hauptstadt in diesem Jahr für ihre Aktionen mit dem „e-visionary“ Preis als beste europäische Stadt ausgezeichnet.

Mit seinen 3,2 Millionen Einwohnern auf engem Raum, der Luftverschmutzung, nervtötenden Staus und dem Trend zum Leben in der Innenstadt ein Modell für andere Megastädte. Die Marktforscher von Grand View Research gehen davon aus, dass der weltweite Markt für geteilte Mobilität von 105 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 um jährlich ein Viertel auf 620 Milliarden Dollar im Jahr 2025 wachsen wird. Das ist mehr als der Umsatz, den die der drei großen deutschen Autobauer VW, Daimler und BMW im Jahr 2017 zusammen erzielten.

Elektroautos parken gratis

Madrid ist ein Beispiel dafür, was Städte tun können. Die Spanier haben vor allem durch eine kluge Regulierung für die große Vielfalt an elektrischen Vehikeln und für ihre zügige Verbreitung gesorgt. „Der Schlüssel war die Erlaubnis, Elektroautos im gesamten Stadtgebiet gratis und zeitlich unbeschränkt parken zu dürfen“, sagt Arturo Pérez Lucia, Chef des spanischen Wirtschaftsverbands für die Entwicklung und Förderung des Elektrofahrzeugs (Aedive).

In Madrid mit seiner sehr restriktiven Park-Verordnung ist das wie ein Lottogewinn. Parkhäuser sind teuer und auf Parkplätzen an der Straße dürfen Nutzer die Autos nur zwei, an wenigen Stellen vier Stunden lang abstellen – und diese Zeit nicht verlängern. Wer danach weiter in der Stadt bleiben will, muss zum Parken den Stadtteil wechseln.

„Für Carsharing-Anbieter sind die Parkplätze die größte Herausforderung, und der größte Kostenblock“, sagt Expertin Phillips. „Die Gratis-Parkplätze haben in Madrid die Elektrifizierung vorangetrieben.“ Der deutsche Anbieter ShareNow, der Anfang des Jahres aus der Fusion der Mobilitätsdienste von Daimler und BMW entstand, verleiht in Madrid ausschließlich E-Autos. Weltweit ist dagegen nur 20 Prozent seiner Flotte elektrisch.

Auch die Wettbewerber haben reine E-Flotten, mit einer Ausnahme: Das Gemeinschaftsunternehmen des spanischen Ölkonzerns Repsol mit dem südkoreanischen Autoersteller Kia (Wible) arbeitet mit Hybriden – noch: Ab 2020 will auch Wible in Madrid nur E-Autos einsetzen.

Dabei hat die spanische Hauptstadt ein großes Handicap: Es fehlen öffentliche Ladestationen. „Es gibt davon nur 24 Stück in der ganzen Stadt, das ist zu wenig“, erklärt Experte Arturo Pérez. ShareNow muss seine Autos deshalb zu eigenen Ladestationen fahren, sie dort auftanken und dann wieder zurück auf die Straßen bringen. „Das ist aufwendiger und kostspieliger als in Städten, die eine öffentliche Lade-Infrastruktur haben“, sagt Business Development Manager David Bartolomé.

Ein komplettes Ökosystem fürs Elektrosharing
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