Cartier, Piaget und Parmigiani Stahlharte Zeiten für Luxusuhren

Die goldene Epoche ist erst einmal vorbei, wie die Uhrenmesse in Genf zeigt. Durch die Krisen in Saudi Arabien, Russland und China kommen harte Zeiten auf die Branche zu. Als Material der Stunde gilt deshalb Stahl.
Besucher am Stand von Cartier. Quelle: AFP
Genfer Uhrenmesse

Besucher am Stand von Cartier.

(Foto: AFP)

GenfEs glänzt und funkelt auf der Uhrenmesse in Genf. Trotz Absatzflaute in China und nachlassender Touristenströme in Europa hat der Branchentreff der Luxusgüterhersteller nichts an Glamour verloren - zumindest auf den ersten Blick. Doch dort, wo in den vergangenen Jahren fast ausschließlich Luxuszeitmesser aus Gold das Auge erfreuten, blitzen nun auch zunehmend Modelle aus poliertem Stahl. Luxuskonzerne wie Richemont mit den Marken Cartier und Piaget setzen inzwischen stärker auf weniger hochpreisige Modelle, um die Kundschaft trotz unsicherer Zeiten zum Kauf zu animieren.

Das neue in Stahl gefasste Cartier-Herrenmodell Drive etwa ist ab gut 5000 Euro zu haben. Das ist unüblich für die Edel-Marke, die neue Linien normalerweise zuerst in Gold und Leder für mehr als 10.000 Euro lanciert. Auch für die Damenuhren der Schwestermarke Piaget müssen die Käuferinnen weniger tief in die Tasche greifen - sie kosten gut 7000 Euro und nicht wie bislang mindestens 10.000 Euro. „Der Preis spielt für die Kunden heute eine andere Rolle“, sagte Piaget-Chef Philippe Leopold-Metzger zu Reuters. „Die Zeiten sind schwierig. Der Markt hat sich verändert und ist stärker umkämpft, was den Preis betrifft.“

Das spiegelt sich auch in den Absatzzahlen der Hersteller: Die Schweizer Uhrenexporte sanken in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres um 3,3 Prozent. Das liegt zum einen an dem langsameren Wirtschaftswachstum im wichtigen chinesischen Markt. Zudem geht die dortige Regierung im Kampf gegen Korruption seit einiger Zeit gegen das Verschenken von Luxusartikeln vor. Doch auch die trotz Krisen gewöhnlich konsumfreudige Kundschaft aus Russland und dem arabischen Raum kann die Einbußen in Asien nicht ausgleichen. Vor allem rund um den persischen Golf sorgt der niedrige Ölpreis für Verunsicherung - und die Kunden lassen ihre nicht mehr ganz so dicke Geldbörse lieber stecken.

Zwar ist das für die Uhrenkonzerne unterm Strich bislang nicht so schmerzhaft wie die Krise in den Jahren 2008 und 2009. Damals hatte die traditionsreichen Schweizer Uhrenindustrie mehr als 5000 Arbeitsplätze abgebaut. Wie lange der Abschwung anhält, ist allerdings nach Einschätzung des Präsidenten des Schweizer Uhrenverbands, Jean-Daniel Pasche, noch nicht absehbar.

Die zehn beliebtesten Luxusgüter der Welt
Rang 10: Luxus-Kreuzfahrten
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Die Demografie- und Einkommensentwicklung wirkt sich positiv auf die Luxus-Kreuzfahrt-Industrie aus. Rund zwei Milliarden Euro Umsatz wurden 2015 in diesem Marktsegment erwirtschaftet. Im Vergleich zu 2014 ist der Markt um vier Prozent (wechselkursbereinigt) gewachsen. Damit sind Kreuzfahrten unter den Reichen nach wie vor sehr gefragt. Insbesondere Fahrten zu ungewöhnlichen Reisezielen waren in diesem Jahr beliebt.

Rang 9: Luxus-Jachten
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Der Luxus-Jacht-Markt stagniert. 2015 wurden – genauso wie im Vorjahr – weltweit sieben Milliarden Euro in diesem Segment umgesetzt. Das reicht jedoch aus, um einen Platz in der Top Ten der beliebtesten Luxusgüter zu ergattern. Eine positive Tendenz hat sich zudem abgezeichnet: Die Nachfrage nach Halbfertigerzeugnissen in der Industrie aus China und dem Vereinigten Königreich ist zuletzt gestiegen.

Rang 3: Luxuriöse Privatjets
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Privatjets waren 2015 das achtgrößte Segment auf dem Luxusgütermarkt mit einem Umsatz von 21 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Nachfrage um 14 Prozent gewachsen, wechselkursbereinigt ist das Wachstum jedoch sogar um einen Prozent gesunken. Nordamerika ist hier der stärkste Markt.

Rang 7: Hochwertige Designerwaren
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Das zweite Jahr in Folge ist die Nachfrage auf dem Designmarkt gestiegen – wechselkursbereinigt um vier Prozent auf 32 Milliarden Euro. Beliebt waren im vergangenen Jahr vor allem hochwertige Wohn- und Schlafzimmermöbel, sowie Designerlampen. Besonders der europäische Markt konnte von den positiven Wechselkursentwicklungen profitieren, insbesondere Italien und Deutschland kam dies zugute. Den größten Verkaufskanal bildet nach wie vor der Großhandel (66 Prozent), der Online-Handel macht in diesem Segment zurzeit noch einen geringen Anteil aus, wächst aber stetig.

Rang 6: Bildende Künste
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Luxusgüter aus der bildenden Kunst machen 70 Prozent des gesamten Kunstmarkts aus. Die sich schnell entwickelnden Online-Kanäle bilden eine vielversprechende Plattform für interessierte Sammler, die noch keine Marktkenner sind. Der größte Markt ist in diesem Segment die USA, der vor allem in New York floriert.

Rang 5: Delikatessengeschäft
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Ähnliches gilt für das Delikatessengeschäft. In diesem Segment wurden 2015 45 Milliarden Euro umgesetzt, der Markt ist im Vergleich zu 2014 um vier Prozent gewachsen. Insgesamt wurden in der Sparte mit dem Delikatessengeschäft und Luxus-Spirituosen 108 Milliarden Euro auf der ganzen Welt umgesetzt.

Rang 4: Luxusweine und Spirituosen
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Mit Luxusweinen und Spirituosen wurden 2015 64 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Das entspricht einem Wachstum von drei Prozent (wechselkursbereinigt) im Vergleich zum Vorjahr. Auf der ganzen Welt konnte Luxuswein ein solides, organisches Wachstum verzeichnen. Experten rechnen zukünftig mit einer besonders starken Kaufkraft der Touristen in diesem Marktsegment, da sie den Wertverlust des Euro für Luxus-Shoppingtouren in Europa nutzen.

„2016 wird viel davon abhängen, wie sich die geopolitische Situation entwickelt.“ Denn Wohl und Wehe der Branche hängt nicht zuletzt an den Touristenströmen in Europas Großstädte und kulturelle Top-Magneten für ein weltweites Publikum. Die Terroranschläge in Paris im November haben viele davon abgehalten, den Kontinent zu bereisen.

Entsprechend leer bleiben die Luxusboutiquen in den Innenstädten. Einige Uhrenproduzenten haben darauf bereits mit dem Abbau von Arbeitplätzen reagiert - etwa der jüngst vom Luxusgüterkonzern Kering übernommene Uhrenhersteller Ulysse Nardin oder die unabhängigen Konkurrenten Parmigiani und Christophe Claret. Selbst der rasch wachsenden Richemont-Schmuck- und Uhrenmarke Van Cleef & Arpels macht der Nachfragerückgang in Hongkong, Macau und den USA zu schaffen. Deren Chef Nicolas Bos spürt den Gegenwind für die Branche Tag für Tag: „Wir sind von dem sinkenden Konsumvertrauen genauso betroffen, wie alle anderen.“

  • rtr
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