Casper, Emma, Bodyguard Matratzen-Start-ups bekämpfen sich mit Dumpingpreisen und Anwälten

Mit billigen Einstiegsmodellen verschärfen Onlinehändler den Kampf im Matratzenmarkt. Und der wird mit viel Geld und sogar vor Gericht geführt.
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Matratzen-Start-ups Emma, Bodyguard und Caspar bekämpfen sich Quelle: obs
Lena Meyer-Landrut wirbt für Emma Matratzen

Die Matratzen-Start-ups geben viel Geld für Werbung aus – und für Gerichtsprozesse.

(Foto: obs)

DüsseldorfDer Preiskampf im Onlinehandel mit Matratzen geht in die nächste Runde. Ab dem morgigen Montag bringt der Anbieter Emma Matratzen ein preiswertes Einsteigermodell in den Verkauf. Das sagte der Gründer des Emma-Eigentümers Bettzeit GmbH, Dennis Schmoltzi, dem Handelsblatt. Das Modell unter dem Namen Emma One soll 290 Euro kosten.

Das Angebot richtet sich an junge preisbewusste Kunden, etwa Studenten, die sich erstmals eine Wohnung einrichten. Damit reagiert Bettzeit auf den aggressiv in den Markt drängenden US-Wettbewerber Casper. Der hatte in der vergangenen Woche ebenfalls ein Einsteigermodell unter dem Namen Casper Essential angekündigt, das sogar schon ab 225 Euro zu haben ist.

„Mit der Essential möchten wir gezielt ein urbanes Publikum zwischen 20 und 35 Jahren ansprechen“, sagt Casper-Europachef Constantin Eis. „Wir möchten den Kreis der Menschen erweitern, die sich unsere Produkte leisten können und eine Alternative auf dem Markt anbieten.“

Damit greifen die Start-ups ausgerechnet den Pionier des Onlinehandels mit Matratzen an: Adam Szpyt mit seinem Unternehmen Bett1.de. Szpyt hatte vor einigen Jahren die Branche mit einem neuen Geschäftsmodell und einer erfolgreichen Kartellklage nachhaltig aufgebrochen. Seine Matratze unter dem Namen Bodyguard stellte alles Bisherige auf den Kopf: Weil die Hersteller ihn blockierten, produzierte er selbst, verkaufte die Matratzen online – und das auch noch zum Kampfpreis. Und bekam zu allem Überfluss von Stiftung Warentest auch noch die Bestnote. Die Bodyguard hat einen Einstiegspreis von 199 Euro.

Seinen Kampf gegen den etablierten Matratzenhandel hatte Szpyt nahtlos auf die neuen Onlinekonkurrenten übertragen. In zahlreichen Gerichtsverfahren geht es meist um die Verwendung des Begriffs „Testsieger“. So hatten neue Anbieter mit dubiosen angeblichen Testseiten im Internet geworben und hatten dafür Abmahnungen kassiert.

„Es gibt in Deutschland einen intensiven Wettbewerb, aber das tut dem Markt gut, weil es ihn belebt“, beschreibt Bettzeit-Gründer Schmoltzi den verschärften Preiskampf.

Und auch Bett1-Gründer Szpyt schrecken die neuen Konkurrenzprodukte nicht. „Wir freuen uns sogar darüber“, sagt er selbstbewusst. Der Markt ist ohnehin dicht besetzt. Zahlreiche Newcomer wie Eve Sleep, Bruno oder Muun kämpfen bereits um Onlinekunden.

Und dieser Kampf wird auch mit viel Geld geführt. Casper beispielsweise hatte bei einer Finanzierungsrunde in den USA im vergangenen Jahr 170 Millionen Euro von Investoren bekommen, darunter auch Hollywood-Schauspieler Kevin Spacey. Auch Pro Sieben Sat 1 ist bei dem Start-up eingestiegen und bietet ihm Sendezeit für Werbung.

Bisher ist Pionier Szpyt nach eigenen Angaben mit einem Umsatz von 120 Millionen Euro und rund 700.000 verkauften Matratzen im Jahr 2017 Marktführer im Onlinehandel mit Matratzen in Deutschland.

Mangels offizieller Statistiken ist das nur schwer nachprüfbar, vergleichbare Zahlen sind rar. Casper beispielsweise sagt überhaupt nichts zu Umsatz oder Absatz. Aber klar ist: Die Konkurrenz ist ihm zumindest auf den Fersen.

So hat Emma-Eigentümer Bettzeit im abgelaufenen Geschäftsjahr in Europa einen Umsatz von 33 Millionen Euro gemacht. Im Jahr zuvor waren es erst 20 Millionen Euro.

Und das Unternehmen will das Tempo noch deutlich anziehen. „Wir wollen in diesem Jahr unseren Umsatz auf mehr 60 Millionen Euro verdoppeln“, sagt Gründer Schmoltzi dem Handelsblatt. Die Zahl der verkauften Emma-Matratzen hat das Start-up schon 2017 im Vergleich zum Vorjahr auf 80.000 verdoppelt.

In 14 Ländern ist die erst 2015 gegründete Emma Matratzen GmbH jetzt online. In fünf Ländern arbeitet das Unternehmen auch mit stationären Partnern zusammen. So kann man Emma-Matratzen in Europa beispielsweise in Filialen von Matratzen Concorde und Galeria Kaufhof probeliegen. Casper hatte vorübergehend eine ähnliche Kooperation mit der KaDeWe-Gruppe.

Zusätzliches Wachstumspotenzial verspricht sich Bettzeit von dem Kauf der Traditionsmarke Dunlopillo. Ende 2016 hatte das Unternehmen den insolventen Matratzenhersteller übernommen und umstrukturiert. Im Sommer 2017 wurde nach sechs Monaten das operative Geschäft mit einem neuen und deutlich schlankeren Produktportfolio wiederaufgenommen.

„Unser mit Abstand wichtigstes Produkt ist zurzeit die Emma Matratze, aber im diesem Jahr soll auch Dunlopillo einen starken Beitrag leisten“, sagt Schmoltzi. Der Kauf von Dunlopillo habe enorme Synergien gebracht. „Das war auch einer der Gründe für die Übernahme“, ergänzt er.

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